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Finger weg vom Fingerboard!

Warum Boulder-Anfänger diese Übung nicht machen sollten

Kletterer am Fingerboard
Training am Fingerboard: Was für Boulder-Profis ein MUSS ist, sollte für Anfänger tabu sein. Das Verletzungsrisiko ist enorm.
Foto: Getty Images

Jemand hat Ihnen vom Bouldern in der Halle vorgeschwärmt – und jetzt wollen Sie das auch ausprobieren? Eine großartige Idee. Wirklich! Denn das ungesicherte Klettern in Absprunghöhe macht unfassbar viel Spaß, trainiert nahezu jeden Muskel und schult Koordination sowie Kreativität.

Bouldern ist eine Form des Freikletterns: Es kommt kein Seil zum Einsatz und es geht nicht so hoch hinaus – man bleibt in Absprunghöhe, Weichbodenmatten fangen einen eventuellen Sturz ab. Beim Bouldern geht es um mehr, als einen Gipfel zu erklimmen: Kraft und Athletik, Ästhetik und Körperbeherrschung. Gebouldert wird entweder outdoor am Felsen oder in einer der vielen Hallen. Obwohl das Verletzungsrisiko höher ist als bei einigen anderen Formen des Kletterns, hat sich Bouldern etabliert.

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FITBOOK hat zwei Experten auf dem Gebiet gebeten, ihre besten Tipps für Einsteiger zu verraten: Steffen Schöttker (31) aus Hamburg bouldert in der 2. Bundesliga und verbringt jede freie Minute in der Halle. In einer Woche können das schon mal 25 Stunden sein. Und dann wäre da noch Karo Sinnhuber (23) aus Innsbruck. Sie klettert seit ihrem 5. Lebensjahr und hat sich mit 18 aufs Bouldern spezialisiert und ist Teil des österreichischen Nationalteams. Der Schwierigkeitsgrad, in dem Karo im Freien an Felsen unterwegs ist, trägt die Bezeichnung „8B“ – das ist der fünftschwerste Boulder-Grad überhaupt (von insgesamt 31). Draußen bouldert Karo sogar im Bereich der allerhöchsten Schwierigkeitsgrade.

Karo Sinnhuber, Steffen Schöttker

Karo Sinnhuber bouldert im österreichischen Nationalteam und hängt jede freie Minute in der Kletterhalle ab. Steffen Schöttker bouldert zur Zeit im Wald von Fontainebleau – DEM Paradies für Boulder-Experten.
Foto: privat

8 Experten-Tipps für Boulder-Anfänger

Wenn Sie sich jetzt noch fragen, warum Sie diese verrückte Sportart eigentlich ausprobieren sollten: Die Faszination beim Bouldern besteht darin, dass man in dem Moment, in dem man „in einen Boulder“ einsteigt, aus dem Alltag aussteigt. Die persönliche Wahrnehmung fokussiert sich nur noch auf die Position in der Wand und auf die nächsten Bewegungen, die notwendig sind, um weitere Griffe zu erreichen. Na, Interesse geweckt? Dann geben wir Ihnen jetzt noch acht Tipps an die Hand, damit Ihr erster Besuch in der Halle nicht der letzte wird!

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Gut aufwärmen

Vor dem Bouldern ist gründliches Aufwärmen sehr wichtig: Lockerungs- und kurze, leichte Dehnübungen helfen dabei, Verletzungen zu vermeiden. Konkret? Klar, kriegen wir auch hin: Um Brust und Bizeps zu dehnen, können Sie sich beispielsweise dicht neben eine Wand stellen. Jetzt legen Sie die Hand, die zur selbigen zeigt, in Schulterhöhe hinter sich an der Wand ab. Es zieht im gesamten Oberkörper? Ein gutes Zeichen. Dann dehnen Sie Ihre Hände und Finger (werden beim Bouldern besonders beansprucht): Arm ausstrecken, eine Faust machen – und diese mit der anderen Hand nach innen drücken. Es sollte an der Außenseite des Unterarms ziehen. Auch die Innenseiten wollen gedehnt werden: in den Vierfüßlerstand, Hände Richtung Körper drehen und leicht nach hinten bewegen. Dann machen Sie am besten noch etwas für die Beinrückseite und den Rücken: Beispielsweise könnten Sie die Füße im Sitzen mit gestrecktem Oberkörper greifen. Zu guter Letzt: Mit klassischen Ausfallschritten sorgen Sie für Beweglichkeit in Hüfte und Beinen. 

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Die anderen im Blick haben

Der Boulder-Raum sieht mit seinen dicken Matten vielleicht ein bisschen aus wie eine Hüpfburg, ist aber keine und sollte auch nicht als solche genutzt werden. Also: nicht rennen und toben. Auch gefährlich und daher unbedingt sein lassen: übereinander (oder nah beieinander) zu klettern.

Sturzraum freihalten

Glas-, Plastik- oder Metallflaschen gehören nicht auf die Matten, sondern auf dafür vorgesehene Ablageflächen. Und: Schmuck ablegen, weil man damit schnell an Griffen in der Wand hängen bleiben kann.

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Richtig spotten

Spotten ist das Absichern des Boulderers durch Dritte. Die Spotter sollen unkontrollierte Bodenstürze verhindern, indem sie beim Sturz den Boulderer in eine gute Landeposition bringen. Dabei wird der Stürzende durch die Spotter mittels Führung im Bereich der Hüfte (oder im Dach teilweise auch an den Schultern) in eine senkrechte Position geführt, damit er kontrolliert auf den Beinen landen kann. Was häufig missverstanden wird: Spotten bedeutet nur führen – nicht auffangen des Boulderers! Der Versuch, jemanden aufzufangen, ist gefährlich, weil es in der Regel nur dazu führt, dass sich am Ende beide verletzen. 

So weit, so klar? Dann können Sie jetzt in die Wand einsteigen. Aber:

Erstmal EASY

Auch wenn es in den Fingern juckt und die bunten Knöpfe ganz oben verlockend sein können: Einsteiger sollten mit einer Tour beginnen, die deutliche UNTER dem persönlichen Schwierigkeitslevel liegt. Das ist langweilig? Auf keinen Fall, versprochen! Das Tolle beim Bouldern ist, dass man neue Sequenzen immer wieder auschecken kann, neue Lösungen findet und die Züge irgendwann schafft. Der Prozess von keinen Zug schaffen bis Durchstieg ist oft langwierig, aber es zahlt sich aus. 

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Technik ist beim Bouldern ALLES

Am Anfang vor allem an der Technik arbeiten. Am besten geht das, indem man erfahrenen Leuten zusieht, zusammen mit diesen bouldert oder einen Kurs macht. Krafttraining (Klimmzüge, Unterarmstütz, o. Ä.) sind erst später hilfreich. Und dann haben Sie vielleicht noch ein besonderes Trainingsgerät in der Halle entdeckt… Ein großes Holzbrett, auf das unterschiedlich tiefe Griffe geschraubt sind und an dem die coolsten Jungs in der Halle unfassbare Dinge tun. Nein, Sie sollten das nicht nachmachen. Auf keinen Fall! Für Anfänger gilt nämlich: 

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Finger. Weg. Vom. Fingerboard.

Fingerboards (auch Hang- oder Campusboard genannt) erlauben spezifisches Fingerkrafttraining. Das ist an sich wichtig, denn wer stärkere Finger hat, verletzt sich später seltener. ABER: Für Anfänger (und nicht nur für die) ist das Verletzungsrisiko an den Boards aufgrund der hohen Belastung enorm! Doppelt und dreifach natürlich, wenn Sie müde und erschöpft sind. Nach dem Bouldern noch ein bisschen am Fingerboard rumprobieren ist damit die denkbar schlechteste Idee, die Sie in Ihrer Anfängereuphorie haben können.  

Es gilt: Erstmal die grundlegende Kletterfähigkeit erwerben, bevor es ans Board geht. Den Experten zufolge sollte frühestens nach zwei bis drei Jahren Boulder-Erfahrung damit begonnen werden.

Also schauen wir lieber den Profis dabei zu: Wie hier zum Beispiel Boulder-Weltcup-Sieger Jan Hojer.

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…but at least the 1-9 still goes 💪

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Dranbleiben

Sie haben es ausprobiert und Feuer gefangen? Dann unbedingt dranbleiben! Um gute Fortschritte zu machen, sollten Sie die Kletterhalle dreimal wöchentlich aufsuchen, meint Boulder-Queen Karo Sinnhuber. Und die muss es ja schließlich wissen!