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Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr

Der Fitness-Test des KSK – was muss man können?

Sport-Test des KSK
Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr seilen sich bei einer Übung aus einem Helikopter abFoto: Getty Images

Jederzeit, überall auf der Welt und alles streng geheim: Die Soldaten des „Kommandos Spezialkräfte“ sind die Elitetruppe der Bundeswehr. Sie befreien Geiseln, jagen gesuchte Terroristen, evakuieren, bergen und retten. Wer Teil dieser Spezialeinheit werden will, muss ein langwieriges, teilweise geheimes Testverfahren bestehen. FITBOOK stellt den körperlichen bzw. sportlichen Teil davon vor.

Das sogenannte „Potenzialfeststellungsverfahren“ für den Dienst im Kommando Spezialkräfte (KSK) dauert zwölf Wochen und besteht aus mehreren Teilen. Untersucht werden – neben der charakterlichen Eignung – geistige und körperliche Fähigkeiten. FITBOOK hat sich den sportlichen Teil von einem Sprecher der Division Schnelle Kräfte (DSK) der Bundeswehr erläutern lassen. Was muss man können, um den Sport-Test des KSK zu bestehen?

Allgemeiner Sport-Test (Teil des Potentialfeststellungsverfahrens)

Reaktion, Koordination, Merkfähigkeit – auch unter Stress

Zunächst wird in einem zu durchlaufenden Parcours geprüft, ob der Bewerber oder die Bewerberin die Mindestanforderungen in den Bereichen Reaktion, Koordination, Wahrnehmungsfähigkeit, Merkfähigkeit sowie Konzentrationsfähigkeit – auch unter Stress – erfüllt, erfährt FITBOOK auf Nachfrage von einem DSK-Sprecher.

In der Division Schnelle Kräfte (DSK) sind die Fallschirmjäger, die Hubschrauber und das Kommando Spezialkräfte zusammengefasst. Der Stab der Division befindet sich in Stadtallendorf (Hessen).

Rumpfkraft, Sprungkraft, Schnellkraft der Arme

Ein Teil des Parcours sei die Überprüfung der Mindestanforderung im Bereich der Kraft. Geprüft würden: Rumpfkraft an Rücken und Bauch, Sprungkraft, Schnellkraft der Arme. „Da von den Bewerbern erwartet wird, in allen Bereichen das Beste zu geben, und um ein Taktieren zu verhindern, werden die zu erreichenden Mindestleistungen nicht veröffentlicht“, erklärt der Sprecher.

Koordinative Fertigkeiten und anaerobe Ausdauer

Ein weiterer Test bestehe aus dem Überwinden der Bundeswehr-Hindernisbahn. Bewerber und Bewerberinnen (Frauen sind im Testverfahren gleichgestellt und müssen dieselben Anforderungen wie Männer bewältigen, Anm. d. Red.) sollen „ihre Bestleistung“ zeigen. Überprüft würden koordinative Fertigkeiten in Verbindung mit anaerober Ausdauer


Grundlagenausdauer, Schnelligkeit sowie Schnell- und Maximalkraft der Beine

Zur Steuerung des Trainings in den weiteren Phasen der Potenzialfeststellung werden „die Schnelligkeit, die Schnellkraft der Beine, die Maximalkraft der Beine sowie die Grundlagenausdauer unter Laborbedingungen“ getestet.


Schwimmprüfung

Des Weiteren steht eine Schwimmprüfung auf dem Programm über die 200-Meter-Distanz. Welche Zeit man erreichen muss, um zu bestehen, verrät die Bundeswehr leider nicht. Damit will man verhindern, dass sich Bewerber und Bewerberinnen gezielt vorbereiten können.

Frauen beim KSK: Im Feststellungsverfahren zum Kommando Spezialkräfte sind die Anforderungen an Männer und Frauen grundsätzlich gleich. Im Januar 2021 teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit, dass zum ersten Mal eine Soldatin erfolgreich teilgenommen und sich für den zweiten Teil qualifiziert habe. Wie weit die Bewerberin letztlich kam, teilte die Behörde auf FITBOOK-Anfrage bislang nicht mit – und auch nicht, wie hoch der Anteil der Bewerberinnen beim KSK ist. Sollten wir hierzu noch Angaben erhalten, reichen wir diese nach.

KSK-Sport-Test – Mindestanforderungen

Generell gilt, dass bei jedem Teil des oben genannten Testverfahrens definierte Mindestnormen erreicht werden müssen. Details dazu sind nicht öffentlich zugänglich. „Ein fester Bestandteil der Feststellungsverfahren ist die Ungewissheit, was den Bewerber erwartet“, erklärt der Sprecher auf Anfrage von FITBOOK. Im Netz kursieren übrigens diverse Angaben darüber, was man konkret können muss: So ist u.a. von „fünf Klimmzügen im Ristgriff mit Aushängen“ die Rede, einem „Pendellauf 4 x 9 Meter“, sowie „Liegestütze“, „Sit-ups“, einem „Standweitsprung“ oder „500 Meter Schwimmen in höchstens 15 Minuten“ – für all das gibt es keine offizielle Bestätigung der Bundeswehr. Rufen wir uns ins Gedächtnis, dass der Sprecher auf Anfrage von FITBOOK von einer Schwimmprüfung über 200 Meter sprach, sollte klar sein, dass man Google nicht allzu viel Beachtung schenken sollte, wenn man sich ernsthaft auf den KSK-Sport-Test vorbereiten will. Was bleibt, ist, sein absolut Bestes zu geben.

Über die Besteherquote schweigt die Bundeswehr

Auch zur Besteherquote bei einzelnen Prüfungsabschnitten macht die Bundeswehr grundsätzlich keine Aussagen. Bewerber sollen sich „keine Wahrscheinlichkeiten und mögliche Belastungen errechnen“ können. Ob das Auswahlverfahren den Ansprüchen des KSK gerecht wird, werde regelmäßig überprüft und bei Bedarf angepasst.

Marsch mit Gepäck, Koppel, Waffe und Baumstamm


Hat man die Tests zur Feststellung der Grundfitness bestanden, folgen – in einer späteren Phase des Potenzialfeststellungsverfahrens – weitere Hürden. Darunter befindet sich u. a. ein „Marsch mit Gepäck, Koppel (Gürtel-Geschirr, an dem sich zahlreiche Ausrüstungsgegenständen befestigen lassen, Anm. d. Red.), Waffe und einem Baumstamm“, wie der DSK-Sprecher mitteilt. Wer auf weitere Angaben hofft, z. B. mit wie viel Gepäck man am Ende unterwegs ist, wie lange der Marsch ist und wie viel Zeit man dafür maximal hat, muss auch hier auf offizielle Angaben verzichten: „Auch hier machen wir keine weiteren Angaben, damit sich Bewerber nicht gezielt vorbereiten können.“

Bleibt also nur, sich möglichst umfassend in allen Bereichen der physischen und psychischen Fitness vorzubereiten. Und ein kleiner Hang zu Geheimnistuerei scheint auch nicht schaden…