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Beim Experten nachgefragt

Bedeuten große Muskeln automatisch mehr Kraft?

Bodybuilder
Dicke Muckis machen Eindruck. Aber steckt wirklich so viel Kraft drin, wie es den Anschein macht?
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Je größer und dicker der Muskel, desto stärker? Diese Frage haben wir einem Experten gestellt, und seine Antwort ist ein klares – „jein“. FITBOOK erklärt, was der Umfang wirklich über die Kraft aussagt.

„Je größer der physiologische Querschnitt des Skelettmuskels, desto mehr Kraft ist theoretisch erzeugbar.“ Diese Aussage entspricht dem klassischen Lehrbuchwissen, wie uns (Fitness-)Professor Dr. Stephan Geisler berichtet (mehr zur Person unten im Text). In der Praxis kann es dann aber doch etwas anders aussehen, Volumen ist in puncto Kraft nämlich offenbar nicht alles. „Vor allem die neuronale Ansteuerung des Muskels ist ein entscheidender Faktor,“ sagt er uns – und erklärt es zum Glück noch genauer.

Wie effektiv wird der Muskel angesteuert?

Inter- und intramuskuläre Koordination. Diese Begriffe fallen laut Prof. Geisler im Zusammenhang mit der tatsächlichen Kraft häufig. „Unter intermuskulär versteht man das Zusammenspiel verschiedener Muskeln, die an einer Bewegung beteiligt sind.“ Ein Beispiel: Beim Bankdrücken ist nicht nur der Pectoralis (Brustmuskel) an der Bewegung beteiligt, sondern auch der Trizeps und die Schultermuskulatur. „Je besser die einzelnen Muskeln zusammenarbeiten, desto besser ist die intermuskuläre Koordination – und desto stärker ist man“, weiß der Experte.

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Mit der intramuskulären Koordination ist das gemeint, was innerhalb eines bestimmten Muskels passiert. Hierzu noch eine Hintergrundinfo. „Es ist so, dass man nie wirklich alle Muskelfasern eines Muskels anspricht“, erklärt uns der Experte – das nennt sich ‚autonom geschützte Reserve‘.“ Bei Anfängern würden beim ersten Mal an der Brustpresse etwa 60, 65 Prozent ihrer Muskelfasern zum Einsatz kommen. Jemand hingegen, der regelmäßig trainiert, setzt bei einer Kontraktion bis zu 80 Prozent seiner Muskelfasern ein.

 

Mann beim Bankdrücken

Manch ein Athlet ist weniger „aufgepumpt“, aber umso stärker. Der Fitnessprof erklärt uns den Grund.
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Faktor Relativkraft

Zusammengefasst: Die Inter- und intramuskuläre Koordination beeinflusst also, wie viel und wie effektiv jemand Kraft aufwenden kann, die sogenannte Relativkraft. Was das bedeutet, kann man an einigen (gut trainierten) Menschen im Fitnessstudio erkennen, die optisch fast schon „schmächtig“ daherkommen, aber beeindruckende Gewichte stemmen können; „ganz besonders bei Kraftsportarten wie dem Gewichtheben“, berichtet der Fitnessprof.

Und bevor er die Frage endgültig beantwortet, führt er noch einen Sonderfall an, dem man womöglich in der Anabolika-Szene vermehrt begegnen dürfte: bekannt als sarkoplasmatische Hypertrophie. „Soll heißen: Es gibt auch Muskeln, die tatsächlich bisschen aufgepumpt, sprich voll mit Flüssigkeit sind.“ In diesem Fall wäre die Relativkraft im Zweifelsfall eher gering.

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Fazit:

„Ein dicker Muskel ist in der Regel schon stark, aber vielleicht nicht sooo stark wie er aussieht.“ So würde Professor Geisler es formulieren.

Wir einigen uns deshalb auf Folgendes: Beim Thema Muskeln kommt es nicht (nur) auf die Größe, sondern vielmehr auf die Technik an. Besonders gut also, wenn beides passt.

Zur Person: Prof. Dr. Stephan Geisler ist Professor für Fitness und Gesundheit an der IST-Hochschule in Düsseldorf und Dozent für Olympisches Gewichtheben an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dort promovierte er auch im Bereich der molekularen Sportmedizin. Sein Schwerpunkt in Forschung und Lehre liegt im Krafttraining. Er bildet seit über 15 Jahren Studenten und Fitnesstrainer aus und ist Autor verschiedener internationaler Fachpublikationen. Auf seinem YouTube-Kanal Fitnessprofessor und bei Facebook gibt er Tipps und Tricks für Sportler und Trainer. Mehr vom Fitnessprof finden Sie hier!