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FITBOOK-Autorin

„Ich habe Assisted Stretching ausprobiert – das taugt der Wellness-Trend“

FITBOOK-Autorin hat Assisted Stretching ausprobiert
Passives Stretching mithilfe eines Therapeuten – das steckt hinter Assisted Stretching Foto: Getty Images, Nina Ponath;Collage: FITBOO
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Nina Ponath
Freie Autorin

11. Januar 2026, 17:15 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Was sich hinter „Assisted Stretching“ verbirgt, was es verspricht und am Ende wirklich hält – Yoga-Lehrerin Nina Ponath wollte es wissen. Sie war neugierig und hat das besondere Dehn-Workout getestet. Bei FITBOOK berichtet sie von dieser Erfahrung.

Schon mal etwas von „Assisted Stretching“ gehört? Ich nicht, bis ich letztens Werbung dazu in meinen Mails hatte. Diese Art von durch einen Therapeuten unterstütztem Stretching ist anscheinend der große neue Wellness-Trend der Großstädte. Kein Wunder, denn hier verbringen wir viel zu viel Zeit im Sitzen, und unser Körper rächt sich dafür mit Verspannungen, Steifheit und dem Gefühl, einfach nicht mehr richtig beweglich zu sein. So nach dem Motto „Nach einem langen Tag am Schreibtisch fühlt sich der Rücken an wie ein Brett“ setzt hier „Assisted Stretching“ an, das die Beweglichkeit zurückbringen soll.

Statt sich alleine durch komplizierte Dehnübungen zu quälen, geben Sie beim Assisted Stretching Ihren Körper in die Hände von ausgebildeten Therapeuten. Vergleichbar ist das Ganze mit einer passiven Yoga-Stunde, bei der jemand anderes die Arbeit macht – ein echtes Wohlfühlerlebnis für geplagte Großstädter.

Was ist Assisted Stretching überhaupt?

Kurz gesagt: Jemand anderes dehnt Sie. Ein Profi bewegt Ihre Gelenke durch den gesamten Bewegungsradius, führt Ihre Muskeln in Dehnungen, die Sie alleine kaum halten könnten, und nimmt Ihnen zugleich die Angst, dass „es gleich knackt“. Die Technik stammt aus der Physiotherapie, hat aber längst den Sprung in Lifestyle-Studios geschafft. Ziel ist optimale Beweglichkeit – nicht nur passiv, sondern so, dass Sie das neue Bewegungslevel möglichst lange nutzen können.

Klingt nach Wellness, fühlt sich teilweise auch so an, ist aber in seiner Wirkung effektiver als jede halbherzige Dehneinheit, die man nach einem langen Tag lustlos auf der Yogamatte zu Hause durchzieht. Die professionelle Unterstützung ermöglicht eine viel präzisere Arbeit an tief liegenden Faszien und verkürzten Muskelketten.

Mein Selbstversuch im Assisted Stretching

Ich gebe zu: Ich bin gelenkig. Ehemalige Ballettschülerin, heute Yogini: Hüftöffnungen und Co. sind normalerweise kein Problem. Gerade deshalb wähle ich bewusst nicht eines der großen Kettenstudios, die Stretching wie auf einem Fließband abarbeiten. Ich entscheide mich für ein kleines, individuelles Angebot in Hamburg, bei dem der Therapeut alleine ist und Termine nur nach persönlicher Absprache vergibt.

Als ich mich auf die Behandlungsliege lege, ist mein erster Gedanke: „Okay, das wird wie eine sanfte, sehr passive Massage.“ So viel sei direkt verraten: Es wurde viel intensiver.

Mein Stretching-Therapeut begrüßt mich mit dem Hinweis, dass die Stunde „von Kopf bis Fuß“ geht. Und er meint das wörtlich. Mit ruhigen, aber bestimmten Bewegungen führt er meine Beine, dreht sie in Richtungen, die sich vertraut und gleichzeitig neu anfühlen. Immer wieder fordert er mich auf: „Locker lassen, die Arbeit übernehme ich.“ Das ist überraschend schwer, denn der Körper neigt dazu, unbewusst gegenzuhalten. Doch sobald es mir gelingt, merke ich sofort diesen Effekt: Da komme ich alleine nicht hin.

Er erklärt mir, dass genau das der entscheidende Punkt ist: „Alleine stößt man irgendwann an seine Ego-Grenze oder die Grenze des Schmerzes, die man sich selbst nicht zumuten möchte. Wir geben diesen kleinen Extraschub und halten die Dehnung länger, um dem Muskel Zeit zu geben, nachzugeben.“ Und diesen Extraschub hält man länger – viel länger, als man es selbst könnte. Man wird auf seine persönlichen Baustellen aufmerksam gemacht. Bei mir sind es als Läuferin typischerweise die verkürzten Hamstrings (Oberschenkelrückseite), die mehr Aufmerksamkeit benötigen.

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Wo hört Yoga auf – und wo fängt Assisted Stretching an?

Das Grundgefühl ist dem im Yoga nicht unähnlich: Es geht um Loslassen, Atmen, Dehnen und Wiederholen. Die Konzentration liegt ganz im Moment.

Der große Unterschied ist jedoch die abgegebene Verantwortung. Im Yoga bin ich die Akteurin, die entscheidet, wie tief sie geht. Beim Assisted Stretching bin ich die Empfängerin, die sich einer professionellen Führung hingibt. Das ist einerseits entspannend, andererseits aber auch eine Herausforderung: Man muss seinem Therapeuten absolut vertrauen und die Kontrolle vollständig abgeben. Dieses passive Training führt zu einem aktiven Effekt, der sich in mehr Bewegungsfreiheit und weniger Alltagsverspannungen niederschlägt.

Für mich persönlich gibt es allerdings einen Haken: den Aufwand. Extra irgendwohinfahren, einen Termin einhalten, mich hingeben, zurückfahren – während meine Yogamatte zu Hause liegt wie meine treuen Hunde… Nee, danke. Ich weiß, dass ich mich alleine nicht so effektiv dehnen werde wie mit Hilfe, aber ich weiß auch: Praktikabilität schlägt Perfektion.

Wenn Sie im Alltag wenig Zeit haben, sollten Sie sich fragen, ob Sie die Regelmäßigkeit einhalten können, oder ob Sie sich das assistierte Stretching gelegentlich als Highlight gönnen wollen.

Für wen ist Assisted Stretching geeignet?

Für alle, die …

  • beim Dehnen ineffektiv, ungeduldig oder zu ehrgeizig sind.
  • ihre Beweglichkeit verbessern wollen, ohne Schmerzen zu riskieren.
  • Sport treiben und mehr Reichweite oder Flexibilität benötigen.
  • es mögen, wenn jemand anders übernimmt – passives Training mit aktivem Effekt.

Nicht geeignet ist es dagegen für Personen wie mich, die ungeduldig sind, lange Anfahrten hassen und lieber spontan auf die Matte springen, statt regelmäßig Termine wahrzunehmen.

Nina Ponath
Freie Autorin

Assisted Stretching – mein Fazit

„Ja, Assisted Stretching ist effektiver, entspannter und intensiver, als ich erwartet habe – ein bisschen wie eine Mischung aus Massage und Yoga. Ich erreiche Winkel, die alleine kaum möglich wären, und lerne die eigenen Schwachstellen noch mal ganz intim kennen. Werde ich es regelmäßig machen? Wahrscheinlich nicht, dafür ist der Organisationsteil für meinen spontanen Alltag zu hoch. Aber: Ich verstehe jetzt genau, warum andere davon schwärmen und es als das neue unverzichtbare Wohlfühl-Tool ansehen. Und ich weiß jetzt, wie unglaublich gut es tun kann, wenn man sich einfach mal professionell dehnen lässt.“

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