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Redakteurin bei Sacha Wenk

3 Tage Shaolin-Camp: »Die schlimmsten Schmerzen meines Lebens

Einst Leistungssportlerin, jetzt an der Grenze: Eine FITBOOK-Redakteurin erlebt drei Tage voller Schläge, Tritte und Überraschungen.
Einst Leistungssportlerin, jetzt an der Grenze: Eine FITBOOK-Redakteurin erlebt drei Tage voller Schläge, Tritte und Überraschungen. Foto: FITBOOK/Getty Images
Julia Freiberger
Ernährungsexpertin

19. Oktober 2026, 20:02 Uhr | Lesezeit: 11 Minuten

Manchmal wäre es besser, einfach den Mund zu halten. Vor allem, wenn man dazu neigt, sich selbst zu überschätzen. Genau das wurde mir zum Verhängnis, als mich Sacha Wenk, besser bekannt als „The Shaolin Kid“, zu seinem Bootcamp einlud. Nach zehn Jahren Ballett als Leistungssport war ich natürlich überzeugt, das locker zu schaffen. Wie schlimm konnte es schon werden? Nun ja. Nach drei Tagen voller Schläge, Tritte und körperlicher Grenzerfahrungen bin ich mir sicher, dass ich noch immer blaue Flecken an Stellen habe, die ich bisher nicht entdeckt habe. Wie ich das Bootcamp überlebt habe, erzähle ich hier bei FITBOOK.

Drei Tage Kung-Fu, Kampfsport und Ausdauertraining

Sacha Wenk ging bereits als Jugendlicher nach China, um Kung-Fu zu lernen. Heute ist der Schweizer als „The Shaolin Kid“ in den sozialen Medien bekannt und gibt sein Wissen in eigenen Bootcamps weiter. Eines davon findet im Schweizer Bergdorf Champéry statt. Dort stehen Kung-Fu, Kampfsport, Ausdauertraining und Meditation auf dem Programm.

Unterstützt wird Sacha unter anderem von den ukrainischen MMA-Kämpfern Vitaliy Dubina und Daniel Donchenko, die gemeinsam das Boxtraining leiten. MMA steht für Mixed Martial Arts, eine Kampfsportart, bei der neben Schlägen und Tritten auch Würfe und Bodenkampf erlaubt sind. Für das morgendliche Cardio ist der amerikanische Trainer Coach Jay Patto zuständig.

Die meisten Teilnehmer bleiben eine oder sogar zwei Wochen. Ich hatte mir für meinen FITBOOK-Selbstversuch lediglich drei Tage vorgenommen. Was sich später noch als ausgesprochen glückliche Entscheidung herausstellen sollte.

Tag 1: Kaum angekommen, schon völlig fertig

Eigentlich hatte ich gedacht, ich könnte erst einmal in Ruhe ankommen, mir alles anschauen und mich langsam auf das Training einstellen. Stattdessen ging es für mich direkt los. Um 14 Uhr stand ich mit den anderen Teilnehmern vor Vitali und Daniel, die offenbar nicht vorhatten, uns besonders sanft zu begrüßen. Vier Stunden Boxtraining standen auf dem Programm. Und bevor wir überhaupt die Handschuhe anzogen, mussten wir erst einmal Burpees, Liegestütze, Planks und Kniebeugen absolvieren. Teilweise minutenlang, mit kaum einer Pause dazwischen. Besonders beliebt war eine Kombination aus 15 Liegestützen und anschließendem Halten der Plank-Position. Das Ganze wiederholten wir ungefähr 15 Minuten lang.

Warum ich plötzlich besonders viel Aufmerksamkeit bekam

Schnell erhielt ich im Camp den Spitznamen „die Journalistin“. Vielleicht achteten die Trainer daher bei mir noch genauer darauf, ob ich mich wirklich anstrengte? Bei einer Bauchmuskelübung bemerkte Vitali zumindest schnell, dass ich mich etwas zurückhielt. Kurzerhand begann er, meine ausgestreckten Beine kräftig nach unten zu drücken. „Ach, schau mal einer an, da tust du so auf schwach, aber du kannst eigentlich was!“, stellte er fest. Ich schloss die Augen und verfluchte mich selbst. Denn ich wusste, was das bedeutete: mehr Aufmerksamkeit für mich. Und damit meinte ich viel mehr.

Während ich etwa Liegestütze machte oder eine Plank hielt, kam einer der Trainer vorbei und trat mir mehrfach von unten gegen den Bauch. Nur um zu überprüfen, ob ich ihn auch ordentlich anspannte, wie mir mit einem Augenzwinkern versichert wurde. Bei einer anderen Übung setzte sich einer der Trainer auf meine Knie, während ich versuchte, eine Kniebeuge zu halten. Bei 90 Kilo Mann auf meinen Beinen musste ich erst einmal meinen Glauben an Gott erneuern.

Links Nadja, in der Mitte Vitaly Dubina und ich rechts am Überleben.
Links Nadja, in der Mitte Vitaly Dubina und ich rechts am Überleben.

Anschließend ging es ans eigentliche Boxen. Wir übten Schlagkombinationen, Kicks und Ausweichbewegungen. Die größte Herausforderung war für mich dabei weniger das Treffen als die Hemmung, meinem Gegenüber ernsthaft wehzutun. Als die vier Stunden endlich vorbei waren, war ich zwar erschöpft, aber erstaunlich zufrieden. Ich hatte es geschafft und fühlte mich sogar noch ziemlich gut. Was sollte jetzt noch passieren?

Die erste Nacht war schrecklich

Die anderen Teilnehmer hatten mich bereits gewarnt. Nach dem ersten Training könnten die Schmerzen so schlimm werden, dass manche nachts sogar weinten. Ich hielt das für übertrieben. Bis ich selbst im Bett lag.

Früher hatte ich nach dem Training oft Schmerzen. Manchmal waren sie so schlimm, dass mein Vater mir die Beine massieren musste, weil ich sonst nicht schlafen konnte. Doch die Schmerzen in dieser Nacht waren mit nichts zu vergleichen. Es fühlte sich an, als wäre mein ganzer Körper verdreht. Alles zog und drehte sich. Und das Schlimmste: Es wurde immer schlimmer. Ich wälzte mich von einer Seite auf die andere, zog die Beine an, streckte sie wieder aus. Nichts half. Auch nicht die zwei Ibuprofen, die ich inzwischen genommen hatte.

Um 2:15 Uhr lag ich noch immer wach und bekam langsam Angst, dass mit meinem Körper etwas nicht stimmte. Am liebsten hätte ich mich abholen lassen und das Bootcamp abgebrochen. Doch dann dachte ich mir: Ich bin extra hierhergekommen, um möglichst viel zu erleben. Und jetzt soll ich nach gerade einmal vier Stunden Training alles hinschmeißen?

Meine verzweifelte Anfrage ins Internet
Meine verzweifelte Anfrage ins Internet

Irgendwann übermannte mich die Müdigkeit und ich schlief ein. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, fühlte ich mich, als hätte ich überhaupt nicht geschlafen. Immerhin waren die Schmerzen verschwunden, passend zum nächsten Training, das um sechs Uhr startete.

Auch interessant: Kung-Fu-Star Sacha Wenk: »Schmerz gehört dazu, wenn man etwas erreichen möchte

Tag 2: Training mit Sascha Wenk

Nach dem morgendlichen Cardio mit Coach Jay ging es um zehn Uhr mit Sacha Wenk weiter. Auf ihn hatten alle Teilnehmer gewartet. Auch ich war gespannt, wie das Training mit ihm sein würde. Und was soll ich sagen: Auch das hatte es in sich! Angefangen damit, dass es ohne Gnade sogar bei Regen draußen stattfand.

Zunächst übten wir gemeinsam verschiedene Kung-Fu-Formen. Dabei handelt es sich um festgelegte Bewegungsabläufe, bei denen Körperhaltung, Konzentration und Atmung eine wichtige Rolle spielen. Die Übungen haben auch eine meditative Komponente und sollen helfen, den eigenen Körper bewusster wahrzunehmen.

Als der Regen stärker wurde, joggten wir zu einer Sporthalle. Dort stand ein ganz anderes Training auf dem Programm. Bei einer Übung stand ein Teilnehmer in der Mitte, während vier andere gleichzeitig mit den Fäusten auf seinen Körper einschlugen. Danach wurde gewechselt. Normalerweise versuche ich, solche Situationen eher zu vermeiden. Hier gehörte das offenbar dazu.

Hier zeigt Sacha Wenk, wie man doll mit der Faust in den Bauch schlagen muss – während ich ihn dabei völlig entgeistert ansehe.
Hier zeigt Sacha Wenk, wie man doll mit der Faust in den Bauch schlagen muss – während ich ihn dabei völlig entgeistert ansehe.

Anschließend konnten wir uns von Sacha oder Coach Jay auf den Rücken schlagen lassen. Die traditionelle chinesische Technik stammt aus der Heilmedizin und sollte die Durchblutung anregen. Ich entschied mich für Sacha, der sich bei mir zum Glück etwas zurückhielt.

Beide Trainer (links Sacha Wenk, rechts Jay Patto) freuen sich schon darauf, die Technik bei uns anzuwenden. Ich (links) war hier noch ziemlich ahnungslos.
Beide Trainer (links Sacha Wenk, rechts Jay Patto) freuen sich schon darauf, die Technik bei uns anzuwenden. Ich (links) war hier noch ziemlich ahnungslos.

Bei einigen männlichen Teilnehmern ging es deutlich heftiger zu. Teilweise waren ihre Rücken anschließend blutig. Spätestens beim Anblick dieser Bilder wurde mir klar, dass die Trainer bei mir als Journalistin durchaus Rücksicht genommen hatten. Denn bei einem Kumpel von mir, Will Bowen, sah der Rücken nämlich so aus:

Will Bowen. Credit: Privat
Will Bowen. Credit: Privat

Warum ich mich vom Shaolin-Kid treten ließ

Als Nächstes ließ ich mich auch noch freiwillig von Sacha gegen die Beine treten. Die Übung sollte unsere Schmerzresistenz trainieren. Und weil ich offenbar noch immer nicht gelernt hatte, meine eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen, meldete ich mich natürlich.

Der erste Tritt saß. Und zwar ordentlich. Ich hatte kaum Zeit, mich darüber zu ärgern, da folgte schon der nächste. Und noch einer. Die Tritte taten höllisch weh. Sobald die anderen mich jedoch anfeuerten, konnte ich den Schmerz ein Stück weit ausblenden. Mein Ehrgeiz übernahm den Rest. Dabei stand mir die größte Herausforderung des Tages erst noch bevor.

Hier sieht man meine authentische Reaktion, nachdem die Session mit den Tritten vorbei war. Rechts der nichtsahnende Sacha Wenk. Credit: Privat
Hier sieht man meine authentische Reaktion, nachdem die Session mit den Tritten vorbei war. Rechts der nichtsahnende Sacha Wenk. Credit: Privat

300 Meter auf den Händen den Berg hinauf

Am späten Nachmittag ging es nach draußen. Wir mussten uns gegenseitig tragen, steile Berge hinauflaufen und Kraftübungen absolvieren. Meine Lunge brannte wie Feuer, jeder Atemzug und jeder Schritt wurden zum Kampf.

Doch Sacha hatte offenbar noch nicht genug. Völlig entspannt joggte er neben mich und erklärte: „Guck mal, ich habe jetzt eine richtige Herausforderung für dich. Ich möchte, dass du diesen Weg auf deinen Händen hochläufst.“

Zuallererst war es ungewohnt, dass plötzlich jemand deine Beine greift und dich hochhebt. Das letzte Mal hatte ich diese Übung in der Grundschule gemacht und da ging es um ein einfaches Rennen in der Sporthalle, hin und zurück. Hier stand mir eine Strecke aus unterschiedlich hohen Steinen, Dreck, Regen und einem überhaupt nicht einladend aussehender Weg nach oben auf den Berg bevor.

Ich spürte, wie ich für eine Sekunde zögerte. Doch dann sah ich Sacha neben mir stehen und machte einen Schritt mit der rechten Hand nach vorne. Dann den nächsten, dann wieder den nächsten. Die ersten Minuten dachte ich, es wäre doch nicht so schwer. Aber der Weg wurde immer steiler und irgendwann spürte ich relativ schnell, dass mein Körper Widerstand leistete.

Jetzt ging es nur noch ums Durchhalten

Meine Arme zitterten. Mein Hals zitterte, meine Beine rutschten fast aus dem Griff meines Partners heraus. Er strauchelte hinter mir, als ich die Beine wieder in eine neue Position brachte und somit fast das Gleichgewicht verlor. Meine Atmung kam mittlerweile nur noch stoßweise hervor und ich spürte, wie mein Kopf pochte, weil so viel Blut hineingepumpt wurde. Die Steine bohrten sich in meine Hände und irgendwann fühlten sie sich wund an. Doch ich hatte keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Ich wollte nach oben kommen.

Ich dachte kurz, ich könnte nicht mehr. Aber dann hörte ich die Leute von oben, die anfingen, mich anzujubeln und mir Mut zuzurufen. Also stieß ich einen Schrei vor Anstrengung aus und kämpfte mich weiter nach oben. Ich konzentrierte mich nur noch darauf, meine Hände voreinanderzusetzen, Stück für Stück etwas mehr. Oben angekommen, waren meine Hände blutig und meine Arme völlig erschöpft. Dann erfuhr ich, dass die anderen sich auf halber Strecke abwechseln durften. Nur ich nicht. Obwohl ich sauer auf Sacha war, gab ich ihm noch ein High Five und legte mich völlig erschöpft auf den nassen Boden. Für heute hatte ich endgültig genug.

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Tag 3: Mehr ging einfach nicht mehr

Am dritten Tag machten sich die vergangenen Trainingseinheiten deutlich bemerkbar. Diesmal standen Dehnübungen und verschiedene Kung-Fu-Formen auf dem Programm. Sacha zeigte uns die Bewegungsabläufe, die wir gemeinsam nachmachten. Dabei achtete er besonders auf die richtige Haltung und Atmung. Die Übungen hatten auch etwas Meditatives und sollten helfen, sich besser zu konzentrieren und den eigenen Körper wahrzunehmen. Trotzdem war ich fix und fertig – aber auch glücklich, als die erste Pause kam.

Links Nadja und rechts ich, wie ich die Pause richtig nutze.
Links Nadja und rechts ich, wie ich die Pause richtig nutze.

Leider konnte ich nur die erste Hälfte des Trainings mitmachen, da ich meinen Zug erwischen musste. Sacha versuchte zwar noch, mich zu überreden, etwas länger zu bleiben, doch auch da ließ sich „leider“ nichts machen. Dass mein Körper nach drei Tagen Bootcamp dringend eine Pause brauchte, machte mir den Abschied allerdings etwas leichter. Plus ganz so ohne Andenken ging ich auch nicht: Ich hatte von diesen blauen Flecken nämlich ganz viele an meinem Körper.

Mein Fazit nach drei Tagen Shaolin-Bootcamp

Würde ich das Bootcamp noch einmal machen? Tatsächlich ja. Auch wenn ich körperlich noch nie so an meine Grenzen gekommen bin, war es eine Erfahrung, die ich nicht verpassen möchte. Vor allem habe ich gelernt, wie viel man mit einer ordentlichen Portion Ehrgeiz und der Unterstützung anderer schaffen kann. Beim nächsten Mal würde ich allerdings vielleicht doch etwas weniger selbstbewusst an die Sache herangehen. Und vorsichtshalber wieder nur drei Tage buchen.

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