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Nicht nur am Valentinstag

Wie Küssen uns gesünder macht

Junges Paar küsst sich
Ein gesunder und vor allem der schönste Start in den Tag: der Guten-Morgen-Kuss
Foto: Getty Images

Küssen sich zwei Menschen, entsteht ein Feuerwerk im Kopf – und nicht selten werden auch die Beine weich. Dass Knutschen nicht nur Freude auslöst, sondern auch gut für die Gesundheit ist, liegt eigentlich auf der Hand. Was da zwischen Herz und Körper genau passiert, wird von der „Philematologie“, also der Wissenschaft des Küssens, erforscht. Klingt nach einem beneidenswert schönen Job. FITBOOK hat mit einem echten Kussforscher darüber gesprochen, was das Küssen sonst noch so alles mit uns anstellt.

Ein paar launige Fun Facts vorweg: Ein leidenschaftlicher Zungenkuss verbraucht bis zu 12 Kalorien pro Minute, wobei Dutzende Gesichtsmuskeln und hundert weitere Körpermuskeln zum Einsatz kommen; im Durchschnitt küsst jeder Mensch im Laufe seines Lebens 76 Tage lang, es gibt aber auch Kulturen, in denen gar nicht gebusselt wird. Der längste je dokumentierte Kuss dauerte laut dem Guiness-Buch der Rekorde 58 Stunden, 5 Minuten und 58 Sekunden. Wir haben beim Berliner Kussforscher und Buchautor Dr. Wolfgang Krüger nachgefragt: Wie wirkt sich Küssen auf die Gesundheit und unser Wohlbefinden aus?

Küssen ist der intimste Akt, den es gibt

„Es gibt keine intimere Begegnung zwischen zwei Menschen als ein leidenschaftlicher Kuss“, weiß Krüger. „Während wir beim Sex mit Kopf und Herz ganz woanders sein können, ist das bei einem echten Kuss fast unmöglich. Wir sind automatisch anwesend.“ Eine verliebte Knutscherei berührt uns also in tiefster Seele, schickt uns über eine „Gefühlsrutschbahn“ unmittelbar ins Hier und Jetzt und lässt uns auf sinnlicher Ebene miteinander kommunizieren. „Und weil das eben so ist, wirkt sich Küssen auch positiv auf die Gesundheit aus und das lässt sich teilweise körperlich messen.“

Küssen ist blutdruckregulierend und schmerzstillend

Beim Küssen beginnt das Herz unmittelbar schneller zu schlagen, der (systolische) Blutdruck steigt auf 150, die Gefäße weiten sich. Perfekt für die Herzgesundheit: „Denn tatsächlich wirkt Küssen auf Dauer regulierend – das heißt, bei Menschen mit zu hohem Blutdruck geht er langfristig runter und bei denjenigen, die zu niedrigem Blutdruck neigen, steigt er auf gesunde Weise.“ Ein weiterer Nebeneffekt: Küssen wirkt schmerzstillend. Das kommt durch die körpereigenen Opiate, die währenddessen im Hirn ausgeschüttet werden. So raten einige Experten dazu, es bei Kopf- oder Menstruationsschmerzen mit Knutschen zu versuchen. „Im Prinzip sorgt jeder zärtliche Körperkontakt dafür, dass unser Schmerzempfinden sinkt. Denn Nähe gibt uns immer das Gefühl, aufgehoben zu sein“, so Krüger. „Deshalb sind die Schmerzen immer nachts um drei am stärksten, weil wir uns dann besonders einsam fühlen.“

Wie Küssen das Immunsystem stärkt

80 Millionen Bakterien wandern beim Zungenkuss von einem Mund in den anderen und wieder zurück. Das fanden Niederländische Forscher 2014 heraus. Krüger erklärt dazu: „Man könnte meinen, das sei unhygienisch, weil man sich mit Krankheiten anstecken könnte. Aber das Gegenteil ist der Fall, küssende Paare haben eine ähnliche Bakterienzusammensetzung, sie stärken sich gegenseitig das Immunsystem.“ Jede wilde Knutscherei ist genau genommen eine Art Mini-Impfung, bei der sich die Abwehrkräfte quasi updaten. Das bringe einen weiteren äußerst hygienischen Nebenbonus mit sich: „Dadurch entsteht auch weniger Karies.“ Forschende der Universität Leeds setzten sogar noch einen drauf. Ihrer Erkenntnis nach wirkt besagter Impfschutz so weit, dass ein hingebungsvoller Vaterkuss an die werdende Mutter sich positiv auf das Immunsystem des noch ungeborenen Babys auswirkt.

Küssen bringt die Hormone zwischen den Geschlechtern ins Gleichgewicht

Wie es so schön heißt, stammen Männer und Frauen von verschiedenen Planeten. Oder auch: Die unterschiedlich ausgeprägten Hormonwerte – bei Männern das Testosteron, bei Frauen das Östrogen – tragen teilweise dazu bei, dass so manches Missverständnis überhaupt entsteht. „Während wir uns küssen, nähern wir uns in Sachen Hormone aneinander an. Der Testosteronanteil der Frau steigt, was sich in Leidenschaft und Verlangen ausdrückt“, erklärt Krüger. „In diesem Sinne trägt Küssen zum Frieden zwischen den Geschlechtern bei.“ Wenn sich Lippen und Zungen berühren, tunen wir uns gewissermaßen aufeinander ein. Ein Effekt, den übrigens auch homosexuelle Liebende zu spüren bekommen.

Natürlich kommen beim Küssen noch jede Menge anderer Hormone mit ins Spiel. Da wäre der Harmoniebotenstoff Serotonin, das berauschende Dopamin, das Kuschelhormon Oxytocin. Eine Mischung, bei der Traurigkeit oder Niedergeschlagenheit fast keine Chance haben.Küssen als Anti-Aging-Trick

Wie eingangs erwähnt, kommen beim Küssen jede Menge Gesichtsmuskeln zum Einsatz, genau genommen sind es 34 verschiedene. „Werden sie regelmäßig beansprucht, hat das natürlich einen Effekt auf die Faltenbildung. Ein Miesepeter-Gesicht müssen Vielküsser jedenfalls nicht fürchten.“

Einfach drauflos küssen? Ganz so einfach ist das nicht

Wenn Küssen uns also gesünder und glücklicher macht, das Herz stärkt und sogar das Zeug hat, einen (Mini-)Beitrag für den Weltfrieden zu leisten, warum verbringen wir nicht jede freie Minute damit? Weil es eben nicht ganz so einfach ist, betont der Kussforscher. „Ein wirklich intensiver und damit wirksamer Kuss lässt sich nicht vortäuschen und schon gar nicht erzwingen. Er kann nur zustande kommen, wenn die Energie zwischen zwei Menschen stimmt.“ Anders ausgedrückt: Es ist unmöglich, einen erfüllenden, verbindenden und damit „heilsamen“ Kuss zu befehlen. Denn ein Kuss ist nämlich weit mehr als das Berühren von Lippen. „Es ist ein Gespräch ohne Worte, eine Form der Kommunikation, die uns vollständig und lebendig macht und den Moment mitunter nie wieder vergessen lässt. Wir werden beim Küssen zu Komponisten unserer Sinne.“ Und genau deshalb ist Küssen so wertvoll, so einzigartig und damit der schönste Ausdruck unserer Persönlichkeit. Wäre dem nämlich nicht so, würde sich ein Kuss nicht so allumfassend positiv auf unsere Psyche und damit unsere Gesundheit auswirken.