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Weniger wirksam gegen Corona-Varianten

Sollten sich „Johnson & Johnson“-Geimpfte nachimpfen lassen? Studie hat es untersucht

Johnson & Johnson nachimpfen: Ein älterer Mann wird geimpft
Der Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson wird als einziger bislang nur einmal verimpftFoto: Getty Images

Eine Studie weckt Bedenken, dass der Impfstoff von Johnson & Johnson ausreichend gegen Corona-Varianten schützt. Sollte man jetzt nachimpfen?

Der Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson hat eine Besonderheit: Der Vektorimpfstoff muss nur einmal verimpft werden. Zudem ist er länger bei Kühlschranktemperatur haltbar als andere Impfstoffe. Das macht die Anwendung wesentlich einfacher. Die Schutzwirkung soll zwar nach einer Studie mit 44.000 Probanden lediglich bei 65 Prozent liegen, wie das Robert-Koch-Institut meldet. Dennoch werden schwere Verläufe effektiv bis zu 85 Prozent verhindert.¹ Bislang galt der Impfstoff auch gegen die Coronavirus-Mutanten als wirksam. Eine kürzlich veröffentlichte Labor-Studie weckt nun Zweifel, ob eine Impfung mit Johnson & Johnson ausreichend gegen die hochansteckende Delta-Variante schützt. Fachleute diskutieren, ob man nachimpfen sollte.

Muss man bei Impfung mit Johnson & Johnson nachimpfen?

Das ist noch nicht ganz klar. Der Vektorimpfstoff vor Johnson & Johnson wird in der EU, vor allem aber in den USA verwendet. Weder die US-Arzneimittelbehörde noch die dortige Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) empfehlen derzeit eine zweite Impfung mit J&J.² Die Labor-Studie, die Zweifel an der Wirksamkeit gegen die Delta-Variante weckt, ist relativ klein.

Der Virologe und Direktor des „National Institut of Allergy and Infectious Disease“ Anthony Fauci sagte kürzlich in einem Interview mit dem US-Sender „MSNBC“, dass die Laborproben einen niedrigeren Antikörperspiegel bei Einzeldosen mit Johnson & Johnson verglichen mit einer Doppel-Impfung zeigten.³ Dennoch müssten weitere klinische Daten folgen, um einzuschätzen, ob eine zweite Impfung mit Johnson & Johnson oder Booster erforderlich seien, um den Schutz vor Varianten oder vor nachlassender Immunität zu erhöhen.

Wie könnte eine zweite Impfung mit Johnson & Johnson aussehen?

Derzeit gibt zwei Möglichkeiten, wie man nach einer Impfung mit Johnsohn & Johnson nachimpfen kann:

  • Mit einer Auffrischung, also einer zweiten Dosis des gleichen Impfstoffs, kann man die Wirksamkeit erhöhen.
  • Das erreicht man auch mit einer sogenannten „Kreuzimpfung“. Nach einem ersten Piks mit dem Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson folgt später eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff. Generell fällt der Impfschutz bei einer solchen hereologen Impfung deutlich höher aus, wie eine britische Studie zeigt.⁴

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Was genau hat die Studie zur Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson & Johnson untersucht?

Nathaniel Landau und sein Forscherteam von der Grossman School of Medicine in New York (USA) haben Blutproben von geimpften Personen und solchen, die eine Coronainfektion hinter sich hatten, genauer unter die Lupe genommen. Dabei interessierte die Forscher, inwieweit die Blutseren auf die verschiedenen Varianten des Coronavirus einen Schutz ausbildeten. Darunter fanden sich auch die derzeit grassierenden Varianten Alpha, Beta und Delta.⁵

Landau und sein Team verglichen die Blutproben von 17 Probanden, denen entweder Moderna- oder der Pfizer-Impfstoff verimpft wurde mit Proben von zehn Probanden mit dem Impfstoff von Johnson & Johnson. Dieser zeigte sich laut der Studie gegenüber einigen der Corona-Varianten, darunter die Delta-Variante, weniger wirksam.

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Kritik an der Studie

Kritiker bemängeln, dass sich die relativ kleine Labor-Studie nur auf die Immunantwort der Blutseren konzentrierte. Andere Schutzfaktoren blieben unbeobachtet, wie zum Beispiel die Reaktion der T-Killerzellen des Immunsystems.

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Ob die Schutzwirkung von Johnson & Johnson generell niedriger bleibt, verglichen mit anderen Impfstoffen, muss sich noch zeigen. Die Schutzwirkung könnte womöglich im Laufe der Zeit ansteigen. Das deutet zumindest eine Studie des Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston (USA) an.⁶ Dort fiel die Schutzwirkung mit Johnson & Johnson nach acht Monaten deutlich höher aus als zu Beginn der Studie.

Die Studie von Nathaniel Landauer wurde auf bioRxiv veröffentlicht, einem Server für Preprints biologischer Studien. Noch ist die Studie nicht von Fachleuten gegengelesen und auf Validität geprüft worden. Sie wurde bislang auch noch nicht in einem größeren medizinischen Fachmagazin publiziert.

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