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Nachgefragt beim Experten

Kann man durch Reiten seine Fitness verbessern?

Frau auf einem Pferd
Reiten macht Spaß und ist richtig gut für Ihre Haltung – das versichern Experten!Foto: Getty Images

Es ist vielleicht nicht so trendy wie Crossfit, aber trotzdem supereffektiv: Reiten. FITBOOK weiß vom Experten, warum vor allem Leute, die viel sitzen, (sich) aufs Pferd setzen sollten.

Wer denkt, beim Reiten macht nur das Pferd den Sport, der wird jetzt eines Besseren belehrt. Die „Bibis und Tinas“ dieser Welt kriegen nicht nur durch das Stallausmisten starke Arme, sondern aktivieren durch den Reitsport selbst wichtige Muskelgruppen. Aber reicht es, um durch Reiten – auch als unerfahrener Reiter – tatsächlich seine Fitness zu verbessern?

Fördert Rückengesundheit und Ausdauer

„Reiten ist ein moderates, gezieltes Rückentraining“, sagt Thomas Ungruhe, Leiter der Abteilung Breitensport bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Denn wenn jemand richtig auf dem Pferd sitzt, übertragen sich dessen Bewegungen auf den Reiter. Dadurch ist der Mensch quasi zum Mitgehen gezwungen, was Bauch- und Rückenmuskulatur aktiviert und somit kräftigt. Hinzu kommt, dass Reiter ihre Pferde per Muskelanspannung lenken, und auch so wieder diese Muskeln kräftigen.

Reitstunden erfordern neben einer starken Rumpfmuskulatur auch ein hohes Maß an körperlicher Ausdauer. Reiten trainiert also nicht nur den Rumpf, sondern bringt auch noch was für die Fitness. Heißt: Menschen, die durch häufiges Sitzen anfälliger für Haltungsprobleme und Rückenschmerzen sind, sowie ihre Ausdauer verbessern möchten, tun sich auf dem Pferd etwas Gutes!

Reiten als Beckenbodentraining

Insbesondere Frauen während oder nach einer Schwangerschaft sowie bei hormonell bedingten Bindegewebsschwächen haben oft Probleme mit einer schwachen Beckenbodenmuskulatur. Das äußert sich meist durch eine Blasen- oder Darmschwäche, die die Betroffenen sehr belastet. Beckenbodentraining kann in diesen Fällen ein echter Retter in der Not sein. Reiten eignet sich dafür besonders gut und trainiert auch das (bei Frauen hormonell bedingt schwächere) Bindegewebe.1

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Kann man auch als Erwachsener mit Reiten anfangen?

Die meisten Reit-Fans haben mit ihrem Hobby bereits im Kindesalter begonnen. Und ein früher Start gewährleistet natürlich eine größere Souveränität auf dem Pferd. Man kann aber auch noch im fortgeschritteneren Alter mit dem Reiten beginnen. So konnten Studien zeigen, dass auch Erwachsene und ältere Erwachsene, die noch nie vorher geritten sind, nach der Teilnahme an Reitprogrammen eine bessere Haltung, Koordination, einen besseren Gleichgewichtssinn und mehr Kraft hatten. Davon profitieren auch ältere Menschen, die altersbedingt ein höheres Risiko haben, sich bei Stürzen zu verletzen.2,3,4

So sehr die Rücken- und Bauchmuskulatur vom Reiten profitiert, ist es aber durchaus sinnvoll , bereits vorab diese Muskelpartien zu trainieren. Je besser ausgeprägt die Muskulatur ist, desto aufrechter – und damit korrekter – sitzt man im Sattel. Das macht das Training effektiver und den Reiter weniger verletzungsgefährdet.

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Reiten verbessert die Fitness – und das spürt man!

Neueinsteiger haben nach den ersten Reitstunden erst einmal Muskelkater. Wie Ungruhe weiß, muss der Körper sich auf die ungewohnte Bewegung erst noch einstellen. Der Schmerz hat aber etwas Gutes: Denn mit der Zeit weicht er und zurück bleibt eine gestärkte Rückenmuskulatur, die den Anforderungen der Büroarbeit besser gewachsen ist.

Auch die Pferde haben was vom Training

Kurse gibt es bei vielen Reitsport-Vereinen, sagt Ungruhe – mit Schulpferden, also auch für Teilnehmer ohne eigenes Tier. Und die haben übrigens auch etwas von dem Training. Ungruhe weiß: Menschen kommen eher zum Training, wenn es nicht nur um ihre Bedürfnisse geht. „Das hat einen gewissen Aufforderungscharakter“, erklärt er. „Das Pferd muss sich ja bewegen – und Sie auch.“

Quellen