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Harvard-Studie

Was bringen Vitamin-D-Supplemente für die Knochengesundheit?

Vitamin-D-Supplemente Knochen: Vitamin-D-Kapseln
Sollte man prophylaktisch für die Knochen Vitamin D einnehmen? Dieser Frage ist eine neue Studie auf den Grund gegangen.Foto: Getty Images

Von Vitamin-D-Supplementen erhoffen sich Konsumenten starke Knochen. Was bringen sie wirklich? Eine Harvard-Studie hat's untersucht.

Vitamin D ist wichtig für die Knochengesundheit. Dieser Fakt ist mittlerweile ins Allgemeinwissen übergangen, sodass immer mehr Menschen vor allem während der dunklen Jahreszeit auf das Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen. Das müsste doch in der Masse bei der Allgemeinbevölkerung zu weniger Knochenbrüchen und Frakturen führen? Mit dieser Frage haben sich erstmals Harvard-Forscher des Brigham and Women’s Hospital beschäftigt und in einer groß angelegten Studie untersucht, was Vitamin-D-Supplemente tatsächlich für die Knochen bringen.

Über 5 Jahre lang täglich eine Vitamin-D-Pille

Die Forscher rekrutierten 25.000 Frauen und Männer über 50 Jahren, die im Allgemeinen gesund waren. Tests ergaben jedoch, dass einige Probanden zu Beginn der Studie einen zu niedrigen Vitamin-D-Spiegel aufwiesen. Die Teilnehmer wurden anschließend in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine nahm jeden Tag 2000 IE Vitamin D ein, was ungefähr dem doppelten Tagesbedarf entspricht, die andere erhielt ein Placebo. Fünf Jahre später zählten die Wissenschaftler nach, zu wie vielen Knochenbrüchen bzw. Frakturen es bei den jeweiligen Gruppen in der Zwischenzeit gekommen ist. Die Ergebnisse dazu wurde jetzt im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.1

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Warum ein Vitamin-D-Supplement nicht unbedingt vorteilhaft für die Knochen sein muss

Das Ergebnis ist insofern überraschend, da es für die allermeisten Teilnehmer absolut keinen Unterschied machte, ob sie das Placebo oder das echte Präparat verabreicht bekamen. In Zahlen:

  • Unter denen, die Vitamin D erhielten, hatten 769 von 12.927 Teilnehmern Frakturen – das entspricht sechs Prozent
  • Und bei denen, die das Placebo erhielten, erlitten 782 von 12.944 Frakturen – das sind ebenfalls sechs Prozent

Studienleiterin Dr. Meryl LeBoff fasst als Erkenntnis in einer Universitätsmittteilung zusammen: „Eine Vitamin-D-Einnahme führte bei allgemein gesunden Erwachsenen mittleren Alters nicht zu einem geringeren Frakturrisiko als das Placebo.“2 Sprich: Bei gesunden Menschen können Vitamin-D-Supplemente wenig für die Knochen tun.

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Hilfreich nur für Menschen mit geringer Knochendichte

Die Wissenschaftlerin räumt ein, dass Patienten, die unter geringerer Knochendichte oder Osteoporose leiden, sehr wohl von einer täglichen Extra-Portion Vitamin D profitieren können. „Die meisten Teilnehmer der Studie hatten keinen Mangel und möglicherweise bereits den für die Knochengesundheit erforderlichen Vitamin-D-Spiegel erreicht.“ Bevor man also nur auf Verdacht zu Nahrungsergänzungsmitteln greift, sollte zuvor immer ärztlich abgeklärt werden, ob überhaupt ein Mangel vorliegt. Die Studie stützt die Annahme, dass gesunde Menschen überhaupt nichts einnehmen sollten. Und: Mit Vitamin D allein lassen sich Knochenbrüche so oder so nicht verhindern.

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Nicht nur für die Knochen – wofür der Körper Vitamin D noch braucht

Vitamin D ist bei zahlreichen Stoffwechselvorgängen beteiligt, sodass ein Mangel nicht nur im Verdacht steht, Depressionen zu begünstigen, sondern Betroffene auch anfälliger für Infekte macht. Das gilt auch für tödliche Krankheiten wie Krebs. Laut einer Studie vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ließen sich in Deutschland jährlich 30.000 Krebstode verhindern, wenn die ältere Bevölkerung ausreichend mit Vitamin D versorgt wäre (FITBOOK berichtete).3 Eine weitere in diesem Jahr veröffentlichte Studie fand heraus, dass tägliche Vitamin-D-Ergänzungen die Rate von Autoimmunerkrankungen bei den über 50-Jährigen um 22 Prozent senken könnten.4 Aber auch hier gilt: Wo kein Mangel herrscht, besteht auch kein Bedarf.

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