28. Oktober 2026, 18:03 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
In „The Pitt“ spielt Noah Wyle einen Arzt, der während einer langen Schicht in der Notaufnahme körperlich und mental immer stärker an seine Grenzen gerät. Damit diese Erschöpfung möglichst glaubwürdig wirkt, setzte der 55-Jährige bei der Vorbereitung nicht auf ein klassisches Workout. Stattdessen nutzte er ein überraschend simples Prinzip, das auch aus der Trainingslehre bekannt ist: NEAT.
Lange Drehtage verlangen Noah Wyle viel ab
Bekannt wurde Noah Wyle bereits 1994 als TV-Arzt in „Emergency Room“. Heute begeistert er Zuschauer und Kritiker mit der Krankenhausserie „The Pitt“. Das „People“-Magazin kürte den Hollywoodstar zudem zum „Sexiest Man Alive“.
Die neue Arztserie wird vor allem für ihren realitätsnahen Blick auf den Alltag in einer US-amerikanischen Notaufnahme gelobt. Ärzte und Pflegepersonal erleben dort anstrengende, stressige und dramatische Situationen. Entsprechend fordernd sind auch die Dreharbeiten für die Schauspieler.
Wie belastend die Produktion tatsächlich ist, schilderte Wyle im Gespräch mit dem brasilianischen Nachrichtenmagazin „Veja+“: „Wir arbeiten 14 Stunden am Tag, fünf Tage die Woche und das neun Monate am Stück. Und im Laufe der Serie müssen wir diese zunehmende Erschöpfung auch immer stärker und gezielter in unser Spiel einfließen lassen.“
Warum Erschöpfung bei „The Pitt“ zur Rolle gehört
Bei „The Pitt“ werden die körperlichen Strapazen nicht einfach überspielt. Die zunehmende Müdigkeit gehört zum Konzept der Serie und beeinflusst die Entwicklung der Figuren. Der Grund liegt in der besonderen Erzählweise: Jede Folge einer Staffel bildet eine Stunde einer fortlaufenden Schicht im Krankenhaus ab. Bei den Dreharbeiten zu Folge 13 muss Wyle deshalb so wirken, als hätte seine Figur bereits zwölf Arbeitsstunden hinter sich. Auch wenn der Schauspieler ausgeruht ans Set kommt, muss er die körperlichen und mentalen Folgen dieser langen Schicht glaubwürdig vermitteln.
Um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie sich diese Belastung im Laufe eines Tages verändert, wählte Wyle eine ebenso einfache wie konsequente Vorbereitung.
15 Stunden stehen statt klassischem Workout
Statt sich mit Krafttraining oder gezielten Ausdauereinheiten auf die Dreharbeiten vorzubereiten, verbrachte Noah Wyle möglichst viel Zeit auf den Beinen. Damit orientierte er sich an der körperlichen Belastung, die Ärzte und Pflegekräfte während langer Schichten in einer Notaufnahme erleben können.
Auch seine Schauspielkollegen sollten diese Erfahrung machen. „Zu Beginn des Drehs bat ich alle Schauspieler, eine Übung zu machen, und zwar einfach 15 Stunden lang auf den Beinen zu bleiben“, zitierte die „Men’s Health“ den 55‑Jährigen. „Während jeder Stunde, die man steht, bemerkt man, wo die Erschöpfung einsetzt – wo wird man steif, wo tut es weh, wann muss man zur Toilette, wann wird man hungrig.“
Auf diese Weise konnten die Darsteller unmittelbar beobachten, wie langes Stehen ihren Körper im Tagesverlauf beeinflusst. Dieses Wissen ließ konnten sie anschließend nutzen, um die fortschreitende Erschöpfung während der in „The Pitt“ erzählten Krankenhausschicht realistischer zu spielen.
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Was NEAT mit Wyles Vorbereitung zu tun hat
Ob bewusst oder unbewusst: Mit seiner Vorbereitung machte sich Noah Wyle ein Prinzip zunutze, das als NEAT bezeichnet wird. Die Abkürzung steht in der Trainingslehre für Non-Exercise Activity Thermogenesis und umfasst den Energieverbrauch durch alltägliche Aktivitäten außerhalb von geplantem Sport, Schlafen und Essen.
Dazu gehören bereits einfache Veränderungen der Körperhaltung und Alltagsbewegung: Sitzen benötigt mehr Energie als Liegen, Stehen wiederum mehr als Sitzen und Gehen mehr als Stehen. Auch Treppensteigen anstelle von Aufzugfahren oder Radfahren statt einer Busfahrt zählen zu solchen Aktivitäten.
Das Prinzip zielt damit nicht auf ein klassisches Training ab, sondern auf den Energieverbrauch durch Bewegung im normalen Tagesablauf. Mehr Aktivität außerhalb geplanter Sporteinheiten kann NEAT entsprechend erhöhen.
Für Noah Wyle stand bei seinem ausgedehnten Stehen zwar ein anderer Aspekt im Mittelpunkt: Er wollte nachvollziehen, wie sich eine lange Schicht körperlich anfühlt, und diese Erfahrung für seine Rolle in „The Pitt“ nutzen. Zugleich könnte die zusätzliche Alltagsaktivität dazu beigetragen haben, ihn auf die körperlich fordernden Drehtage vorzubereiten.
Was der Schauspieler noch tut, um jenseits der 50 fit zu bleiben
Auch abseits von Filmprojekten spielt NEAT eine große Rolle in Noah Wyles Leben. 2019 erzählte der zweifache Vater etwa, dass ein großer Teil seiner Alltagsbewegung darin bestehe, seiner damals dreijährigen Tochter auf der Farm, auf der er mit seiner Familie lebt, hinterherzulaufen. Die Vermutung liegt nahe, dass der Schauspieler zudem auch auf der Farm körperlich aktiv ist, wo es immer etwas zu tun gibt.
Aber auch richtiges Fitnesstraining spielt eine Rolle in Noah Wyles Alltag. Mit 55 Jahren weiß er, dass dieses mit zunehmendem Alter für die Gesundheit immer wichtiger wird. Und dass vieles nicht mehr so gut funktioniert wie früher. So verriet er vor Jahren im Gespräch mit dem US-Seniorenverband „AARP“, dass es heute nicht mehr reiche, einen Monat vor einem Projekt mit dem Krafttraining zu starten. Auch sein Stoffwechsel habe sich verändert. Als er jünger war, konnte er bei ausreichend Training essen, was er wollte. Das geht heute offenbar nicht mehr.
Apropos jünger: Früher wollte Noah Wyle offenbar unbedingt sichtbare Bauchmuskeln haben. Dafür probierte er alles aus, was im Trend war oder vielversprechend als „Wundermittel“ beworben wurde. Von Ab-Rollern bis zu elektrischer Stimulation kostete ihn die Fitnessobsession Zeit, Nerven und Geld – ohne den gewünschten Erfolg. Heute setzt er dagegen auf Pilates, und das nicht nur, weil es ein core-zentriertes Training ist.
„Meine Frau hat mich zu Pilates gebracht und ich habe meine Eltern dazu gebracht“, erzählte der Schauspieler. „Ich weiß, dass Pilates ihnen zehn zusätzliche Lebensjahre geschenkt hat. Sie machen es zusammen und das bringt den großen Unterschied. Kraft und Gleichgewicht zu stärken, verleiht einem Selbstsicherheit, wenn man sich bewegt.“ Zu sehen, wie viel Lebensqualität seine Eltern bekommen haben, inspiriert offenbar nun auch Wyle selbst, sich mit Pilates bis ins hohe Alter fit zu halten.