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Meinung

Ich habe ein zwiespältiges Verhältnis zu Frauenbereichen im Fitnessstudio

Sind separate Frauenbereiche im Fitnessstudio ein zeitgemäßes Konzept?
Sind separate Frauenbereiche im Fitnessstudio ein zeitgemäßes Konzept? Foto: Getty Images, Melanie Hoffmann; Collage: FITBOO
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Melanie Hoffmann
Fitness- und Schlafexpertin

5. Mai 2026, 22:04 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Frauen strampeln stundenlang auf den Cardiogeräten, Männer reißen und stemmen schwerstes Gewicht im Hantelbereich. Das war das typische Bild, das sich mir bot, als ich als Teenager mit meiner „Gym-Karriere“ begann. Seitdem ist einige Zeit vergangen, das Bild hat sich verändert. Mehr Männer nutzen die Laufbänder und Frauen setzen zunehmend auf Krafttraining. Doch werden die Fitnessstudios den neuen Bedürfnissen – gerade der weiblichen Trainierenden – gerecht? Ich weiß es nicht. Mein Gefühl: Oft sollen es die „Frauenbereiche“ richten. Und ich merke, dass mich das irgendwie stört.

Frauenbereiche, „Lady Corner“, „Lady’s Gym“: verschiedene Namen, die dasselbe meinen. Einen speziellen Bereich (eine Ecke oder einen separaten Raum) innerhalb eines Fitnessstudios, in dem – zumindest in der Theorie (ich habe schon anderes erlebt) – nur Frauen trainieren dürfen. Das klingt zunächst nach einer guten Strategie, um Gyms für Frauen attraktiver zu machen. Allerdings stellen sich mir gleichzeitig einige Fragen: Warum müssen solche Räume überhaupt geschaffen werden, damit sich mehr Frauen beim Training im Gym wohlfühlen? Wie ist das Angebot in diesen Räumen zu bewerten, also der Platz und die Ausstattung? Die für mich vielleicht entscheidende Frage ist aber: Sind diese sogenannten Frauenbereiche noch zeitgemäß oder eher ein Zeichen dafür, dass man sich mit dem Mindesten zufriedengibt?

Wie sieht ein Frauenbereich aus?

Frauenbereiche können sich von Studiokette zu Studiokette bzw. von Studio zu Studio unterscheiden. Manche Gyms markieren bestimmte Ecken oder Teilflächen als Frauenbereiche. Das geschieht oft durch Design, Farbe und natürlich Beschilderung. Sie machen sichtbar, dass hier nur die „Ladys“ trainieren sollen. Diese Bereiche befinden sich zwar oft etwas abseits der von Männern frequentierten Flächen, aber nicht ganz abgeschottet. Wer komplett vor männlichen Blicken geschützt trainieren möchte, freut sich dann wohl eher über Fitnessstudios, die eigene Räumlichkeiten für die Frauen anbieten.

Ausstattung im Frauenbereich häufig nicht ausreichend

Abgesehen davon, dass mich beim Besuch verschiedener Fitnessstudios mehr als einmal das Design dieser „femininen Bereiche“ irritiert hat – ähnlich wie pinke Rasierer in Drogerien –, staunte ich auch so manches Mal über das Equipment, mit dem Frauen effektiv Kraft und Muskeln trainieren sollen. Die Möglichkeit, dass auch Frauen schwer stemmen wollen, eventuell sogar mal von Trainingsmethoden wie „bis zum Muskelversagen“ oder „Drop Sets“ gehört haben könnten, schien denjenigen, die die Bereiche oder Räume eingerichtet hatten, gar nicht in den Sinn gekommen zu sein. Mein Eindruck ist zwar, dass sich das zunehmend verbessert. Aber für die Anzahl der Frauen, die in den meisten Fitnessstudios mittlerweile trainieren, erscheint mir die Ausstattung nicht als ausreichend. Entweder müssen weibliche Trainierende zu Stoßzeiten lang warten, um ihre Übungen machen zu können, oder sie weichen doch auf die Trainingsflächen aus, die auch Männer nutzen, wo sie dann womöglich – gefühlt oder tatsächlich – noch weniger willkommen sind. Wofür gibt es schließlich die separaten Frauenbereiche?

Der Beginn von Frauenbereichen

Hantel- und Krafttraining war lange eine von Männern dominierte Trainingsform. Entsprechend auf diese Zielgruppe ausgerichtet entwickelten sich dann auch Fitnessstudios. Der Aerobic-Boom der 1980er-Jahre führte dazu, dass Gym-Betreiber auch Frauen als Zielgruppe entdeckten und sie mit entsprechenden Kursen in ihre Studios lockten. In den 1990ern und 2000ern rückte schließlich allmählich auch das Krafttraining in den Fokus von Frauen. Wie aber das Problem lösen, dass die Krafttrainingsflächen von Männern okkupiert wurden und für Frauen wenig Platz zu sein schien? Die Idee der Frauenbereiche war geboren und war sicherlich zunächst auch nicht schlecht. Auf diese Weise wollte man den weiblichen Studiomitgliedern einen geschützten Raum (vor unangenehmen Blicken oder sogar Belästigung) bieten. Wie notwendig das nach wie vor zu sein scheint, zeigte u. a. eine Studie aus dem Jahr 2025. Ihr Ergebnis war, dass fast die Hälfte der Studienteilnehmerinnen angaben, in Fitnessstudios mit ungefragten Kommentaren zu ihrem Aussehen konfrontiert zu sein. Knapp 80 Prozent dieser Kommentare stammten laut den befragten Frauen von Männern.1

Für die zunächst wahrscheinlich überschaubare Anzahl von Frauen, die vor 20 oder mehr Jahren Krafttraining im Gym machten, reichten die Frauenbereiche sicher in ihrer Größe und Ausstattung wahrscheinlich auch erst einmal aus. Da der Trend – so erlebte ich zumindest damals meinen Einstieg ins Krafttraining – eher zu vielen Wiederholungen mit leichterem Gewicht ging, reichten vielfach ein paar Beingeräte, Matten für Bauchübungen sowie leichte Hanteln für das „weibliche Gewichtstraining“.

Ich finde Frauenbereiche nicht mehr zeitgemäß

Die Ausstattung ist das eine. Diesbezüglich haben Studios sich weiterentwickelt. Zunehmend findet sich auch in Frauenbereichen einiges an Equipment für schweres Krafttraining – wenn auch meistens in einem überschaubaren Umfang.

Ich stelle mir aber die generelle Frage: Ruhen sich viele Studiobetreiber nicht auch darauf aus, dass sie für die Frauen unter ihren Mitgliedern bereits separate Bereiche vorgesehen haben? Oder provokant gefragt: Sollen sich die Frauen damit zufriedengeben? Für mich wäre es zeitgemäß und längst überfällig, die Gyms in ihrer Gesamtheit so zu konzipieren, dass sich jede Person – egal, welchen Alters, mit welchem Körpergewicht und welchen Geschlechts – überall im Studio wohlfühlt. Irgendwie vermitteln mir Frauenbereiche das Gefühl, dass sich Frauen nach wie vor abschotten oder verstecken sollen.

Der Gedanke, dass Frauen sich dort keine Gedanken vor unangenehmen Blicken oder Kommentaren von Männern machen müssen, mag manchen einleuchten. Ich denke aber: Sollte es nicht eher durchgesetzt werden, dass dieses Verhalten gar nicht erst geduldet wird? Wäre es nicht toll, dahin zu kommen, dass – zumindest aus diesem Grund – Frauenbereiche nicht mehr notwendig sind?

Sollen sich Frauen verstecken?

Apropos „verstecken“. In diesem Zusammenhang finde ich auch so manche Fitnessstudio-Werbung kritisch. So sah ich zuletzt öfter eine Werbung einer Fitnessstudio-Kette, in der eine junge Frau in Leggings und Sport-BH vor dem Spiegel steht. Sie scheint sich wegen ihres Aussehens unwohl zu fühlen und zu denken, so nicht ins Gym gehen zu können. Als Lösung wird ihr der Frauenbereich des Gyms angepriesen. Zwar unterstreichen die nächsten Szenen, dass es wohl auch darum gehen soll, dass sich Frauen gegenseitig beim Training motivieren und zusammen Erfolge feiern. Bei mir hinterlässt der Clip aber auch immer einen Beigeschmack: Zum einen scheint es wieder um ein Körperideal zu gehen, von dem ich gehofft hatte, es läge hinter uns. Und gleichzeitig wird das Gefühl vermittelt, dass die junge Frau besser im Frauenbereich trainieren – sich also „verstecken“ – soll. Ich bin sicher, dass dies nicht die geplante Botschaft des Spots ist, für mich schwingen diese Aussagen aber mit.

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Wieso ich Frauenbereiche aber auch nicht verteufeln möchte

Auch wenn ich mich mit dem Konzept Frauenbereich nicht so wirklich anfreunden kann, verstehe ich doch, warum manche Frauen sie mögen. Denn es herrscht einfach nicht in jedem Fitnessstudio eine Atmosphäre, die es für Frauen leicht macht, sich überall wohlzufühlen – besonders im Freihantelbereich.

Doch vielleicht sind dann reine Frauen-Fitnessstudios prinzipiell die bessere Wahl: mehr Platz, mehr und besseres Equipment und gar keine Männer. Nur, ist dies natürlich auch eine Frage der Auswahl. In Großstädten hat man die Qual der Wahl zwischen Fitnessstudios, die auf die eigenen Bedürfnisse quasi zugeschnitten sind. In ländlicheren Regionen ist dies nicht der Fall. Dort sind Frauenbereiche immerhin der Anfang, Wohlfühlbereiche für angenehmeres Training zu schaffen. Wobei ich auch hier dabei bleibe: Es ginge sicher noch mehr!

Was ich mir persönlich wünschen würde

Für gemischte Studios würde ich mir wünschen, dass sich nicht mit kleinen Frauenbereichen zufriedengegeben, sondern die kompletten Gyms für alle gedacht, designt und eingerichtet werden. Warum nicht im Fitnessstudio mal eine Umfrage machen, was die Trainierenden benötigen würden, um sich überall wohlzufühlen – mit besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse von Frauen und Minderheiten? Dieses Ergebnis würde mich sehr interessieren.

Und: Vielleicht wären wieder mehr auf den Trainingsflächen anwesende und sichtbare Trainer und vor allem Trainerinnen sinnvoll. Der Stimmung und einem respektvollen Umgang miteinander würde das sicher guttun. Ein weiterer Vorteil: Trainierende könnten sich Tipps holen oder würden proaktiv auf Fehler und Optimierungsmöglichkeiten hingewiesen. So war es früher eigentlich normal in Fitnessstudios und sollte es vielleicht wieder werden.

Quellen

  1. Cowley, E.S., Schneider, J. (2025). “I sometimes feel like I can’t win!”: An exploratory mixed-methods study of women’s body image and experiences of exercising in gym settings. PLOS One. ↩︎

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