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Studie zeigt

Die Wirkung von Kiwi auf den Stuhlgang

Hilft Kiwi besser als Flohsamen, Trockenfrüchte oder Sennesblätter gegen Verstopfung?
Hilft Kiwi besser als Flohsamen, Trockenfrüchte oder Sennesblätter gegen Verstopfung? Foto: Getty Images
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29. Januar 2026, 4:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Chronische Verstopfung betrifft weltweit etwa jeden zehnten Erwachsenen. Sie kann nicht nur den Alltag stark beeinträchtigen, sondern auch das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Viele Menschen greifen zu Hausmitteln wie Flohsamenschalen, Trockenfrüchten, Vollkornprodukten oder pflanzlichen Abführmitteln wie Sennesblättern. Doch welche dieser Maßnahmen helfen tatsächlich – und sind vielleicht ausgerechnet exotische Kiwis die beste Wahl für den Stuhlgang? FITBOOK kennt die Antwort.

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Ernährungstherapien bei chronischer Verstopfung untersucht

Ein internationales Forschungsteam hat 75 hochwertige Studien ausgewertet, die sich mit der Ernährungstherapie bei chronischer Verstopfung bei Erwachsenen befassen. Ziel war es, herauszufinden, welche Lebensmittel, Getränke und Nahrungsergänzungsmittel nachweislich wirken – und welche keine oder sogar negative Effekte haben.

Auffällig: Frische Kiwis zeigten in mehreren Studien einen positiven Effekt auf die Verdauung – teilweise wirkten sie sogar besser als bekannte Hausmittel wie Flohsamenschalen.1

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Ablauf der Studie

Untersucht wurden ausschließlich sogenannte randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), die als besonders verlässlich gelten. Die Forscher analysierten die Wirkung verschiedener ernährungsbezogener Maßnahmen auf folgende Punkte:

  • Häufigkeit des Stuhlgangs
  • Konsistenz des Stuhls
  • Beschwerden wie Pressen, Blähungen oder Bauchschmerzen
  • Lebensqualität
  • Nebenwirkungen wie Durchfall oder Unverträglichkeiten

Die Empfehlungen wurden mit dem international anerkannten GRADE-System bewertet, das die Aussagekraft von Studien einstuft. Aussagen wurden nur dann in die Empfehlungsliste aufgenommen, wenn mindestens zwei Studien sie stützten und mindestens 85 Prozent der Fachleute im Konsensverfahren zustimmten.

So wirken Kiwis

Die Auswertung unterscheidet klar zwischen wirksamen, wirkungslosen und teilweise sogar problematischen Maßnahmen. Kiwis gehören laut der Studie zu den wirksamen Mitteln.

Frische Kiwis führten (etwa im Vergleich zu Flohsamenschalen) zu etwas häufigerem Stuhlgang. Sie gelten als gut verträglich – vor allem für Menschen, die andere Mittel wie Psyllium nicht vertragen.

Aktuelle Leitlinien bestätigen Kiwi-Empfehlung

Ergänzend dazu hat die British Dietetic Association (BDA) im Oktober 2025 erstmals evidenzbasierte Ernährungsempfehlungen zur Behandlung chronischer Verstopfung veröffentlicht. Die Leitlinien basieren auf einer umfassenden Auswertung wissenschaftlicher Studien und empfehlen unter anderem den regelmäßigen Verzehr von frischen Kiwis sowie mineralstoffreichem Wasser. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass für einige häufig empfohlene Maßnahmen – wie ballaststoffreiche Ernährung oder Sennespräparate – derzeit keine ausreichende Evidenz vorliegt.2

Was laut Studie ebenfalls bei Verstopfung hilft

  • Psyllium (Flohsamenschalen): Erhöht deutlich die Häufigkeit des Stuhlgangs, macht den Stuhl weicher und verringert das Pressen beim Toilettengang.
  • Magnesiumoxid: Führt zu fast vier zusätzlichen Stuhlentleerungen pro Woche, der Stuhl wird deutlich weicher, und viele fühlen sich insgesamt wohler. Wird klar empfohlen, weil es laut Studienhinweisen zuverlässig wirkt.
  • Bifidobacterium lactis (Probiotikum): Kann helfen, den Stuhlgang häufiger zu machen, wirkt aber nicht bei Beschwerden wie hartem Stuhl, Schmerzen oder Völlegefühl. Wird vorsichtig empfohlen – weil die Wirkung begrenzt, das Probiotikum aber gut verträglich ist.
  • Roggenbrot: Steigerte die Stuhlfrequenz im Vergleich zu Weißbrot. Aber: Gleichzeitig traten öfter Beschwerden wie Blähungen auf. Nur eingeschränkt empfohlen.
  • Mineralstoffreiches Wasser: Enthält viel Magnesium und Sulfat. In Studien berichteten deutlich mehr Menschen über Besserung, wenn sie solches Wasser tranken – allerdings ohne spürbaren Einfluss auf Schmerzen oder Stuhlkonsistenz. Als ergänzende Maßnahme empfohlen.

Wenig bis keine Wirkung

  • Senna (Sennesblätter): Wird oft verwendet, konnte in Studien aber keinen verlässlichen Nutzen zeigen. Die Ergebnisse waren uneinheitlich.
  • Synbiotika (Kombination aus Pro- und Präbiotika): Zeigten keine belegte Wirkung auf Verstopfungsbeschwerden.
  • Polydextrose, Inulinmischungen, Galakto-Oligosaccharide: Diese Ballaststoffe zeigten keine spürbaren Verbesserungen.
  • Kiwifruit-Supplemente (z. B. in Kapsel- oder Pulverform): Anders als frische Kiwis keine Wirkung auf Verdauung oder Beschwerden.
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Einschränkungen der Studienlage

Trotz der großen Datenbasis gibt es wichtige Einschränkungen:

  • Viele Empfehlungen basieren auf kleineren oder kürzeren Studien. Es fehlen große Langzeituntersuchungen mit einheitlichen Kriterien.
  • Die Bedingungen waren oft sehr unterschiedlich: Studien unterschieden sich bei Dosierung, Dauer und Zielgruppe. Das macht die Ergebnisse schwer vergleichbar.
  • Kaum Studien zu ganzen Ernährungsweisen: Es wurde hauptsächlich untersucht, wie einzelne Lebensmittel oder Mittel wirken – nicht, wie eine vollwertige Ernährung mit mehr Ballaststoffen langfristig hilft.
  • Placebo-Vergleich oft nicht möglich: Bei Lebensmitteln wie Brot oder Kiwi ist es schwierig, ein „Scheinprodukt“ zu testen. Dadurch könnten Erwartungen das Ergebnis beeinflussen.
  • Teilweise von Herstellern finanziert: Einige Studien wurden von Firmen bezahlt, die z. B. Probiotika verkaufen. Das kann die Aussagekraft beeinflussen.

Verstopfung – Kiwis, Flohsamenschalen und Magnesiumoxid können helfen

Viele bekannte Hausmittel gegen Verstopfung wirken nicht so, wie oft behauptet wird.
Frische Kiwis, Flohsamenschalen und Magnesiumoxid gehören zu den wenigen natürlichen Mitteln, bei denen eine klare Wirkung nachgewiesen wurde. Auch probiotische Bakterien wie Bifidobacterium lactis und mineralstoffreiches Wasser können helfen – aber nicht bei allen Beschwerden.

Wer unter chronischer Verstopfung leidet, kann mit Kiwis, Magnesiumoxid oder Flohsamenschalen eine gut verträgliche Möglichkeit ausprobieren – am besten über mehrere Wochen. Wichtig dabei: Nicht jedes Mittel wirkt bei jedem gleich. Entscheidend ist, was individuell hilft – und was nicht.

Quellen

  1. Eirini, Dimidi,. Alice, van, der, Schoot,. Kevin, Barrett et al. (2025). British Dietetic Association Guidelines for the Dietary Management of Chronic Constipation in Adults. Journal of Human Nutrition and Dietetics. ↩︎
  2. BDA. The BDA’s first evidence-based dietary guidelines for chronic constipation are now available. (aufgerufen am 28.01.2026) ↩︎

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