Bezahlt die Krankenkasse eine Barthaar-Epilation? Gericht fällt Urteil
Zu geschlechtsangleichenden Operationen zählt auch die Epilation von Barthaar. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse dafür die Kosten. Foto: Getty Images
6. September 2021, 21:21 Uhr |
Lesezeit: 2 Minuten
Damit die Krankenkasse die Kosten übernimmt, ist es bei vielen Behandlungen maßgeblich, dass Ärztinnen oder Ärzte sie durchführen. Und was ist, wenn sich einfach kein Mediziner dafür findet?
Intersexuelle Personen können sich die dauerhafte Entfernung der Barthaare per Elektro-Epilation von ihrer Krankenkasse erstattet lassen. Voraussetzung ist aber, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Behandlung durchführt. Lässt man sich indes von Kosmetikerinnen oder Elektrologisten die Barthaar-Epilation durchführen, besteht dieser Anspruch nicht. Das zeigt ein Urteil des Sozialgerichts Stuttgart (Az.: S 23 KR 4749/19), auf das der Deutsche Anwaltverein (DAV) hinweist.
Der Fall: Die intersexuelle Person, deren Identität nach eigener Auskunft zu 80 Prozent beim weiblichen und zu 20 Prozent beim männlichen Geschlecht liegt, wollte sich die Barthaare von einer Elektrologistin entfernen lassen – und beantragte die Kostenübernahme bei ihrer Krankenkasse. Sie habe keinen Vertragsarzt gefunden, der die Elektro-Epilation durchführen würde. Dennoch lehnte die Krankenkasse die Zahlung ab. Es ging vor Gericht.
Wann übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Barthaar-Epilation?
Das Sozialgericht gab der Kasse Recht. Es stellte klar, dass intersexuelle Personen die Entfernung der Barthaare zur Angleichung des Geschlechts nur als ärztliche Behandlung beanspruchen können. Der sogenannte „Arztvorbehalt“ stehe mit dem Grundgesetz im Einklang.
Auch daraus, dass die intersexuelle Person für die Barthaar-Epilation keine Ärztin und keinen Arzt finden und die Krankenkasse sowie die Kassenärztliche Vereinigung auch keinen leistungsbereiten Mediziner benennen könne, begründe sich kein Anspruch, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts zu dem Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist. Selbst ein „Systemversagen“ wegen einer sich hier aufdrängenden „faktischen Versorgungslücke“ lasse den Arztvorbehalt als zwingende berufliche Mindestqualifikation nicht entfallen.
Mit Material von dpa
Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen.
Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den
Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit
Tracking und Cookies entscheiden.
Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige
Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an
datenschutz@axelspringer.de.