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Urologe erklärt

Wie oft am Tag sollte man urinieren „müssen“?

Wie oft urinieren ist gesund?
Wie oft man/frau urinieren muss, ist manchmal auch Gewöhnungssache. FITBOOK erklärt, wie viele Toilettengänge täglich „ideal“ wären.Foto: Getty Images

Manche müssen auffällig selten, die anderen rennen ständig aufs WC – Blasenkapazitäten sind also gewissermaßen etwas Individuelles. Es gibt aber auch ärztliche Empfehlungen für die ideale Häufigkeit an Toilettengängen. Und so viel vorab: Zu selten sollten sie nicht sein.

Eine gesunde Blase kann zwischen 0,3 und 0,5 Litern Flüssigkeit halten. Bei ausreichender Trinkmenge dürfte das durchschnittlich acht Toilettengängen am Tag entsprechen, und noch einem im Laufe der Nacht. Die tägliche Ausscheidungsmenge über den Urin beträgt dabei etwa eineinhalb Liter.

Wenn man mal mehr getrunken hat, kann es natürlich vorkommen, dass man besonders häufig Wasser lassen muss. Zudem gibt es Getränke, die harntreibend wirken – bspw. Koffeinhaltiges, Alkoholisches oder süße Limonaden. Wer viel Kaffee, Cola oder auch Bier getrunken hat, muss in der Regel öfter austreten.

Was bringt Urinieren überhaupt?

Der Urin wird in den Nieren gebildet und besteht zu rund 95 Prozent aus Wasser, den Rest bilden (Abfall-)Stoffe, verschiedene Säuren und Elektrolyte. Man kann also sagen: Häufiges Wasserlassen ist besser als zu seltenes, schließlich dient es der Entgiftung.

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Anstatt die Toilettengänge zu zählen, kann auch ein Blick auf das Stoffwechselprodukt Hinweise darauf geben, ob man (ausreichend getrunken und) häufig genug Wasser gelassen hat oder nicht. Eine auffällig dunkle Farbe begleitend mit Geruch spricht für einen konzentrierten Urin. Das ist morgens nichts Ungewöhnliches, da man vorher viele Stunden lang gelegen hat. Im Laufe des Tages hingegen kann eine dunkle Färbung dafür sprechen, dass Sie zu wenig getrunken und den Blaseninhalt quasi nicht genügend verdünnt haben.

Im Alter muss man in der Regel öfter

Auch das Alter kann das Blasenverhalten beeinflussen. Bei einigen Männern (z.B. weil die Prostata an Größe zunimmt) und Frauen führt eine veränderte Struktur der Blasenmuskulatur öfter zu Harndrang. Hinzu kommt die Angst davor, nicht einhalten zu können – das betrifft vor allem Frauen, die Kinder bekommen und kein Training zur Stabilisierung der Beckenbodenmuskulatur absolviert haben. Deshalb geht man eher besonders rechtzeitig auf die Toilette.

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Harndrang manchmal psychisch bedingt

Ein ständiger Harndrang kann auch psychisch bedingt sein. Je öfter Betroffene denken, dass sie müssen, desto öfter müssen sie auch. Der anfängliche Tick gewöhnt die Blase irgendwann daran, häufig entleert zu werden. Folglich gibt sie entsprechend früher das Signal, voll zu sein. Experten gehen davon aus, dass Blasentraining einen positiven Einfluss auf die Drangsymptomatik haben kann, sprich dass sich die Blase zurückkonditionieren lässt.

In manchen Fällen wiederum ist weniger die psychosomatische als die rein körperliche Komponente schuld am häufigen Harndrang, beispielsweise eine Beckenbodendysfunktion. Diese lässt sich in der Regel physiotherapeutisch lindern.

Unnatürliche Veränderungen der Blasenfunktion

„Eine gesunde Blase ist frei von bakteriellen Infektionen oder Tumoren, sie speichert den Urin beschwerdefrei bei niedrigem Druck und signalisiert zeitweise Fülle.“ So ist es in einer viel zitierten Arbeit verschiedener US-amerikanischer Wissenschaftler (u.a. der Universität von Kalifornien) definiert, die sich über die Fachliteratur-Datenbank PubMed Central aufrufen lässt.

Es gibt verschiedene Wirkstoffe aus Medikamenten, die eine gesunde Blasenfunktion beeinträchtigen können. Ebenso haben bestimmte Erkrankungen (z.B. der Nieren und Harnwege) Einfluss auf Menge und andere Eigenschaften des Urins. Wenn Sie täglich nur etwa einen halben Liter Wasser oder aber deutlich mehr als zwei Liter lassen, wenden Sie sich bitte an Ihren Hausarzt oder einen spezialisierten Mediziner für Innere Medizin, Urologie oder Nephrologie – und spätestens dann, wenn Sie Blut im Urin feststellen.

Fachliche Beratung durch Dr. med. Christoph Pies, Facharzt für Urologie.