Bild.de Hier geht es zurück zu Bild.de
Gesundheitspartner
von FITBOOK

Zur Mundhygiene

Sollte man einen Zungenschaber verwenden?

Zungenschaber
Was es wirklich bringt, die Zunge mit einem Schaber abzureiben? FITBOOK erklärt‘s.Foto: iStock

Mehr als die Hälfte der (vielen) Bakterien im Mundraum befinden sich auf der Zunge. Deshalb empfehlen einige Zahnärzte ihren Patienten, diese gründlich zu reinigen. Beispielsweise per Zungenschaber. FITBOOK hat herausgefunden, was eine gründliche Zungenhygiene wirklich bringt – und was nicht.

Die raue Oberfläche der Zunge bietet Bakterien einen optimalen Nährboden. Kein Wunder, dass ein Großteil der Millionen Mikroorganismen, die sich im menschlichen Mundraum befinden, auf und zwischen den kleinen Erhebungen des Zungenrückens leben. Manche von ihnen produzieren geruchsabsondernde Schwefelverbindungen, weshalb eine mögliche Ursache für Mundgeruch buchstäblich auf der Zunge liegen kann. Menschen mit einer entsprechenden Neigung tun also gut daran, neben der Zahn- auch auf die Zungenpflege zu achten.

Wie verwendet man einen Zungenschaber?

Am besten halten Sie die Zungenspitze mit der anderen Hand zwischen Daumen und Zeigefinger fest. Gegen Wegrutschen können Sie sich mit einem trockenen Taschentuch helfen.

Alternativ zum Zungenschaber kann man natürlich auch die Borsten einer sehr weichen Zahnbürste verwenden oder, noch besser, die Gummi-Rippen auf der Rückseite, mit denen einige Zahnbürsten extra für diesen Zweck überzogen sind.

Auch den Zungenschaber selbst reinigen

Ebenso wie die Zahnbürste muss natürlich auch der Zungenschaber gereinigt werden. Das Gerät dafür gründlich mit Wasser ausspülen und danach, am besten im Zahnputzglas, an der Luft trocknen lassen. In einen Schrank gestellt, würden sich Keime einfacher vermehren können. Spätestens nach zwei Monaten sollten Sie den Schaber durch einen neuen ersetzen.

Auch interessant: Warum man die Zahnbürste nur abspülen sollte

Zungenreinigung gegen Parodontitis?

Bekanntlich beeinflussen Bakterien im Mundraum – neben dem Atem – auch die Zahn- und Zahnfleischgesundheit. So können sie zu Parodontitis (Zahnbettentzündung) führen und auch im Rahmen der Behandlung immer wieder zu einer „Rekolonisierung“ von parodontitischen Zahnfleischtaschen führen. Auch hier könnte eine regelmäßige Zahnreinigung sinnvoll sein, dürfte man meinen. Ist es aber wohl nicht.

Die Fachautoren von „Zm online“ (News-Portal der Bundeszahnärztekammer und Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Zahnärztekammern) haben sich eine belgische Studie vorgenommen, in der etwaige Verbesserungen von Parodontitis durch Zungenreinigung untersucht wurden. Darin hatten die Wissenschaftler 22 Probanden über einen Zeitraum von zwei Wochen täglich nach spezieller Anweisung ihre Zungenschleimhaut reinigen lassen – die Hälfte von ihnen mit einem Zungenschaber, die andere mit einer Zahnbürste. Alle Studienteilnehmer waren grundsätzlich gesund, litten jedoch an mittelschwerer bis schwerer Parodontitis und Zungenbelag. Dagegen hatten sie bislang keine Maßnahmen ergriffen.

Auch interessant: Elektrische oder Handzahnbürste – welche ist besser?

Das Ergebnis: Bei einer ganzen Reihe von Probanden beider Gruppen hatte das Reinigen der Zunge eine sichtbare Verringerung der Zungenschicht bewirkt. Davon unberührt blieb jedoch die Bakterienlast im Mundraum – sowohl auf dem Zungenrücken als auch im Speichel. Die Zunge bleibe also weiterhin ein „Reservoir für Parodontopathogene“, auch wenn sie mechanisch gesäubert würde, so das Fazit.

Zugegeben, die Probandengruppe war verhältnismäßig klein. Dennoch folgern die „Zm online“-Autoren, dass bei der Parodontose-Prophylaxe und -Behandlung begleitende Maßnahmen noch wichtiger sind als das Reinigen der Zunge. Dazu gehört zweimal täglich Zähne putzen sowie Zahnseide verwenden, die richtige Putztechnik und regelmäßiges Kaugummikauen, um Bakterien und Säuren aus dem Mund zu spülen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zusammengefasst kann eine vorsichtige, tägliche Abreibung vor Mundgeruch schützen und zudem ein intensiveres Geschmacksempfinden bescheren, welches unter muffigen Belägen leidet. Übertreiben sollte man es aber trotzdem nicht. Wer zu grob bzw. zu oft auf die Zunge losgeht, zerstört im Zweifelsfall mehr, als dass er etwas verbessert.