13. Oktober 2026, 13:56 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Die Tüte Chips auf der Couch, ein Joghurt kurz vor dem Schlafengehen oder die Mitternachts-Pizza nach einem langen Arbeitstag: Regelmäßiges spätes Essen könnte der Leber schaden. Darauf deutet eine neue Studie der „Oregon Health & Science University“ (OHSU) in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts General Hospital hin.
Die Forscher analysierten Gesundheits- und Ernährungsdaten von knapp 200.000 Personen über einen Zeitraum von durchschnittlich 16 Jahren. Menschen, die nach dem Abendessen oder spät vor dem Schlafengehen noch Snacks zu sich nahmen, wiesen ein deutlich höheres Risiko für eine Fettlebererkrankung sowie für Leberzirrhose auf. Und das auch noch, wenn selbst Faktoren wie Gewicht, Bewegung, Alkohol und Gesamtkalorien berücksichtigt wurden.1
Bis zu 36 Prozent höheres Risiko
Für die Untersuchung wertete das Team Daten aus drei großen US-Langzeitstudien aus. Anschließend verglichen die Wissenschaftler die Angaben zum Essverhalten mit dem Auftreten von Lebererkrankungen. Konkret ging es um die metabolische Fettlebererkrankung (MASLD) sowie um Leberzirrhose, das Endstadium chronischer Leberschäden. Wer regelmäßig spätabends snackte oder aß, hatte im Vergleich zu Personen ohne späte Mahlzeiten ein um 36 Prozent erhöhtes Risiko für eine Fettlebererkrankung und ein um 28 Prozent höheres Risiko für eine Leberzirrhose.
„Einige Studien haben diese Idee bereits angedeutet, aber dies ist eine der ersten Langzeitanalysen, die explizit den Zusammenhang mit der Fettlebererkrankung herstellt“, erklärt Studienleiter Dr. Robert Wilechansky.
Warum der Zeitpunkt des Essens wichtig sein könnte
Hinter dem Effekt vermuten die Forscher den Einfluss des sogenannten zirkadianen Rhythmus. Diese innere Uhr steuert zahlreiche Stoffwechselprozesse im Körper und scheint auch für die Leber eine wichtige Rolle zu spielen.
„Wir wissen, dass die Leber sehr stark mit dem zirkadianen Rhythmus des Körpers interagiert“, sagt Wilechansky. „Deshalb sind wir daran interessiert, den Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme so zu verändern, dass sich dies positiv auf die Gesundheit auswirken könnte, ohne die Zusammensetzung der Ernährung zu verändern.“
Auch Schlaf- und Chronobiologe Dr. Andrew McHill sieht den Essenszeitpunkt als wichtigen Gesundheitsfaktor: „Wir beobachten immer wieder, dass der Zeitpunkt bestimmter Verhaltensweisen – ob Schlaf, Essen oder Sport – eine entscheidende Rolle spielt.“
Seinen Angaben zufolge zeigen frühere Untersuchungen, dass nächtliches Essen die Fähigkeit des Körpers verschlechtern kann, Nahrung effizient zu verstoffwechseln. Das könne langfristig Übergewicht, Diabetes und möglicherweise auch Leberprobleme begünstigen. Da die Insulinempfindlichkeit des Körpers nachts von Natur aus sinkt, kann die Leber späte Kalorien schlechter verarbeiten – was Fetteinlagerungen begünstigt.
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Das gilt es bei den Ergebnissen zu bedenken
Trotz der großen Datenmenge hat die Studie methodische Grenzen. Die Angaben zum Essverhalten und zu Diagnosen beruhten auf Selbstauskünften der Teilnehmenden. Da eine Fettleber oft lange ohne Symptome verläuft, bleiben viele Fälle unentdeckt. Zudem erfasste die Studie keine genauen Uhrzeiten oder Portionsgrößen der späten Mahlzeiten. Da die Untersuchten zudem überwiegend weiße Fachkräfte aus dem US-Gesundheitssektor waren, lassen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf die gesamte Bevölkerung übertragen.
Was bedeutet das für den Alltag?
Die Studie beweist nicht, dass spätes Essen direkt Lebererkrankungen verursacht. Sie zeigt jedoch einen klaren Zusammenhang. Die Forscher planen deshalb bereits weitere klinische Untersuchungen, um herauszufinden, ob ein früheres Abendessen die Leberwerte von Menschen mit Fettleber tatsächlich verbessern kann.
Bis dahin gilt: Nicht nur das „Was“, sondern auch das „Wann“ beim Essen könnte für die Gesundheit entscheidend sein. Wer seiner Leber etwas Gutes tun möchte, könnte davon profitieren, die letzte größere Mahlzeit einige Stunden vor dem Schlafengehen einzuplanen. Fachleute raten dazu, etwa zwei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen nichts mehr zu essen, um dem Stoffwechsel Ruhe zu gönnen – auch wenn es für starre Leitlinien noch zu früh ist.
Wichtiger medizinischer Warnhinweis: Wer bereits an einer Leberzirrhose leidet, sollte Mahlzeiten vor dem Schlafengehen nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt streichen. Bei dieser schweren Lebererkrankung ist ein kleiner später Snack oft medizinisch notwendig, um eine gefährliche nächtliche Mangelversorgung zu vermeiden.