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Lancet-Studie

Drei- und Vierjährige machen 18.000 bis fast 30.000 Schritte pro Tag

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Wissen Sie, wie viele Schritte Kinder im Schnitt täglich zurücklegen? Das Ergebnis wird Sie überraschen. Foto: Getty Images/Westend61
Isa Kabakci
Redakteur

5. Oktober 2026, 18:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Wie viel bewegen sich drei- und vierjährige Kinder eigentlich an einem normalen Tag? Für die Zahl ihrer täglichen Schritte ließ sich das bislang nur schwer beantworten, denn vergleichbare Daten aus verschiedenen Teilen der Welt fehlten weitgehend. Eine internationale Studie mit mehr als 3500 Kindern liefert nun erstmals eine breite Datengrundlage. Sie zeigt, wie sich die Schrittzahlen von Vorschulkindern weltweit einordnen lassen. Und wer 10.000 Schritte am Tag schon für viel hält, dürfte überrascht sein, welche Strecken Kleinkinder tatsächlich zurücklegen.

So viel sind kleine Kinder unterwegs

Im Median kamen die untersuchten Kinder auf erstaunliche 18.542 Schritte pro Tag. Das bedeutet: Die Hälfte der gemessenen Werte lag darüber, die andere Hälfte darunter.

Doch die Forscher wollten nicht nur wissen, wie viele Schritte Kinder typischerweise machen. Sie untersuchten auch, wie stark sich Drei- und Vierjährige in ihrem Bewegungsverhalten unterscheiden. So lässt sich nun erstmals anhand von Daten aus vielen verschiedenen Ländern einschätzen, ob die Schrittzahl eines Kindes im Vergleich zu Gleichaltrigen eher niedrig, durchschnittlich oder hoch ist. Das Prinzip ähnelt den bekannten Wachstumskurven für Größe und Gewicht.

Wichtig: Ein täglicher Wert von rund 18.500 Schritten ist deshalb keine Empfehlung und kein Bewegungsziel für Vorschulkinder. Er beschreibt lediglich die Mitte der untersuchten Gruppe.

So wurde die Studie durchgeführt

Die aktuelle Studie wollte Vergleichswerte für drei- und vierjährige Kinder ermitteln. Dafür wurden zwischen 2018 und 2025 Daten von 3570 Kindern aus 44 Ländern ausgewertet. Die Daten stammen aus dem internationalen SUNRISE-Projekt, einem Forschungsverbund mit Wissenschaftlern, der weltweit das Bewegungs-, Sitz- und Schlafverhalten von Kindern im Vorschulalter untersucht. Die aktuelle Schritte-Auswertung wurde von einem Team um die spanischen Forscher Jesús del Pozo-Cruz und Rosa María Alfonso-Rosa geleitet. Die Ergebnisse wurden im Fachblatt „The Lancet Child & Adolescent Health“ publiziert.1

Für die Analyse trugen Kinder einen Bewegungssensor an der Hüfte, der ihre Schritte im Alltag erfasste. Außerdem untersuchten die Forscher, ob sich die Werte je nach Alter, Geschlecht, Wohnumfeld, Körpergewicht, Weltregion und wirtschaftlichen Bedingungen unterschieden.

Da aus den einzelnen Ländern unterschiedlich viele Kinder teilnahmen, wurden die Daten für die internationalen Vergleichswerte statistisch gewichtet. So floss jedes der 44 Länder gleich stark in das Gesamtergebnis ein.

Was die Schrittzahl der Kinder beeinflusst

Wie viele Schritte die Kinder machten, hing unter anderem von Alter und Geschlecht ab. Dreijährige kamen typischerweise auf rund 17.500 Schritte pro Tag, Vierjährige auf gut 18.900. Jungen machten in beiden Altersgruppen mehr Schritte als Mädchen.

Allerdings waren die Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern enorm. Manche bewegten sich deutlich weniger, andere sehr viel mehr. Bei den Dreijährigen lagen die Schrittzahlen am unteren Ende bei rund 1100 Schritten am Tag, am oberen Ende bei mehr als 29.000. Bei den Vierjährigen reichte die Spanne von etwa 2700 bis knapp 29.000 Schritten.

Auch das Lebensumfeld spielte eine Rolle. Kinder auf dem Land kamen in der untersuchten Gruppe typischerweise auf rund 20.200 Schritte am Tag, Kinder in Städten auf etwa 18.400. Auch Kinder aus Ländern mit niedrigerem Einkommen machten mehr Schritte als Kinder aus wohlhabenderen Ländern. Beim Körpergewicht zeigte sich dagegen kein klares Muster.

Neben der reinen Schrittzahl erfassten die Forscher auch das Gehtempo (die sogenannte Kadenz in Schritten pro Minute). Hier zeigte sich ein ähnliches Bild: Jungen sowie Kinder aus ländlichen Regionen und einkommensschwächeren Ländern waren nicht nur insgesamt mehr unterwegs, sondern legten ihre Wege phasenweise auch mit höherer Intensität zurück.

Woher diese Unterschiede kommen, kann die Studie allerdings nicht beantworten. Hinzu kommt: Die untersuchten Kinder stehen nicht stellvertretend für alle Kinder ihres jeweiligen Landes. Unterschiede bei Lebensbedingungen, Wohnort oder wirtschaftlicher Situation müssen deshalb berücksichtigt werden.

Einordnung und Grenzen der Ergebnisse

Die neuen Vergleichswerte können künftig dabei helfen, die Schrittzahl eines Kindes besser einzuordnen und verschiedene Gruppen miteinander zu vergleichen. Ob sich daran auch etwas über die Gesundheit eines einzelnen Kindes ablesen lässt, ist bisher jedoch unklar. Dafür müsste erst untersucht werden, ob besonders niedrige oder hohe Schrittzahlen tatsächlich mit der späteren Gesundheit zusammenhängen.

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Stärken und Schwächen der Studie

Eine Stärke der Studie ist die breite internationale Datengrundlage mit einem weitgehend einheitlichen Messverfahren. Allerdings waren die Teilnehmerzahlen je nach Land sehr unterschiedlich und die untersuchten Gruppen nicht repräsentativ. So reichten die Fallzahlen von extrem kleinen Stichproben in einzelnen Ländern (wie 18 Kindern in den USA oder 20 in Thailand) bis zu über 400 Kindern in Äthiopien. Solch kleine Gruppen sind für ein ganzes Land nicht repräsentativ und machten die statistische Gewichtung überhaupt erst notwendig.

Zudem genügte bereits ein Messtag für die Auswertung. Schrittzahlen bilden außerdem nicht jede Form körperlicher Aktivität ab, etwa Schwimmen oder Radfahren. Auch mögliche Ursachen für Unterschiede zwischen verschiedenen Lebensumfeldern wurden nicht untersucht.

Die Studienautoren geben keine Interessenkonflikte an. Die Geldgeber hatten laut Studie keinen Einfluss auf Planung, Datenerhebung und Auswertung sowie auf die Interpretation der Ergebnisse oder die Erstellung des Manuskripts.

Auch interessant: Jedes zehnte Vorschulkind hat Übergewicht

Was frühere Studien zu diesem Thema zeigen

Dass Schrittzahlen bei kleinen Kindern mit ihrer Fitness zusammenhängen könnten, legt eine Studie aus China nahe. Forscher maßen bei Vorschulkindern in Shanghai eine Woche lang die täglichen Schritte und testeten anschließend Ausdauer, Kraft und Schnelligkeit.2 Mit jeden 1000 zusätzlichen Schritten pro Tag stieg die Wahrscheinlichkeit für eine hohe Fitness – bei Jungen um 43, bei Mädchen um 62 Prozent. Ob mehr Schritte fitter machen oder fittere Kinder einfach mehr laufen, kann die Studie allerdings nicht klären. Zudem lassen sich ihre Schrittzahlen wegen anderer Messmethoden nicht direkt mit denen der Lancet-Studie vergleichen.

Offizielle Empfehlungen für Kleinkinder beziehen sich bislang nicht auf Schritte, sondern auf Minuten: Laut WHO sollten Drei- und Vierjährige täglich mindestens 180 Minuten aktiv sein, davon eine Stunde mit mittlerer bis hoher Intensität. Eine Auswertung von 48 Studien mit mehr als 20.000 Kindern kam 2023 zu dem Schluss, dass die Mehrheit der Vorschulkinder diese Empfehlung erfüllt – Mädchen jedoch seltener als Jungen.3 Die Autoren forderten damals große internationale Erhebungen, um das Bild zu vervollständigen.

Quellen

  1. del Pozo-Cruz J., Alfonso-Rosa R., Zhang Z. et al. (2026). Global reference values for daily steps in preschool children (SUNRISE): a cross-sectional analysis from 44 countries. The Lancet Child & Adolescent Health; 0 ↩︎
  2. Fang, C., Zhang, J., Zhou, T., Li, L., Lu, Y., Gao, Z., & Quan, M. (2020). Associations between Daily Step Counts and Physical Fitness in Preschool Children. Journal of clinical medicine, 9(1), 163. ↩︎
  3. Bourke, M., Haddara, A., Loh, A., Carson, V., Breau, B., & Tucker, P. (2023). Adherence to the World Health Organization's physical activity recommendation in preschool-aged children: a systematic review and meta-analysis of accelerometer studies. The international journal of behavioral nutrition and physical activity, 20(1), 52. ↩︎

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