Gesundheitspartner
von FITBOOK

Nachgefragt

Das bedeutet das Kleingedruckte bei Zitrusfrüchten

Zitrusfrüchte reifen nicht nach – deshalb müssen sie nach der Ernte in Marokko, Griechenland und Co. mit verschiedenen Substanzen behandelt werden, damit sie lange hübsch aussehen und nicht schimmeln, wenn sie erstmal in unseren Supermärkten liegen. Aber was davon nimmt unser Körper da eigentlich alles auf, wenn wir uns einen frischen O-Saft pressen?

Es gibt Früchte, die mit der Zeit an Aroma hinzugewinnen und immer köstlicher werden (zum Beispiel Bananen) – und es gibt solche, die rasch an Qualität einbüßen und schrumpelig werden. Zitrusfrüchte ereilt dieses Schicksal: Kaum geerntet, sind sie schon dem Verfall preisgegeben.

Pestizide auf der Schale – und in der Frucht?

Zitronen, Orangen und Co. gehören zu den nicht nachreifenden Obstarten und müssen deshalb im optimalen Reifezustand geerntet werden. Danach gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder, sie landen als unbehandelte Zitrusfrüchte in unseren Bioläden (und schimmeln recht schnell). Oder sie werden mit pilzabtötenden Pestiziden (s. Erklärkasten) auf Durchhalten getrimmt – sprich: sie werden besprüht. Diese Fungizide verhindern, dass die Orange schimmelt, und verleihen ihr auf Wochen eine glänzende Schale. Der Nachteil: Das Zeug befindet sich nicht nur auf der Schale … es dringt (in verschwindend geringen Mengen) auch bis ins Fruchtinnere durch.

Auch interessant:  Diese Obst- und Gemüsesorten haben gerade Saison

Pestizide ist der Überbegriff für alle Pflanzenschutzmittel. Darunter fallen vier Gruppen: Herbizide (bekämpfen Unkräuter), Insektizide (bekämpfen Insekten), Molluskizide (bekämpfen Schnecken) sowie Fungizide (bekämpfen Pilze)

Tatsächlich muss man das Preisschild am Zitronennetz schon sehr genau studieren, um zu erfahren, welche Wirkstoffe zum Einsatz gekommen sind. Und es sind durchweg Zungenbrecher, was nicht gerade Lust darauf macht, sich näher damit zu befassen. „Imazalil“, „Orthophenyphenol“, „Thiabendazol“, „Pyrimethanil“ und „Propiconazol“… Das kann ja kein Mensch aussprechen! Stimmt. (Wie unsere ahnungslosen Redakteure daran gescheitert sind, sehen Sie übrigens im Video oben).

Auch interessant: Überrascht? Diese 8 Lebensmittel gehören nicht in den Kühlschrank

So viel „Gift“ wie nötig, so wenig wie möglich…

Jedes der genannten Fungizide ist von der EU (beziehungsweise der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, kurz EFSA) zugelassen. Aus Tierversuchen, die jeder Hersteller vorlegen muss, leitet die Behörde dann ab, wie viel der Substanz in der Frucht landen darf. Die Rede ist vom sogenannten Rückstandshöchstgehalt. Der Gesetzgeber verfährt dabei nach dem Motto: So viel Gift wie nötig, so wenig wie möglich. Ab welcher Dosis hat ein bestimmtes Fungizid den Leberstoffwechsel von Mäusen verändert? Oder das Nervensystem angegriffen?

Auch interessant: Trotz hohen Zuckergehalts – Darum ist Orangensaft doch nicht so schlecht

Davon werden für jeden Wirkstoff zwei toxische Grenzwerte abgeleitet: der ADI (Acceptable Daily Intake): die Dosis, die man nach aktuellem Kenntnisstand jeden Tag lebenslang problemlos aufnehmen kann; sowie der ARfD (Acute Reference Dose): die tägliche Menge, ab der es toxisch bedenklich wird. Beide Werte beziehen sich immer auf das Körpergewicht.

Über Rückstände im Fruchtfleisch laut BfR keine Vergiftung möglich

Eine 70-Kilo-Person schöpft die ADI-Dosis beispielsweise aus, wenn sie täglich 1,75 Milligramm des Fungizids Imazalil aufnimmt. Laut Bundesamt für Risikobewertung befinden sich in einem Kilogramm Zitrusfruchtfleisch etwa 0,02 Milligramm des Wirkstoffs. Das heißt für unser Beispiel: Die Person könnte problemlos pro Tag 87,5 Kilo Orangen- oder Zitronenfruchtfleisch essen. Der ARfD liegt sogar weit über 100 Kilo. Anders sieht es bei tauchbehandelten Zitrusfrüchten aus: Hier schöpft eine 70-Kilo-Person den ADI bereits mit 2,5 Kilo Fruchtfleisch aus. Allerdings werde diese Behandlungsmethode in der EU so gut wie nicht mehr eingesetzt, teilt das BfR auf FITBOOK-Anfrage mit.

Folgen Sie FITBOOK auf Pinterest

Kontamination über die Schale

„Über das reine Fruchtfleisch konventionell behandelter Zitrusfrüchte werden mit Sicherheit keine toxischen Dosen erreicht“, sagt Jürgen Thier-Kundke vom BfR. Aber wie sieht es mit Kontaminationen über die Schale der Früchte aus? Schließlich klebt dort der größte Teil der Fungizide: Würden wir die Schale konventionell angebauter Zitrusfrüchte verspeisen, hätten wir die toxisch bedenkliche Menge (also die ARfD)ruckzuck erreicht. Die Frage ist daher: Sind die Fungizide wasserlöslich? Und reicht es, sich nach dem Auspressen die Hände zu waschen?

Auch interessant: Unglaublich, was Zitronensäure alles kann!

Tipps zum Umgang mit behandelten Zitrusfrüchten

1. Behandelte Schalen auf keinen Fall verzehren.
2. Behandelte Früchte vor dem Auspressen unbedingt abwaschen, denn: Die Fungizide haben eine gute Wasserlöslichkeit.
3. Darauf achten, dass keine Schalenteile in den Saft gelangen.
4. Die Hände nach dem Umgang mit behandelten Früchten gut waschen.
5. Im Supermarkt herrscht Deklarationspflicht. Wenn Sie auf dem Markt einkaufen, fragen Sie den Händler, ob die Ware behandelt wurde.

Auch interessant: Enthalten Bio-Produkte mehr Nährstoffe?

Abgesehen davon haben Sie natürlich immer noch die Option, Zitrusfrüchte aus ökologischem Anbau zu kaufen. Dort dürfen alle genannten Substanzen nicht verwendet werden. Aber vergessen Sie nicht: Die Ware schimmelt schneller, kaufen Sie daher kleine Mengen ein. „Mal ehrlich – so eine Bio-Orange schmeckt doch auch viel besser“, sagt BfR-Mann Thier-Kundke.