13. August 2025, 16:55 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Dass man beim „Bettsport“ ins Schwitzen kommen kann, ist unbestritten. Doch reicht die körperliche Aktivität im Schlafzimmer tatsächlich aus, um messbar Gewicht zu verlieren? Die Vorstellung vom „Kalorienkiller Sex“ klingt zwar verlockend, aber warum die Wissenschaft ein nüchterneres Bild zeichnet, zeigt FITBOOK und Dr. med. Mandy Mangler, Chefärztin für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Berliner Vivantes-Auguste-Viktoria-Klinikum.
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Expertin: »Dass eine Runde Sex 100 bis 300 Kalorien verbraucht, ist ein Mythos
Der Mythos, dass eine einzelne „Runde“ Sex zwischen 100 und 300 Kalorien verbraucht, ist Humbug. Um den genauen Kalorienverbrauch zu bestimmen, muss auch eine durchschnittliche Intensität festgestellt werden. Gemessen wird dies durch das metabolische Äquivalent (MET), das ist eine Maßeinheit dafür, wie viel Energie der Körper bei einer bestimmten Aktivität im Vergleich zum Ruhen verbraucht. 1 MET gleicht dem Energiebedarf beim Sitzen oder Liegen, Aktivitäten mit höherem MET-Wert entsprechen einem höheren Kalorienbedarf. Bei einem durchschnittlichen Akt, mit moderater Intensität von drei MET und einer Dauer von sechs Minuten, ergibt das etwa 12 bis 15 Kilokalorien mehr als durch ruhiges Sitzen.1
Studie zum Energieverbrauch während sexueller Aktivität
Ähnliche Ergebnisse haben kanadische Forschende beim Energieverbrauch während sexueller Aktivität unter realistischen Bedingungen gemessen. Das Ergebnis: Frauen verbrennen im Schnitt rund 3,1 Kilokalorien pro Minute – ein Wert, der etwa der Intensität eines zügigen Spaziergangs entspricht.2 Wer sich dabei stärker einbringt, also aktiv die Position wechselt und in Bewegung bleibt, kann den Verbrauch erhöhen. Laut Dr. med. Mandy Mangler sind so bis zu 200 Kilokalorien pro Stunde möglich. Besonders die Hocke oder die Reiterstellung seien, so die Gynäkologin, nicht nur aus erotischer, sondern auch aus sportlicher Sicht effektiv, da sie die Beinmuskulatur beanspruchen.
Kann sogar Krankheiten vorbeugen! So gesund ist regelmäßiger Sex
Durchgehend spazieren oder in Intervallen – was verbraucht mehr Kalorien?
6 Orgasmen, um kleine Portion Pommes auszugleichen
Auch der „Kalorienkiller Orgasmus“ hält wissenschaftlich nicht, was er verspricht. Zwar spannen sich auf dem Weg zum Höhepunkt und währenddessen die Beckenbodenmuskeln an, was kurzfristig den Energieverbrauch erhöht, aber dennoch nur wenige Sekunden andauert. Dr. Mangler schätzt den Verbrauch pro Orgasmus auf rund 50 Kilokalorien. Somit bräuchte eine Frau etwa sechs Orgasmen, um eine kleine Portion Pommes à 100 Gramm (ca. 310 Kilokalorien) auszugleichen. Realistisch betrachtet ersetzt das weder ein Workout noch einen ausgedehnten Spaziergang.
Fazit: »Besser ist es, Sex neben dem Sport als Ergänzung zu haben
Die gesundheitlichen Vorteile von Sex liegen daher in anderen Bereichen. Er kann Stress abbauen, die Bindung zum Partner stärken und das Wohlbefinden steigern.3 Für die Gewichtsreduktion ist er allein jedoch ungeeignet. „Wir alle haben schon genügend Druck und Stress im Leben. Viel besser ist es, Sex neben dem Sport als Ergänzung zu haben“, so Dr. Mangler.
Schlussendlich bleibt, dass Sex eine unterhaltsame Ergänzung zu einem aktiven Lebensstil sein kann. Aber Sex ersetzt weder gezieltes Training noch eine ausgewogene Ernährung. Wer nachhaltig abnehmen möchte, sollte laut der Expertin auf die bewährte Kombination aus Bewegung und Ernährungsanpassung setzen und den häufig beschworenen Abnehm-Booster Sex getrost als Mythos abhaken.