5. Dezember 2025, 19:02 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Man wälzt sich in der Nacht hin und her, schläft ein und wacht wieder auf. Am Morgen oder spätestens am nächsten Abend fällt einem auf: Es ist Vollmond. Ist damit also die Erklärung für den schlechten Schlaf gefunden? FITBOOK-Redaktionsleiterin Melanie Hoffmann befindet sich zurzeit in der Weiterbildung zur Schlafcoachin und geht der Frage hier einmal auf den Grund.
Dass die Anziehungskraft des Mondes unseren Schlaf beeinflusst, ist bisher nicht wissenschaftlich belegt. Doch kann der Himmelskörper auf anderem Weg die Nachtruhe stören: mit seinem Licht. Am hellsten strahlt der Mond – insofern er nicht durch Wolken verdeckt ist – als Vollmond (oder sogar als Supermond). Wenn es hell ist, schlafen wir schlechter, so weit, so logisch. Aber reicht es dann einfach, die Rollläden oder Vorhänge zu schließen? Schauen wir uns doch einmal den Zusammenhang zwischen Licht, circadianem Rhythmus und gesundem Schlaf etwas genauer an.
Was ist ein Supermond?
Von einem Supermond spricht man, wenn sich Erde und Mond besonders nah sind, ein Phänomen, das den Vollmond größer als sonst erscheinen lässt.1
Licht zählt zu den externen Schlaf-Einflussfaktoren
Unsere innere Uhr steuert unseren Schlaf-Wach-Rhythmus. Beeinflusst – im positiven wie im negativen Sinne – wird er auch von äußeren Faktoren, zu denen neben Ruhe bzw. Lärm, förderlichen oder ungesunden Ess- und Trinkgewohnheiten, Bewegung bzw. Inaktivität sowie Entspannung bzw. Stress auch das Licht gehört.
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So stört Licht unseren Schlaf
Bestimmtes Licht am Abend sowie generell Licht in der Nacht kann den Schlaf stören. Vorteilhaft für die Bildung des Schlafhormons Melatonin ist es, ab Nachmittag, spätestens am Abend darauf zu achten, sich nur noch warmen Lichtfarben auszusetzen. Blaues Licht bzw. Tageslicht blockiert die Melatoninausschüttung, sorgt dagegen für die Produktion von Serotonin und hemmt den sogenannten Schlafdruck. Das heißt, der Körper ist hormonell noch in der Wachphase und nicht auf Schlafen eingestellt. Für das Einschlafen und Durchschlafen ist eine möglichst dunkle Schlafumgebung wichtig.
Damit erklärt sich eigentlich von selbst, warum ein Vollmond oder Supermond schlafstörend wirken können. Der abendliche und nächtliche (wolkenlose) Himmel ist schlicht heller. Wer z. B. abends – das macht sich besonders im Winter, wenn es früh dunkel ist, bemerkbar – noch draußen unterwegs ist, bekommt somit mehr Licht ab als sonst. Und wir wissen, dass es für die Schlafbereitschaft des Körpers wichtig ist, besonders abends nur wenig und nur warmem Licht ausgesetzt zu sein. In der Nacht kann das ins Zimmer scheinende Mondlicht das Einschlafen erschweren, im Falle von nächtlichem Aufwachen dafür sorgen, dass man länger wach im Bett liegt, und generell das Durchlaufen der Schlafphasen stören.
Studien
Auch die Schlafforschung hat sich in Studien mit dem möglichen Einfluss des Mondes auf den menschlichen Schlaf beschäftigt und spannende Hinweise geliefert.
Tage vor dem Vollmond könnten Schlafstörungen verursachen
So fand eine Untersuchung aus dem Jahr 2021 heraus, dass die Probanden drei bis fünf Tage vor dem Vollmond am „schlechtesten“ schliefen. Genauer: Sie schliefen später ein und schliefen insgesamt kürzer. Das Bemerkenswerte war, dass sich dies sowohl bei Studienteilnehmern aus dem Dschungel, die kaum bis gar kein elektrisches Licht nutzen, als auch bei den Personen aus modernen Städten zeigte. Außerdem war interessant, dass nicht die Phase des Vollmonds, sondern die Mondphase kurz vorher, den Schlaf am meisten störte. Die Vermutung der Forscher: Da an den Tagen vor dem Vollmond der Mond besonders früh „aufgeht“, ist der Störfaktor Mondlicht in dieser Zeit am größten.2
Ist es nicht nur das Mondlicht, das Einfluss hat?
Eine Studie von 2013 machte Schlagzeilen, weil sie zu dem Schluss kam, dass ihre unter kontrollierten Bedingungen in einem Schlaflabor getesteten Probanden unabhängig vom Einfluss des Mondlichts rund um die Phase des Vollmonds schlechter schliefen. Die Forscher hatten ihre Studie mit 33 gesunden Erwachsenen durchgeführt und sie unter immer gleichen Bedingungen schlafen lassen. Auch die Lichtverhältnisse wurden kontrolliert und blieben immer gleich. Damit lieferten sie Argumente dafür, dass der Mond womöglich auch über seine Lichteinwirkung hinaus den menschlichen Schlaf beeinflussen könnte. Zu den Schwächen der Untersuchung zählte neben der kleinen Probandengruppe jedoch auch, dass nicht ausgeschlossen werden konnte, dass den Teilnehmern bekannt war, in welcher Mondphase sie sich befanden, und dieses Wissen ihren Schlaf unbewusst beeinflusste.3
Oder ganz anders – der Mond beeinflusst unseren Schlaf gar nicht?
2015 wollten Wissenschaftler erneut der Frage nach dem Einfluss der Mondphasen, darunter des Vollmonds, auf den Schlaf auf den Grund gehen. Insgesamt machten sie über alle Mondphasen hinweg umfassende Schlafanalysen bei 2125 Erwachsenen. Dabei fanden sie heraus, dass sich sowohl die subjektive, bei den Probanden abgefragte, als auch die objektiv gemessene Schlafqualität nicht signifikant veränderte. Auch die objektive Schlafdauer blieb über alle Mondphasen stabil, d. h., sie unterschied sich zwischen Vollmond, Neumond sowie zunehmendem und abnehmendem Mond kaum – allerhöchstens um wenige Minuten, die auch durch natürliche, alltägliche Schwankungen erklärbar wären. Darüber hinaus blieben auch die Stadien (Tiefschlaf, REM-Schlaf) stabil. Selbst im EEG, das Schlafprofile genau messen kann, zeigten sich keine Effekte.4
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Darum brauchen wir Licht aber auch, um schlafen zu können
Licht kann stören, aber ohne Licht geht es auch nicht – und das nicht nur, damit wir morgens wach werden und tagsüber wach bleiben. Tatsächlich ist das Tageslicht auch wichtig, um abends überhaupt schlafen zu können. Klingt paradox? Ist es aber nicht. Der Grund liegt im Zusammenspiel der Hormone Serotonin und Melatonin, die für das Aufwachen und Einschlafen verantwortlich sind.
Die natürliche Lichteinwirkung am Morgen sorgt dafür, dass unser Körper Serotonin bildet. Dieses „Glückshormon“ macht uns wach und fit und sorgt für eine gute Stimmung. In der Dunkelheit wird aus Serotonin das „Schlafhormon“ Melatonin gebildet. Vereinfacht gesagt kann man also sagen: Ohne Tageslicht nicht genügend Serotonin und ohne Serotonin nicht genug Melatonin, welches wiederum im Dunkeln gebildet wird. Deshalb sollte man am besten in der ersten Tageshälfte genug Tageslicht sehen, dann auf warmes Licht umstellen und früh genug Licht reduzieren und für Dunkelheit sorgen.
Keine eindeutigen Belege
Von wissenschaftlicher Seite gibt es keine klare Antwort auf die Frage, ob der Vollmond oder die Tage davor unseren Schlaf beeinflussen. Es gibt Hinweise, die dafür sprechen, aber auch solche, die dem widersprechen.
Der Faktor Licht bzw. Mondlicht könnte aber eine Rolle spielen, einfach weil Licht generell für unseren Schlaf-Wach-Rhythmus wichtig ist. Wer also den Eindruck hat, um einen Vollmond herum schlechter zu schlafen, kann dem vielleicht entgegenwirken, indem er auf die Lichtverhältnisse zu Hause und besonders im Schlafzimmer achtet.