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6 Wochen lang untersucht

Mehr Hülsenfrüchte statt Fleisch! Das geschieht im Körper von Männern

Männer sollten besser mehr Hülsenfrüchte statt Fleisch verzehren
Hülsenfrüchte sind gesünder als Fleisch, oder? Foto: Getty Images, Collage: FITBOO
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Melanie Hoffmann
Ernährungs-, Fitness- und Schlafexpertin

23. September 2025, 12:54 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Männer essen zu viel Fleisch – und das sollte sich ändern! Diese Prämisse war die Basis einer aktuellen Studie, die sechs Wochen lang mit 102 gesunden Männern im Alter von 21 bis 61 Jahren durchgeführt wurde. Sie zeigte, welche positiven Effekte es hatte, wenn Männer einen Teil ihres Fleischkonsums durch Hülsenfrüchte ersetzten.

Der übermäßige Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch (z. B. Wurst oder Schinken) steht in Verbindung mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmten Krebsarten und Übergewicht.12 Gleichzeitig nehmen viele Menschen nicht genug der gesundheitlich wertvollen Ballaststoffe zu sich – wie sie etwa in Hülsenfrüchten zu finden sind. Die Planetary Health Diet – eine Ernährungsform, die als gesund und klimafreundlich gilt – empfiehlt die Reduktion des Fleischkonsums zugunsten von mehr pflanzlichen Proteinquellen wie Erbsen und Bohnen. Gemäß den Diätregeln soll es nur 200 Gramm Fleisch pro Woche sein.3

Genau dies nahmen Forscher aus Finnland jetzt zum Anlass für ihr Studiendesign. Da gerade Männer tendenziell zu viel Fleisch und zu wenig Hülsenfrüchte verzehren, konzentrierten sie sich auf sie als Probandengruppe. Das Ziel: Herauszufinden, wie eine fleischreduzierte und hülsenfruchtbasierte Ernährung im Körper wirkt.4

BeanMan-Studie

Die BeanMan-Studie war eine randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit zwei Gruppen und einer Laufzeit von sechs Wochen. Insgesamt nahmen 102 gesunde Männer im Alter von 21 bis 61 Jahren (Durchschnittsalter betrug 38 Jahre) teil. Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt:

  • Die Fleisch-Gruppe: Jede Person erhielt wöchentlich 760 Gramm rotes und verarbeitetes Fleisch. Sie nahmen also 25 Prozent ihres Proteinanteils über Fleisch auf.
  • Die Hülsenfrüchte-Gruppe: Jede Person erhielt wöchentlich 200 Gramm Fleisch (entspricht dem Maximum der Planetary Health Diet) und zusätzlich Hülsenfruchtprodukte mit einem Proteingehalt, das dem von 560 Gramm Fleisch entsprach. Hier waren die 25 Prozent Proteinanteil der Ernährung aufgeteilt auf 5 Prozent durch Fleisch und 20 Prozent durch Hülsenfrüchte.

Alle Teilnehmenden hielten sich ansonsten an ihre gewohnte Ernährung, mit Ausnahme der Fleisch- und Hülsenfruchtmengen. Die Hülsenfruchtprodukte basierten auf Ackerbohne und Erbse und wurden als Tiefkühlgerichte, Pasten oder Suppen geliefert. Ergänzend wurden Rezepte bereitgestellt. Der Verzehr wurde durch Lebensmittelprotokolle und eine App dokumentiert. Blut- und Urinproben sowie Körpermessungen wurden zu Beginn und am Ende erhoben. Die Einhaltung der Vorgaben war sehr hoch: Nur ein bis zwei Prozent der Studienlebensmittel wurden nicht verzehrt.

So wirkten sich die Hülsenfrüchte auf die Nährstoffaufnahme der Männer aus

Tatsächlich konnten die Forscher bereits nach sechs Wochen eine Reihe an Veränderungen bei den Männern der Hülsenfrüchte-Gruppe nachweisen. Der Verzicht auf Fleisch zugunsten von Erbsen und Bohnen hatte eine Reihe positiver Effekte auf Körper- und Nährstoffwerte.

Positive Effekte

  • So sank in der Hülsenfrüchte-Gruppe das Gesamtcholesterin im Blut um durchschnittlich 0,25 mmol/l, das LDL („schlechtes Cholesterin“) um 0,19 mmol/l. In der Fleisch-Gruppe stiegen beide Werte leicht an.
  • Die Zufuhr der Ballaststoffe stieg in der Hülsenfrüchte-Gruppe signifikant an und auch der Anteil gesunder ungesättigter Fettsäuren war bei diesen Probanden höher als in der Vergleichsgruppe, während die Aufnahme gesättigter Fettsäuren sank.
  • Zudem nahm die Hülsenfrüchte-Gruppe im Durchschnitt innerhalb der sechs Wochen ein Kilogramm ab, ihr BMI sank signifikant. Bei der Fleisch-Gruppe zeigten sich dagegen kaum Veränderungen im Gewicht.
  • Keinen signifikanten Unterschied zwischen beiden Studiengruppen gab es beim Blutzucker oder Insulin und HOMA-Index (letzterer kommt zur Abschätzung einer Insulinresistenz zum Einsatz).
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Negative Effekte

Andere Nährstoffwerte wurden durch die Fleischreduzierung zugunsten von mehr Hülsenfrüchten bei den untersuchten Männern leicht negativ beeinflusst.

Dies betraf zum einen die Vitamin-B12-Aufnahme. Sie war in der Hülsenfrüchte-Gruppe um 2,4 µg/d niedriger, ebenso sank der Blutwert des empfindlichen Vitamin-B12-Markers holoTC. Bei 16 Prozent der Teilnehmer unterschritt er den Grenzwert für einen suboptimalen Status (in der Fleisch-Gruppe war dies bei zwei Prozent der Fall).

Ein ebenfalls nicht optimaler Effekt zeigte sich beim Eisenwert. Obwohl die Hülsenfrüchte-Gruppe mehr Eisen aufnahm, sank der Ferritinwert (Speichereisen) leicht, ohne jedoch in den Mangelbereich zu rutschen.

Die Jod-Aufnahme war in beiden Gruppen ähnlich, aber die Urinausscheidung war in der Hülsenfrüchte-Gruppe leicht geringer – was auf eine etwas reduzierte Jodverfügbarkeit hindeutet.

Schon nach kurzer Zeit messbare Veränderungen

Die größte Erkenntnis der Studie: Selbst eine moderate Reduktion von Fleisch auf 200 Gramm pro Woche – kombiniert mit einer Erhöhung des Verzehrs von Hülsenfrüchten – kann bereits nach sechs Wochen zu messbaren gesundheitlichen Verbesserungen führen: von Gewichtsabnahme, über bessere Cholesterinwerte bis hin zu gesünderer Fettsäureverteilung. Das ist besonders relevant für Männer, die bislang deutlich mehr Fleisch konsumieren als empfohlen – und deshalb im Fokus der Untersuchung standen.

Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Versorgung mit bestimmten Mikronährstoffen – insbesondere Vitamin B12 – bei sinkendem Fleischanteil kritisch wird. Zwar blieb die Vitamin-B12-Zufuhr in dieser Studie noch über dem empfohlenen Mindestwert, aber erste Mangelzeichen im Blut waren bereits bei einigen Teilnehmern sichtbar. Auch bei Jod und Eisen sollten längerfristige Effekte nicht unterschätzt werden. Überraschend ist, wie schnell sich diese Veränderungen der Nährwerte zeigten, weniger, dass sie generell auftraten. Denn dass Menschen, die sich (fast) fleischlos ernähren, auf diese Nährwerte achten sollten, ist bekannt. Es gibt jedoch eine Reihe pflanzlicher Lebensmittel, die diese Nährstoffe liefern können – bis hin zu speziellem Jodsalz.

Praktisch bedeutet das: Ein teilweiser Ersatz von Fleisch durch Hülsenfrüchte ist aus gesundheitlicher Sicht durchaus empfehlenswert – solange bei der Auswahl der Lebensmittel auch auf die ausreichende Versorgung mit kritischen Nährstoffen geachtet wird. Für bestimmte Bevölkerungsgruppen (z. B. ältere Menschen oder Frauen mit erhöhtem Eisenbedarf) könnte das Monitoring besonders wichtig sein.

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Einordnung der Studie und mögliche Einschränkungen

Die BeanMan-Studie überzeugt durch ihr sorgfältiges Studiendesign. Kontrollierte randomisierte Studien gehören zum Goldstandard der Forschung und haben eine hohe Aussagekraft. Auch die hohe Beteiligung der Probanden ist ein Pluspunkt: Kein Teilnehmer brach ab, und die Ernährungspläne wurden sehr gut eingehalten. Besonders stark ist die umfassende Auswertung – inklusive Biomarker, Urinanalysen und detaillierter Lebensmitteldaten.

Wie bei den meisten Forschungsarbeiten gibt es auch bei der BeanMan-Studie Punkte, die die Aussagekraft bzw. Übertragbarkeit der Ergebnisse auf alle Menschen einschränken. So waren die Teilnehmer überdurchschnittlich gesund, hochgebildet und gesundheitsbewusst. Ihre Essgewohnheiten – z. B. ein möglicherweise ohnehin hoher Ballaststoffkonsum – weichen vom Bevölkerungsdurchschnitt ab. Die Studiendauer von nur sechs Wochen erlaubt nur Aussagen zu kurzfristigen Effekten. Langzeitfolgen – etwa bei Vitamin B12 oder Eisen – sind damit nicht vollständig erfassbar. Auch die Anzahl von nur 102 Männern schränkt die Aussagekraft ein. Weitere Forschung sollte die Wirkung im männlichen Körper untermauern – selbst dann kann aber auf der Grundlage nicht von ähnlichen gesundheitlichen Effekten bei Frauen oder auch Kindern ausgegangen werden.

Insgesamt liefert die Studie jedoch einen wertvollen Beitrag zur Diskussion über nachhaltige Ernährung und zeigt, dass ein moderater Fleischverzicht sowohl gesundheitlich machbar als auch nährstofftechnisch vertretbar ist – zumindest kurzfristig.

Fazit

Ein teilweiser Ersatz von Fleisch durch Hülsenfrüchte – wie in der Planetary Health Diet empfohlen – kann bei gesunden Männern bereits nach sechs Wochen das Cholesterin senken, das Gewicht reduzieren und die Ernährung insgesamt verbessern. Gleichzeitig bleiben kritische Nährstoffe wie Eisen, Jod und Vitamin B12 noch im ausreichenden Bereich – allerdings mit Tendenzen, die bei langfristiger Umsetzung beobachtet werden sollten. Für viele Männer könnte ein Fleischverzehr von 200 bis 350 Gramm pro Woche ein realistisches, gesundes und nachhaltiges Ziel sein.

Quellen

  1. Zeraatkar, D., Han, M.A., Guyatt, G.H. et al. (2019). Red and processed meat consumption and risk for all-cause mortality and cardiometabolic outcomes: a systematic review and meta-analysis of cohort studies. Ann Intern Med ↩︎
  2. World Cancer Research Fund/American Institute for Cancer Research. Continuous Update Project Expert Report 2018. Diet, nutrition, physical activity and colorectal cancer. (aufgerufen am 23.9.2025) ↩︎
  3. Clark, M., Springmann, M., Rayner, M. et al. (2022). Estimating the environmental impacts of 57,000 food products. Proc Natl Acad Sci ↩︎
  4. Bäck, S., Päivärinta, E., Pellinen, T. et al. (2025). Nutritional and health benefits of a partial substitution of red and processed meat with non-soy legumes: a 6-week randomized controlled trial in healthy working-age men. European Journal of Nutrition. ↩︎

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