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Menopause beeinflusst offenbar, was Frau an Männern attraktiv findet

Mann und Frau
Nach der Menopause kommt es gemäß einer aktuellen Studie bei Frauen zu einer Umgewichtung von Prioritäten – was die männliche Attraktivität betrifft Foto: Getty Images
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

8. Januar 2026, 13:57 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

122 polnische Frauen zwischen 19 und 70 Jahren wurden für eine Studie gebeten, unterschiedliche Fotos eines Mannes nach Attraktivität zu bewerten: Mal hatte er Bart oder nicht, mal war er muskulöser oder weniger muskelbepackt, mal waren die Gesichtszüge zart oder markant. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der hormonelle Zustand von Frauen die Bewertung beeinflusst.

V-Form vor der Menopause deutlich beliebter als danach

Was Frauen an Männern attraktiv finden, ist ein bislang kaum erforschtes, aber hochrelevantes Thema für die menschliche Verhaltensbiologie. Eine Untersuchung, veröffentlicht in der wissenschaftlich anerkannten Fachzeitschrift „Adaptive Human Behavior and Physiology“, zeigt etwa: Ein Rücken in V-Form bspw. war vor der Menopause deutlich beliebter als danach. Keinen Einfluss hatte der Menopausenstatus indes auf die Bart-Bewertung.1

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Eine Studie mit 122 Frauen

Für das Forschungsprojekt unter der Leitung von Maja Pietras von der Medizinischen Universität Breslau wurden 122 polnische Frauen im Alter von 19 bis 70 Jahren rekrutiert. 45 Frauen waren prämenopausal, 30 perimenopausal und 47 waren postmenopausal. Keine der Probandinnen war in hormoneller Behandlung oder schwanger. Die Studienatoren ließen die Probandinnen zwölf bearbeitete Fotos eines 22-jährigen Mannes bewerten, auf denen er mal Bart hatte, mal muskulöser war oder eine andere Gesichtsform hatte. Die Frauen sollten die Fotos auf einer Skala von 1 bis 10 in Bezug auf Attraktivität, Aggressivität und soziale Dominanz bewerten. Bei ihrer anschließenden Auswertung haben die Forschenden nicht einfach nur Durchschnittswerte verglichen, sondern systematisch geprüft, welcher Faktor bei der Bewertung des Mannes wirklich einen Unterschied macht: Eher das Alter der Frau oder ihr Menopausenstatus?

Prämenopausal (fruchtbar)
Perimenopausal (Übergangszeit mit Hormonveränderungen)
Postmenopausal (nach dem Ende der Fruchtbarkeit)

Weibliche Vorlieben für männliche Merkmale sind offenbar nicht konstant

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass weibliche Vorlieben für männliche Merkmale nicht konstant sind: Sie ändern sich mit dem Alter und hormonellen Veränderungen, insbesondere rund um die Menopause. Ältere Frauen, primär postmenopausale, gewichten andere Aspekte als jüngere Frauen.

Bart und Gesichtsform

Je älter die Frauen waren, desto attraktiver fanden sie Männer mit mittlerem oder vollem Bart. Hier war wirklich das Alter entscheidend – also z. B. kulturelle Assoziationen mit Reife oder Erfahrungen. Der Menopausenstatus spielte keine Rolle.

Ältere Frauen fanden feminisierte Gesichter, also weichere Züge, insgesamt etwas attraktiver (der Effekt war aber schwach). Deutlich stärker war dieser Effekt: Postmenopausale Frauen hielten zarte Gesichtszüge für weniger attraktiv. Der Menopausenstatus hatte hier also einen deutlich gegenteiligen Effekt.

Eine 48-jährige Frau kann prämenopausal sein, während eine 45-jährige bereits postmenopausal ist. Alter und Menopausenstatus verlaufen zwar ähnlich, aber nicht synchron – es gibt Überschneidungen. Die Studie hat genau das untersucht: Was beeinflusst die Bewertung von Männern stärker – das biologische Alter oder der hormonelle Zustand (Menopause)?

V-Form und Muskelmasse

Postmenopausale Frauen bewerteten die V-Form des Rückens bzw. Oberkörpers (breite Schultern, schmale Hüfte), ein klassisches Wunschziel vieler Männer, als weniger attraktiv. Die Zahl der Lebensjahre hatte keinen Einfluss.

Ältere Frauen fanden Männer mit weniger Muskeln attraktiver. Der Menopausenstatus hatte keinen Effekt auf die Bewertung von Muskulatur-Attraktivität.

Bei jüngeren, fruchtbaren Frauen steht offenbar die biologische Fitness im Vordergrund: Sie bevorzugten in der Studie relativ gesehen maskuline Merkmale wie die V-Form, Bart und starke Muskulatur, die Gesundheit und gute Gene signalisieren.

Einschätzung von Dominanz und Aggression

Nur postmenopausale Frauen bewerteten Männer mit mittlerer Muskulatur als aggressiver – hier spielte wiederum das Alter keine Rolle. Weder Alter noch Menopausenstatus hatten einen Einfluss auf die Einschätzung von Dominanz. Alter und Menopausenstatus hatten zwar Einfluss auf das, was Frauen körperlich attraktiv finden – hatten aber keinen Einfluss auf die Wahrnehmung männlicher sozialer Dominanz.

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Studie stützt „Großmutter-Hypothese“

Die in der Studie aufgezeigten Zusammenhänge spiegeln sich in Theorien wie dem „Großmuttereffekt“ wider, weil sie zeigen, dass sich weibliche Präferenzen nach dem Ende der eigenen Fruchtbarkeit systematisch von Fortpflanzungszielen wegverschieben – genau so, wie es die „Großmutter-Hypothese“ vorhersagt.

Demnach erhöht sich die Überlebenswahrscheinlichkeit von Neugeborenen, wenn ältere Frauen, die – lange vor dem Ende ihres Lebens – die Menopause durchlaufen und ihre Reproduktionsfähigkeit verloren haben, bei der Versorgung helfen. Forscher der Universität Bern zeigten 2019, dass der Fortpflanzungserfolg höher war, solange Großmütter lebten. Außerdem nahm der Einfluss der Großmutter mit zunehmender geografischer Distanz zwischen Großmutter und Tochter ab: Je weiter weg die Großmutter, desto weniger Enkelkinder. Die entsprechende Studie wurde damals im Fachmagazin „Current Biology“ publiziert: 2

Einschränkungen und Fazit

Die Studie hat nicht unerhebliche Einschränkungen: Die Frauen wurden per „Schneeballprinzip“ über soziale Medien rekrutiert. Das kann zu einer verzerrten Teilnehmerstruktur führen. Es wurde nur ein junger Mann (22 Jahre) mit verschiedenen Bearbeitungen bewertet. Dies könnte die Ergebnisse verzerren, da Alter und Erscheinung nicht für alle Altersgruppen der Frauen gleich relevant sind. Die Bildmanipulation, auf Basis derer die Frauen Attraktivität bewerten sollten, kann künstlich wirken und damit die Wahrnehmung beeinflussen. Zudem wurde nicht erfasst, ob die Frauen einen Mann für eine Kurz- oder Langzeitbeziehung bewerten sollten. Auch das kann die Einschätzung von Attraktivität stark beeinflussen.

Insgesamt bietet die Untersuchung spannende Erkenntnisse darüber, wie Alter und hormonelle Veränderungen unsere unbewusste Wahrnehmung von Attraktivität prägen – mit Implikationen für Evolutionsbiologie, Partnerschaftsverhalten und soziale Dynamik.

Quellen

  1. Pietras M., Starzynska A., Pawelec L. (2025): The Perception of Women of Different Ages of Men’s Physical attractiveness, Aggression and Social Dominance Based on Male Secondary Sexual Characteristics. Adaptive Human Behaviour and Physiology. ↩︎
  2. Engelhardt S., Bergeron P., Gagnon A. et al. (2019): Using Geographic Distance as a Potential Proxy for Help in the Assessment of the Grandmother Hypothesis. Current Biology. ↩︎

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