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Kein Stirnrunzeln, keine Sorgen?

Der überraschende Nebeneffekt von Botox auf die mentale Gesundheit

Frau bei einer Botox-Behandlung
Was hat eine Botox-Behandlung mit Emotionen zu tun? Offenbar eine ganze Menge, wie eine Studie nun herausfand.Foto: Getty Images

Botox wirkt nicht nur gegen Falten, sondern lindert auch Migräne und andere Leiden. Jetzt entdeckten US-Forscher eine weitere erfreuliche Nebenwirkung: So soll Botox sich positiv auf die mentale Gesundheit auswirken, indem es Angstzustände mindert. Kommt das Nervengift bald in der Psychotherapie zum Einsatz?

Wer sich zu einem Lächeln zwingt, fühlt sich kurz darauf besser, heißt es. Hat jemand, der sich Sorgenfalten mit Botox glätten lässt, demnach auch weniger Sorgen? Der Vergleich ist gar nicht so weit hergeholt, denn die beliebte Beauty-Anwendung kann weit mehr als ein paar Jahre aus dem Gesicht zu zaubern. Weil Botulinumtoxin die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel hemmt, kommt es bereits erfolgreich bei Migräne, übermäßigem Schwitzen, Muskelkrämpfen oder auch Inkontinenz zum Einsatz. Eine neue Studie University of California San Diego entdeckte jetzt, dass Botox womöglich obendrein der mentalen Gesundheit zugutekommt.

Ist Botox ein Angstlöser?

Das Forscherteam analysierte eine Datenbank der „Food and Drug Administration“ mit fast 40.000 Patienten und fand heraus, dass Angstzustände bei Menschen, die sich mit Botox haben behandeln lassen, um 20 bis 70 Prozent seltener auftreten als bei der Botox-freien Kontrollgruppe. Dabei war es unerheblich, ob die Injektion aus kosmetischen oder therapeutischen Gründen erfolgte.1 Der aktuellen Studie geht zudem weitere Untersuchung mit überraschendem Ergebnis voraus. So entdeckte das gleiche Forscherteam ein Jahr zuvor, dass mit Botox behandelte Menschen signifikant seltener über Depressionen berichteten.2 Diesen Effekt allein mit einem geboosterten Selbstbewusstsein zu erklären, wäre wohl zu einfach.

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Wie Botox sich womöglich auf die mentale Gesundheit auswirkt

Indem Botox gezielt Muskeln lähmt, wirkt nicht nur die Haut darüber glatter und praller, es hat offenbar auch einen Effekt auf die Emotionen. „Botulinumtoxine könnten in die Regionen des Zentralnervensystems transportiert werden, die an Stimmung und Emotionen beteiligt sind. Alternativ können die von Botox betroffenen neuromuskulären Verbindungen direkt mit dem Gehirn kommunizieren“, heißt es in der Medienmitteilung der Universität.3

Wie eine Botox-Behandlung funktioniert und welche Risiken es gibt, lesen Sie bei unseren Kolleginnen von STYLEBOOK,

Was man nicht sehen kann, kann man auch nicht fühlen

Der Gesichtschirurg Dr. Michael Reilly drückt den vermuteten Mechanismus in einem Interview mit der „NBC Washington“ so aus: „Wenn Sie nicht die Stirn runzeln oder die Gefühle von Besorgnis, Angst oder Panik zeigen können, hat das wahrscheinlich eine beruhigende Wirkung auf die Nervenbahnen, die es Ihnen dann ermöglichen, diese Emotion tatsächlich nicht mehr so ​​​​stark zu fühlen.“ Kurz: Der Gesichtsausdruck und das emotionale Erleben sind tatsächlich eng miteinander verbunden. Allerdings lasse der positive Effekt auf die mentale Gesundheit vermutlich nach, sobald die Wirkung des Botox nachlässt – also etwa nach drei Monaten.

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Was die Erkenntnis für die Behandlung von Depressionen und Angstzuständen bedeutet

Da es sich bei der Studie um eine Beobachtungsstudie handelt und die Daten auf Selbstauskünften basieren, lässt sich daraus noch keine allgemeine Aussage ableiten. Dennoch sollte laut den beteiligten Wissenschaftlern unbedingt weiter daran geforscht werden, wie und ob sich Botox zur gezielten Behandlung von Angststörungen einsetzen ließe. Immerhin gehören Angst- und Panikattacken zu den meistverbreiteten psychiatrischen Störungen. Die gängigen Behandlungen sind nicht immer wirksam. Deshalb müsse im nächsten Schritt der genaue Mechanismus zwischen Botox und seiner angstlösenden Wirkung bestimmt werden, heißt es abschließend. Dafür seinen nun klinische Studien in Planung.

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