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Muskeln, Knochen, Immunsystem…

Wie altert der menschliche Körper? Ein Arzt erklärt es

Wie altert der Körper: Frau mit altem und jungen Gesicht
Das Altern lässt sich nicht aufhalten, doch was genau passiert in dem Prozess?Foto: Getty Images

Im Alter werden die Haare grau, man hört schlechter und kommt schwerer die Treppen hoch. Aber warum eigentlich? FITBOOK hat sich von einem Arzt erklären lassen, wie und wann die einzelnen Körperpartien und Organe anfangen, sich zu verändern – und wie man diesen natürlichen Prozess (etwas) verlangsamen kann.

Es ist sind die viel beschriebenen untrüglichen Zeichen der Zeit: Wenn sich auf der Haut Falten bilden, Erinnerungsvermögen und Muskelkraft nachlassen und sich eine allgemeine Gebrechlichkeit einstellt. Dass der Körper altert, erleben wir an uns und anderen jeden Tag. Dr. med. Matthias Riedl, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin, hat im Gespräch mit FITBOOK genauer erklärt, wie sich dieser Prozess beim Menschen zeigt.

Haut

Man merkt es bereits ab etwa 30: Die Haut ist nicht mehr so elastisch und fest, wie sie es etwa in den Zwanzigern war. Mit der Zeit kommen sichtbare Hautveränderungen hinzu – kleine Fältchen, die sich irgendwann als richtige Falten zeigen, und bald auch Pigmentveränderungen („Altersflecken“). Der Prozess schreitet weiter voran, kann jedoch zu einem gewissen Teil im Zaum gehalten werden: wenn man sich vor äußeren Einflüssen schützt, die die Zellerneuerung weiterhin negativ beeinflussen. Das sind etwa freie Radikale aus UV-Strahlen, Smog und Zigarettenrauch.

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Haare

Mit zunehmendem Alter verändert sich auch die Haarstruktur. Das ist unter anderem hormonbedingt: Vor allem bei Frauen wird durch den Rückgang der Östrogenausschüttung das Haupthaar dünner – dafür kann es aber sein, dass an neuen Stellen (ungewünschte) Härchen auftauchen, beispielsweise im Gesicht. Beim Mann wird durch den Einfluss des Hormons Dihydrotestosteron das Haar auf dem Kopf, aber auch auf Brust und Rücken tendenziell lichter. Dass Haare grau werden, liegt am Rückgang der Melaninproduktion, was durchschnittlich ab Ende 30 ein Thema wird. Melanin ist als Farbstoff für die persönliche Haarfarbe verantwortlich.

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Muskeln

Ab etwa 30 setzt die sogenannte Sarkopenie ein. Das bedeutet, dass die Muskelmasse des gesamten Körpers sich langsam zurückbildet. Der Prozess beschleunigt sich ab 50 und ein weiteres deutliches Mal ab 70. Ab jetzt hätte es schwere Folgen, sich über mehrere Tage und Wochen nicht zu bewegen, etwa aufgrund einer krankheitsbedingten Bettruhe. Umso wichtiger wird (Ärzten zufolge spätestens ab 40) regelmäßiges gezieltes Muskelaufbautraining. Man sollte aber wissen: Durch den natürlichen Atrophieprozess reagiert der Energiestoffwechsel innerhalb der Muskeln weniger schnell auf Reize.

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Knochen

Mit zunehmendem Alter lassen Festigkeit und Dichte der Knochen immer mehr nach, das macht sie verletzungsanfälliger. Mediziner beziehen sich bei altersbedingten Veränderungen des Bewegungsapparats aber auch auf Bänder, Sehnen, Knorpel und Gelenke. Hierfür sind u. a. Hormonveränderungen und die lebenslange Abnutzung verantwortlich. Zudem wird das Kollagenvorkommen als Gerüsteiweiß des Körpers dünner. Regelmäßige Bewegung, eine eventuelle Vitamin-D-Substitution und eine ausgewogene, eiweißreiche Ernährung sind essenziell, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

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Herz-Kreislauf-System

Dass ab etwa 30 die Gefäßelastizität nachlässt, betrifft auch die Herzmuskelkraft. Dieser Prozess – er beginnt streng genommen schon direkt nach der Geburt – schreitet immer weiter voran. Auch der natürliche Muskelrückgang betrifft das Herz, das schließlich selbst zum Großteil aus Muskeln besteht. Hier lagert sich im Alter mehr Fett ein. Die Lungenbronchien verlieren an Elastizität und können in der Folge schlechter Gase austauschen, sprich Sauerstoff aufnehmen. Das alles macht den Körper dauerhaft weniger belastbar und anfälliger für Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

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Gehirn

Mit dem Alter nimmt die Hirnmasse ab und es kommt zu Veränderungen der Nervenzellen. Das macht uns vergesslicher, wir können neue Informationen nur langsamer verarbeiten und generell lassen unsere kognitiven Fähigkeiten nach. Aber nicht nur das Alter, auch die Lebensführung kann die Verfassung der Nervenzellen und Hirnfunktion beeinflussen. Allem voran Rauchen, Alkohol, ein Mangel an Bewegung und sozialen Kontakten sollen hier negative Auswirkungen haben.

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Wie der Körper altert im Video

Immunsystem

Dass die Stoffwechselprozesse im Körper sich verlangsamen, schlägt sich unter anderem auch auf die Schleimhäute nieder, die eigentlich die Aufgabe haben, Erreger abzuwehren. Ebenso verlaufen Wundheilungsprozesse langsamer und die (Immun-)Zellen werden mit den Jahren schwächer, kurzum: Das gesamte Immunsystem wird mit fortschreitendem Alter weniger aktiv.

Sinnesorgane

Sehschärfe und Lichtempfindlichkeit nehmen ab, ebenso fällt dem Auge die Anpassung an Helligkeit oder Dunkelheit schwerer. Auch das Hören funktioniert nicht mehr so gut: Vor allem hohe Töne werden schlechter wahrgenommen. Schwerhörigkeit wird in der Regel aber erst ab dem 65. Lebensjahr zum Problem. Selbst der Geschmackssinn baut ab, weil mit der Zeit die Rezeptoren der Geschmacksknospen nicht mehr so gut funktionieren. Interessant: Süßes wird am längsten intensiv wahrgenommen. Wenn die Riechfähigkeit nachlässt, hat dies meist krankhafte Ursachen und ist nicht auf den natürlichen Alterungsprozess zurückzuführen.

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Entzündungen vorbeugen und das Altern bremsen

Man kann den Prozess nicht aufhalten, aber die Geschwindigkeit und wie der Körper altert, lässt sich beeinflussen. Laut Dr. Riedl beschleunigen „stille Entzündungen“ die Alterungsprozesse. Wenn man weiß, wovon Entzündungen ausgelöst bzw. begünstigt oder verringert werden, kann man ihnen entgegenwirken. Zudem besteht eine Vielzahl an Wechselwirkungen bei den Faktoren. Bewegung und Sport beispielsweise tragen dazu bei, die Muskelkraft zu erhalten. Diese wiederum ermöglicht es, lange aktiver Teil der Gesellschaft zu bleiben, was wiederum zuträglich ist für das geistige Wohlbefinden. Es kommt also nicht nur darauf an, dass der Körper altert, sondern entscheidend auch darauf, wie er es tut.