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Neue Forschungsergebnisse

Was eine Maserninfektion mit dem Immunsystem macht

Illustration des Masernvirus
Illustration des Masernvirus. Beim Immunsystem kann es die Erinnerung an andere Erreger „ausradieren“.
Foto: Getty Images

Eine Maserninfektion schwächt das Immunsystem gegenüber anderen Erregern. Zwei neue Studien zeigen, was genau nach der Erkrankung im Körper passiert – und belegen, wie wichtig es ist, konsequent zu impfen.

Alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit: Nach einer Masernerkrankung ist die Immunabwehr des Körpers über Monate, in manchen Fällen gar für Jahre, geschwächt. So konnten frühere Studien bei betroffenen Kinder ein erhöhtes Risiko für Gehirn- oder Lungenentzündung sowie weitere Infektionskrankheiten nachweisen. Doch was genau das Masernvirus im Körper anstellt, damit dessen Abwehr leidet, war bislang nicht ganz klar.

Aufgedeckt haben den Mechanismus nun zwei Forschergruppen der Harvard Medical School in Boston und des Wellcome Sanger Institute in Cambridge: Unabhängig voneinander fanden sie heraus, dass das Masernvirus das Immunsystem nachhaltig beeinflusst, indem es zahlreiche verschiedene Antikörper (Gedächtniszellen) der Immunabwehr löscht. Dadurch werden Erreger, die dem Immunsystem bereits bekannt waren, nicht mehr erkannt – was wiederum den Schutz früherer Impfungen hinfällig macht bzw. aufhebt. Die Studienergebnisse wurden in der amerikanischen Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

Das haben die Forschergruppen untersucht

Die Wissenschaftler arbeiteten jeweils mit Blutproben von 77 ungeimpften Schulkindern aus den Niederlanden vor und nach einer Masernerkrankung. Das Cambridge-Team um die Immunologin Velislava Petrova bestimmte B-Lymphozyten (kurz B-Zellen genannt); sie produzieren große Mengen an Antikörpern, die sich gegen Erreger wehren. Das Harvard-Team in Boston untersuchte mit einem 2015 entwickelten Massentest („VirScan“), welchen und wie vielen Bakterien die Kinder vor und nach der Maserninfektion ausgesetzt waren.

Immunsystem hat nach Infektion Lücken

Im Ergebnis stellten beide Teams fest, dass das Immunsystem nach der Infektion Lücken hatte: Im Blut der Kinder fehlte ein beträchtlicher Teil an Abwehrkörpern, bedeutet: Ihr Immunsystem hatte durch das Masernvirus einen Teil seiner Erinnerung an verschiedene „Feinde“ (Bakterien und Viren) verloren, die es vorher noch gekannt hatte – und die erst wieder neu aufgebaut werden müssen.

Die Impfung schützt

„Damit sehen wir zum ersten Mal, dass die Masern das Immunsystem zurücksetzen – quasi auf das Stadium eines Säuglings“, betont Co-Autor Colin Russell von der Universität Amsterdam die Bedeutung ihrer Studie für die öffentliche Gesundheit. Demnach sei das Masernvirus weit schädlicher, als den Forschern klar war – und es sei umso wichtiger, flächendeckend gegen Masern zu impfen: Die Antikörper bei den geimpften Kindern seien nämlich intakt geblieben – hätten nach der Impfung sogar eher noch zugenommen.

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Warum sind Masern so gefährlich?

Masern ist hochansteckend und wird durch Tröpfchen übertragen. Bei Infizierten wird das Immunsystem geschwächt, es kann zu Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen kommen. Selten kommt es auch zu Gehirnentzündungen, die tödlich enden können. Manchmal führt die Krankheit erst nach Jahren zum Tod, etwa bei der Masern-Gehirnentzündung SSPE – wer im Säuglingsalter an Masern erkrankt, ist besonders gefährdet.

Masern-Impfpflicht kommt

Das Bundeskabinett hat eine Impfpflicht für Deutschland beschlossen. Ab März 2020 müssen Eltern für ihre Kinder bei Eintritt in die Kita oder Schule nachweisen, dass diese gegen Masern geimpft sind – andernfalls drohen Bußgelder bis zu 2500 Euro. Für Kinder, die schon im Kindergarten oder in der Schule sind, muss bis spätestens 31. Juli 2021 nachgewiesen werden, dass sie geimpft sind oder die Masern schon hatten.

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Impfpflicht besteht auch für Erzieherinnen und Erzieher in Kitas, für Lehrer, Tagesmütter und für Beschäftigte in medizinischen und sonstigen „Gemeinschaftseinrichtungen“. Dazu zählen Ferienlager oder auch Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte. Auch Bewohner solcher Einrichtungen müssen sich impfen lassen oder nachweisen, dass sie immun sind. Die Impfung soll künftig bei allen Ärzten möglich sein. Befreit von der Impfpflicht ist, wer vor 1970 geboren wurde und wer mit ärztlichem Attest nachweist, dass eine Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht ratsam ist.