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Fermentierte Lebensmittel

Entzündungen im Körper mit der richtigen Nahrung bekämpfen

Fermentierte Lebensmittel sind gesund
Bei Kimchi handelt es sich traditionell um fermentierten ChinakohlFoto: iStock/ Kanawa_Studio

Fermentierte Lebensmittel wie Joghurt, Kimchi oder Sauerkraut haben einen enorm positiven Einfluss auf die Gesundheit. An der kalifornischen Stanford University wurde erforscht, wie sehr eine entsprechende Ernährung vor weit verbreiteten Krankheiten schützen kann.

Eine einfache Ernährungsumstellung könnte laut einer aktuellen Studie dazu beitragen, dass sich das Risiko für Diabetes Typ 2, Arthritis, Herz-Kreislauf-Krankheiten und sogar Krebs erheblich verringert. Und zwar, indem regelmäßig fermentierte Lebensmittel in den Speiseplan eingebaut werden. Aktuellen Forschungsergebnissen zufolge sollen fermentierte Lebensmittel den Spiegel von 19 entzündlichen Proteinen im Darm senken – mit enormen Vorteilen für die Erhaltung der Gesundheit. FITBOOK hat sich die Studie der Universität Stanford genauer angesehen.

Studienaufbau

Für die Studie wurden 36 gesunde Erwachsene nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die einen erhielten vorrangig fermentierte Lebensmittel. Auf ihrem Ernährungsplan standen vor allem Joghurt, Kefir, Kimchi, fermentierten Hüttenkäse und fermentiertes Gemüse und Kombucha-Tee. Die andere Gruppe aß besonders ballaststoffreich: u.a. Hülsenfrüchte, Samen, Vollkorn-Produkte, Nüsse, Gemüse und Obst. Vor, während und nach dem Versuchszeitraum wurden den Probandinnen und Probanden Stuhl- und Blutproben entnommen. Die Befunde sind erstaunlich.

Fermentierte Lebensmittel verdrängen Endzündungsproteine

Die Ergebnisse zeigen, dass eine auf fermentierte Lebensmittel ausgerichtete Ernährung zu einer erheblichen Zunahme der mikrobiellen Vielfalt führt. Die Spiegel von 19 Entzündungsproteinen – Marker für Entzündungen – nahm den Forschenden zufolge ebenfalls ab. Eines dieser Proteine, Interleukin 6 genannt, gilt als Mitauslöser für Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Typ-2-Diabetes und chronischem Stress. „Dies ist ein erstaunlicher Befund“, erklärt Studienleiter Justin Sonnenburg in der Universitätsmitteilung.1 „Es ist eines der ersten Beispiele dafür, wie eine einfache Ernährungsumstellung das Mikrobiom gesunder Erwachsener reproduzierbar umbauen kann.“ Eine auf fermentierte Lebensmittel ausgerichtete Ernährung verbessere die Gesundheit auf ganzer Ebene, indem sie das Immunsystem stärkt. „Dieses Ergebnis war bei allen Teilnehmenden der Fermentations-Gruppe konsistent.“ Der komplette Studienbericht erschien im Fachmagazin „Cell“.2

Viele Ballaststoffe erhöhen Vielfalt des Mikrobioms offenbar nicht

Anders bei der Ballaststoff-Gruppe: Hier habe keines der 19 entzündlichen Proteine abgenommen und die Vielfalt der Darmmikroben habe sich im Schnitt nicht verändert. Auch dies war durchaus überraschend, hatten die Forschenden eine positivere Wirkung bei ballaststoffreicher Ernährung erwartet. Laut Mitautorin Dr. Erica Sonnenburg legen die Daten nahe, dass „eine erhöhte Ballaststoffaufnahme allein über einen kurzen Zeitraum nicht ausreicht, um die Vielfalt der Mikrobiota zu erhöhen“.

Die Studie zeigte auch, dass eine höhere Ballaststoffaufnahme zu mehr Kohlenhydraten in den Stuhlproben führte – Hinweis einer unvollständigen Ballaststoffverdauung durch Darmmikroben. Hinweise darauf, dass das Mikrobiom der Menschen in der industrialisierten Welt an faserabbauenden Mikroben erschöpft ist, gibt es aus der Forschung schon länger.

Fermentierte Lebensmittel für die langfristige Gesundheit

Für die Forschenden ist damit klar: Eine lediglich ballaststoffreiche Ernährung reicht nicht aus, um bestimmte Krankheiten vorzubeugen. Um möglichst lange gesund zu bleiben, braucht es die Hilfe wichtiger Bakterien, wie sie in fermentierten Lebensmitteln vorkommen.

Die Forschenden wollen nun untersuchen, ob der Verzehr von Fermentiertem bei Personen mit bereits bestehenden Immun- und Stoffwechselerkrankungen, bei Schwangeren sowie älteren Menschen Entzündungen lindert und damit einhergehende Symptome verbessert. „Es gibt viele weitere Möglichkeiten, das Mikrobiom mit Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln anzusprechen. Wir hoffen, weiterhin untersuchen zu können, wie sich unterschiedliche Diäten, Probiotika und Präbiotika auf das Mikrobiom und die Gesundheit verschiedener Gruppen auswirken“, erklärt Justin Sonnenburg.

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