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Nur etwa 10 Prozent

Warum sind so wenige Menschen Linkshänder?

Linkshänder
Forscher haben festgestellt, dass im Fall von Linkshändern die Sprachbereiche der linken und rechten Gehirnhälfte koordinierter miteinander kommunizieren
Foto: Getty Images

Die meisten Menschen haben eine dominante Hand, bekanntlich in den meisten Fällen die rechte. Aber woher kommt diese „Mehrheit“ und wovon hängt es überhaupt ab, ob man zum Rechts- oder doch zum Linkshänder wird? FITBOOK hat im Gespräch mit einem Experten Spannendes erfahren.

Woran erkennt man einen „echten“ Rechts- oder Linkshänder?

Um tatsächlich ermitteln zu können, ob jemand anatomisch Rechts- oder Linkshänder ist, müsste man eine Hirnuntersuchung vornehmen. Die Wissenschaft gehe davon aus, dass bei „echten“ Rechtshändern das Sprachzentrum in der linken Gehirnhälfte sitzt – und bei Linkshändern dementsprechend in der rechten Hemisphäre. Die Lokalisierung gestaltet sich allerdings etwas schwierig. Schuster: „Man müsste eine Gehirnhälfte betäuben. Wenn der Patient in diesem Experiment die Fähigkeit zu sprechen verliert, weiß man, dass auf der entsprechenden Seite das Sprachzentrum sitzt.“

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Klingt nach (zu) hartem Tobak und Schuster räumt ein, dass derartige Maßnahmen extrem selten ergriffen werden. Denn: „Wer würde sein Hirn betäuben lassen, nur um herauszufinden, ob er von Natur aus Rechts- oder Linkshänder ist?!“

Einfacher wäre es übrigens, aber auch nur in den allerersten Lebensjahren möglich, einem Kind einen Ball zuzuwerfen und abzuwarten, mit welcher Hand es danach greift. Solche instinktiven Bewegungen sollten Sie aber nicht überbewerten: Es könnte sein, dass beim nächsten Versuch die jeweils andere Hand zum Einsatz kommt. Man sagt nämlich, dass Kinder beide Gehirnhälften noch gleichmäßiger nutzen als Erwachsene. Diese Fähigkeit verliert sich mit den Jahren und in der Regel prägt sich eine dominante Seite aus.

Schulkinder

Dass Ihr Kind mit rechts schreibt, könnte einer Angewöhnung geschuldet sein
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Aktuelle Studie mit Linkshändern

Im Zusammenhang mit der Händigkeit haben Forscher der University of Oxford – die ebenfalls davon ausgehen, dass die deutliche Mehrheit Rechtshänder sind („etwa 90 Prozent der Menschen, und so ist es seit mindestens 10.000 Jahren) – in einer Untersuchung von 400.000 Probandendaten spannende Erkenntnisse gewonnen. Diese sind aktuell im Fachmagazin „Brain“ nachzulesen. „Wir stellten fest, dass im Fall von Linkshändern die Sprachbereiche der linken und rechten Gehirnhälfte koordinierter miteinander kommunizieren“, berichtet dazu Dr. Akira Wiberg. Das Ergebnis eröffne faszinierende Möglichkeiten für zukünftige Forschungen, wobei überprüft werden soll, ob Linkshänder sich besser ausdrücken können als Rechtshänder. Warum sollte das so sein?

Die Rolle der beiden Gehirnhälften

„Man sagt, dass die linke Hemisphäre die dominante und für verschiedene wichtige Funktionen von großer Bedeutung ist“, erklärt uns Dr. Schuster. Dort sollen Vernunft und der Sinn fürs Praktische sitzen. Die rechte Gehirnhälfte hingegen stehe für Kreativität, Gefühl und Intuition.

Dr. Schuster betont, dass es sich bei Linkshändigkeit und einer entsprechend dominanten rechten Gehirnhälfte NICHT um etwas Krankhaftes, sondern um einen sogenannten Situs inversus handelt. Bei einer solchen Besonderheit der Anatomie befinden sich einzelne Organe auf der spiegelverkehrten Seite des Körpers. Vergleichbar mit Personen, bei denen das Herz rechts schlägt.

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Fazit

Dass es deutlich mehr Rechts- als Linkshänder gibt, liegt zum Teil an der natürlichen menschlichen Veranlagung und des Weiteren an Gewöhnung. Deshalb sind Rechtshänder natürlich nicht besser als Linkshänder oder umgekehrt. Was Sie aber natürlich mal machen können: versuchsweise mit der jeweils anderen Hand schreiben oder schneiden. Das würde in die Kategorie bilaterale Hemisphärenstimulation (= Training für beide Gehirnhälften) fallen. Und dadurch soll man bekanntlich leistungsfähiger und fitter im Kopf werden.

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