15. April 2026, 13:01 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Schale der Kiwi landet bei den meisten im Müll – dabei ist sie eine „Nährstoffbombe“, die dafür viel zu schade ist. Studien zeigen, dass Kiwischalen mehr Polyphenole und Antioxidantien liefern als das Fruchtfleisch. Was der Verzehr dem Menschen bringt, ist bislang nicht klar. Untersuchungen an Tieren zeigen: Magen und Fettstoffwechsel profitieren. Wer die Schale probieren möchte, sollte sie vorher gründlich waschen.
Nährstoff-Check: Was steckt drin in der Kiwischale?
Kiwis sind schon ohne Schale gesund. Aussagekräftige Studien zeigen, dass Verdauung, Haut, Schlaf und sogar Psyche profitieren können, wenn man die Frucht regelmäßig isst.1,2,3,4 Es wird aber noch besser: Ihre Schale – eigentlich ein „Abfallprodukt“ – besitzt eine Nährstoffdichte, die die des Fruchtfleisches weit übersteigt. Forscher um die Lebensmitteltexpertin Dr. Jingjing Liang von der Northwest A&F University in Yangling, Shaanxi, China, wiesen das 2021 nach. Die Wissenschaftler untersuchten 15 verschiedene Kiwisorten und verglichen das Fruchtfleisch mit der Schale. Alle Sorten wurden im „National Center of Kiwifruit Cultivation“ in der Provinz Shaanxi angebaut und unter identischen Bedingungen verglichen.
Demnach fungiert die Schale als hochkonzentrierte Quelle für Antioxidantien, deren Gehalt den des Fruchtfleisches signifikant übersteigt. Die Forscher fanden darin etwa höhere Konzentrationen an Polyphenolen, Gallussäure, Catechin, Epicatechin und p-Hydroxybenzoesäure als im Fruchtfleisch. „Food Bioscience“ veröffentlichte die Studie damals.5
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Kiwischale ist nicht gleich Kiwischale
Wer gezielt nach der ‚Antioxidantien-Bombe‘ sucht, sollte auf die Details achten. In dem Kiwi-Sorten-Vergleich glänzten vor allem Kultivare wie ‚Kuimi‘ durch die höchsten Konzentrationen an schützenden Phenolen in der Schale. Für den direkten Verzehr – falls man sich an die Schale wagt – eignen sich laut Forschern hingegen Sorten wie ‚Hongyang‘ (goldene Kiwi) oder die (klassische) grüne ‚Yate‘ besonders gut, da sie ein sehr ausgewogenes Zucker-Säure-Verhältnis haben.
Kann man das wirklich mitessen?
In Bezug auf mögliche Gefahren beim Verzehr geben die vorliegenden Studien Entwarnung, weisen aber auch auf die Grenzen der aktuellen Forschung hin. Die Wissenschaftler bezeichnen die Inhaltsstoffe der Schale in ihren Untersuchungen als „natürliche und sichere Alternativen“. Ein direkter Tipp zur Vorbereitung findet sich im methodischen Vorgehen der Forscher: Bevor die Früchte analysiert wurden, wurden sie gründlich gewaschen. Rückstände zu entfernen, ist wohl ein wichtiger Schritt, wenn man die Schale probieren möchte.
Was könnte das theoretisch machen? Zwei spannende Tierstudien
Tierstudien liefern erste Hinweise darauf, was Kiwischalen im Körper bewirken könnten. Ergebnisse von Forschern der Guizhou Medical University aus dem Jahr 2024 legen nahe, dass sie ein erhebliches Potenzial zur Regulierung von Fettstoffwechselstörungen besitzt: Die Forscher hatten Ratten zunächst auf eine fettreiche Diät gesetzt und ihnen dann einen Polyphenol-Extrakt aus der Kiwi-Schale in unterschiedlichen Dosierungen (50 mg/kg oder 100 mg/kg) verabreicht.
Ergebnis: Die Fettansammlung in der Leber der Tiere verringerte sich. Auch bremste der Extrakt die Gewichtszunahme und senkte erhöhte Cholesterin- sowie Blutfettwerte. Die Wissenschaftler führten den Effekt auf eine gesteigerte Oxidationsfähigkeit der Leber zurück – ausgelöst durch den Kiwi-Schalen-Extrakt.6
Spezifische Heilwirkung der Schale der goldenen Kiwi
Neben der Untersuchung zum Fettstoffwechsel gibt es eine weitere zentrale Tierstudie aus dem Jahr 2021, die sich mit der magenschützenden Wirkung beschäftigte. Der Ernährungswissenschaftler Ibrahim S. Aleid von der Qassim University (Saudi-Arabien) und Team untersuchten, wie Extrakte aus dem Fruchtfleisch und der Schale der goldenen Kiwi gegen Magengeschwüre bei Ratten wirken.
Die Studie, veröffentlicht in „Nutrients“, zeigte: Wirkstoffe der Kiwischale halfen dabei, die wichtige schützende Schleimschicht des Magens zu bewahren oder sogar zu verbessern. So sank unter anderem der sogenannte Ulkus-Index, ein Maß für die Schwere der Geschwüre. Interessanterweise war der Extrakt aus der Schale deutlich wirksamer bei der Verringerung der Gewebeschäden als der Extrakt aus dem reinen Fruchtfleisch.7
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Gesundheitliche Wirkung beim Menschen bislang nicht untersucht
Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse aus Tierversuchen zum Fettstoffwechsel und Magenschutz stehen umfassende klinische Studien, die die direkte Wirkung des Verzehrs der Kiwischale (bzw. aus ihr konzentrierte Extrakte) auf den Menschen untersuchen, derzeit noch aus. Ganz klar: Solche Ergebnisse wie oben beschrieben lassen sich nicht bzw. nur sehr eingeschränkt auf den Menschen übertragen.
Die Wissenschaftler betrachten die Schale der beliebten Frucht momentan primär als eine wertvolle, jedoch oft ungenutzte „Abfallressource“, die ein großes Potenzial für die künftige Entwicklung von hochwertigen Gesundheitsprodukten aufweist, deren therapeutische Wirksamkeit beim Menschen durch direkten Verzehr allerdings erst noch in kontrollierten Studien bestätigt werden muss. Die Forschung konzentriert sich darauf, wie man die Schale in Form von Extrakten oder Pulvern für hochwertige Gesundheitsprodukte nutzbar machen kann.
Fazit
Logisch scheint nun: Wer die Kiwischale mitisst, steigert seine Gesamtaufnahme an schützenden Pflanzenstoffen massiv. Ob das im Alltag aber tatsächlich einen messbaren gesundheitlichen Vorteil bringt, muss erst noch untersucht werden. Ob das Knabbern einer einzelnen Schale allerdings denselben Effekt hat wie hochkonzentrierte Schalen-Extrakte, wie sie in den Studien zum Einsatz kamen, ist eine der spannenden Fragen für künftige Studien am Menschen.