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Finger weg vom Fingerboard!

8 Tipps für Boulder-Anfänger

Technik ist beim Bouldern alles – FITBOOK hat 2 Experten um Tipps für Anfänger gebeten
Technik ist beim Bouldern alles – FITBOOK hat 2 Experten um Tipps für Anfänger gebetenFoto: Getty Images

Jemand hat Ihnen vom Bouldern in der Halle vorgeschwärmt – und jetzt wollen Sie das auch ausprobieren? Eine großartige Idee. Wirklich! Denn das ungesicherte Klettern in Absprunghöhe macht unfassbar viel Spaß, trainiert nahezu jeden Muskel und schult Koordination sowie Kreativität. Allerdings gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Bouldern ist eine Form des Freikletterns, bei der kein Seil zum Einsatz kommt. Ob draußen am Felsen oder in der Halle, man bleibt man in Absprunghöhe. Und obwohl das Verletzungsrisiko höher ist als bei einigen anderen Formen des Kletterns, hat sich der Sport etabliert. Was die Faszination ausmacht: Es geht nicht nur um das Erklimmen eines Gipfels, sondern auch um Kraft, Athletik, Ästhetik und Körperbeherrschung. Die persönliche Wahrnehmung fokussiert sich nur noch auf die Position in der Wand und auf die nächsten Bewegungen, die notwendig sind, um weitere Griffe zu erreichen.

Die Boulder-Experten

Zwei, die das nahezu in Perfektion beherrschen, sind Karo Sinnhuber und Steffen Schöttker. Die Österreicherin klettert seit dem 5. Lebensjahr, hat sich mit 18 aufs Bouldern spezialisiert, ist Teil des österreichischen Boulder-Nationalteams und bouldert den Schwierigkeitsgrad 8B – das ist der fünftschwerste Boulder-Grad überhaupt (von insgesamt 31). Steffen Schöttker aus Hamburg bouldert in der 2. Bundesliga und verbringt jede freie Minute am Fels oder in der Halle. In einer Woche kommen so schon mal 25 Stunden nur fürs Bouldern zusammen.

FITBOOK hat mit beiden Experten gesprochen und acht Anfänger-Tipps fürs Bouldern notiert. Damit wird Ihr erster Besuch in der Halle nicht der letzte wird!

Karo Sinnhuber, Steffen Schöttker
Karo Sinnhuber bouldert im österreichischen Nationalteam und hängt jede freie Minute in der Kletterhalle ab. Steffen Schöttker bouldert am liebsten im französischen Fontainebleau – DEM Paradies für Boulderer. Foto: privat

8 Tipps für Boulder-Anfänger

Vorher gut aufwärmen

Vor dem Bouldern ist gründliches Aufwärmen sehr wichtig: Lockerungs- und kurze, leichte Dehnübungen helfen dabei, Verletzungen zu vermeiden. Konkret? Klar, kriegen wir auch hin: Um Brust und Bizeps zu dehnen, können Sie sich beispielsweise dicht neben eine Wand stellen. Jetzt legen Sie die Hand, die zur selbigen zeigt, in Schulterhöhe hinter sich an der Wand ab. Es zieht im gesamten Oberkörper? Ein gutes Zeichen. Dann dehnen Sie Ihre Hände und Finger (werden beim Bouldern besonders beansprucht): Arm ausstrecken, eine Faust machen – und diese mit der anderen Hand nach innen drücken. Es sollte an der Außenseite des Unterarms ziehen. Auch die Innenseiten wollen gedehnt werden: in den Vierfüßlerstand, Hände Richtung Körper drehen und leicht nach hinten bewegen. Dann machen Sie am besten noch etwas für die Beinrückseite und den Rücken: Beispielsweise könnten Sie die Füße im Sitzen mit gestrecktem Oberkörper greifen. Zu guter Letzt: Mit klassischen Ausfallschritten sorgen Sie für Beweglichkeit in Hüfte und Beinen. 

Die anderen im Blick haben

Der Boulder-Raum sieht mit seinen dicken Matten vielleicht ein bisschen aus wie eine Hüpfburg, ist aber keine und sollte auch nicht als solche genutzt werden. Also: nicht rennen und toben. Auch gefährlich und daher unbedingt sein lassen: übereinander (oder nah beieinander) zu klettern.

Sturzraum freihalten

Glas-, Plastik- oder Metallflaschen gehören nicht auf die Matten, sondern auf dafür vorgesehene Ablageflächen. Und: Schmuck ablegen, weil man damit schnell an Griffen in der Wand hängen bleiben kann.

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Richtig spotten

Spotten meint das Absichern des Boulderers durch Dritte. Die Spotter sollen unkontrollierte Bodenstürze verhindern, indem sie beim Sturz den Boulderer in eine gute Landeposition bringen. Dabei wird der Stürzende durch die Spotter mittels Führung im Bereich der Hüfte (oder im Dach teilweise auch an den Schultern) in eine senkrechte Position geführt, damit er kontrolliert auf den Beinen landen kann. Was häufig missverstanden wird: Spotten bedeutet nur führen – nicht auffangen des Boulderers! Der Versuch, jemanden aufzufangen, ist gefährlich, weil es in der Regel nur dazu führt, dass sich am Ende beide verletzen. 

So weit, so klar? Dann können Sie jetzt in die Wand einsteigen. Aber:

Erstmal EASY

Auch wenn es in den Fingern juckt und die bunten Knöpfe ganz oben verlockend sein können: Einsteiger sollten mit einer Tour beginnen, die deutliche UNTER dem persönlichen Schwierigkeitslevel liegt. Das ist langweilig? Auf keinen Fall, versprochen! Das Tolle beim Bouldern ist, dass man neue Sequenzen immer wieder auschecken kann, neue Lösungen findet und die Züge irgendwann schafft. Der Prozess von keinen Zug schaffen bis Durchstieg ist oft langwierig, aber es zahlt sich aus. 

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Technik ist beim Bouldern ALLES

Am Anfang vor allem an der Technik arbeiten. Am besten geht das, indem man erfahrenen Leuten zusieht, zusammen mit diesen bouldert oder einen Kurs macht. Krafttraining (Klimmzüge, Unterarmstütz, o. Ä.) sind erst später hilfreich. Und dann haben Sie vielleicht noch ein besonderes Trainingsgerät in der Halle entdeckt… Ein großes Holzbrett, auf das unterschiedlich tiefe Griffe geschraubt sind und an dem die coolsten Jungs in der Halle unfassbare Dinge tun. Nein, Sie sollten das nicht nachmachen. Auf keinen Fall! Für Anfänger gilt nämlich: 

Finger. Weg. Vom. Fingerboard.

Fingerboards (auch Hang- oder Campusboard genannt) erlauben spezifisches Fingerkrafttraining. Das ist an sich wichtig, denn wer stärkere Finger hat, verletzt sich später seltener. ABER: Für Anfänger (und nicht nur für die) ist das Verletzungsrisiko an den Boards aufgrund der hohen Belastung enorm! Doppelt und dreifach natürlich, wenn Sie müde und erschöpft sind. Nach dem Bouldern noch ein bisschen am Fingerboard rumprobieren ist damit die denkbar schlechteste Idee, die Sie in Ihrer Anfängereuphorie haben können.  

Es gilt: Erstmal die grundlegende Kletterfähigkeit erwerben, bevor es ans Board geht. Den Experten zufolge sollte frühestens nach zwei bis drei Jahren Boulder-Erfahrung damit begonnen werden.

Also schauen wir lieber den Profis dabei zu: Wie hier zum Beispiel Boulder-Weltcup-Sieger Jan Hojer.

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Dranbleiben

Sie haben es ausprobiert und Feuer gefangen? Dann unbedingt dranbleiben! Um gute Fortschritte zu machen, sollten Sie die Kletterhalle dreimal wöchentlich aufsuchen, meint Boulder-Queen Karo Sinnhuber. Und die muss es ja schließlich wissen!