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Studie der Columbia-Universität

Warum hält der Geruchsverlust nach einer Corona-Infektion so lange an?

Geruchsverlust bei Corona: Nase
Corona beeinträchtigt die Geruchsrezeptoren, weswegen manche Patienten eine zeitlang nichts mehr riechen könnenFoto: Getty Images

Zu den Covid-19-Symptomen gehört für einige Patienten ein zwischenzeitlicher Verlust des Geruchssinns. Dieser kann auch nach einer Genesung noch Monate anhalten.

Bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 gehört neben trockenem Reizhusten und Müdigkeit manchmal auch der Geruchsverlust zu den Corona-Symptomen. Während die anderen Symptome meist rasch abklingen, kann der Geruchssinn noch über Monate beeinträchtigt sein. Forscher der NYU Grossman School of Medicine und der Columbia-Universität könnten nun herausgefunden haben, woran das liegt.

Geruchssinn bleibt auch nach Genesung beeinträchtigt

Während die meisten nur für einige Wochen nichts riechen können, hält bei mehr als zwölf Prozent der Patienten der Geruchsverlust bei Corona noch länger an. Es kommt zu einer lang anhaltenden Verringerung der Fähigkeit zu riechen (auch Hyposmie genannt) oder einer Veränderungen in der Wahrnehmung von Gerüchen (wird als Parosmie bezeichnet).

In einer Studie fanden Forscher der Columbia-Universität nun heraus, dass eine Infektion mit SARS-CoV-2 indirekt die Wirkung der Geruchsrezeptoren abschwächt. Dabei kommt es zu einer langfristigen Störung des Geruchssinns.1

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Immunzellen beeinträchtigen Geruchsrezeptoren

Experimente zeigten, dass das Coronavirus in den Nervenzellen, die für den Geruchssinn verantwortlich sind, für die Bildung von Immunzellen sorgt – genauer: Mikroglia, Immuneffektorzellen des zentralen Nervensystems, sowie T-Zellen. Diese Zellen bekämpfen die Infektion und setzen außerdem Proteine frei. Diese Proteine, auch Zytokine genannt, verändern jedoch die genetische Aktivität der Riechnervzellen. Es werden die Gene verändert, die für den Aufbau von Geruchsrezeptoren nötig sind. Während bei anderen Erkrankungen die Wirkung der Immunzellen schnell nachlassen, bleibt sie nach einer Infektion mit dem Coronavirus bestehen.

Festgestellt wurde dies durch eine Untersuchung von Gewebe aus den Nervenzellen der Nase von verstorbenen Menschen. Außerdem studierten die Wissenschaftler mit Corona infizierte Hamster. Dabei entdeckten sie eine Vermindunerung des Aufbaus von Geruchsrezeptoren. Diese bestand auch noch dann, wenn sich der Geruchssinn normalerweise auf natürliche Weise erholt hätte.2

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Erkenntnisse auch für andere Long-Covid-Symptome aufschlussreich

„Unsere Ergebnisse liefern die erste mechanistische Erklärung für den Geruchsverlust bei Covid-19 und wie dies die lange Dauer der Covid-19-Symptome begründen könnte“, sagt der Mitautor der Studie, Dr. Benjamin tenOever, Professor in der Abteilung für Mikrobiologie an der NYU Langone Health.3 Diese Arbeit unterstütze außerdem weitere Studien, die ergründen, wie das Coronavirus, das weniger als ein Prozent der Zellen im menschlichen Körper infiziert, in so vielen Organen so schwere Schäden verursachen kann.

Wie die Forschung bereits herausfand, ist der Bereich des Geruchssinns eng verbunden mit anderen sensiblen Bereichen des Gehirns. Die neue Studie könnte demnach auch Aufschluss über andere Long-Covid-Symptome wie „Brain Fog“ und Kopfschmerzen geben.

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Warum ist der Geruchssinn überhaupt betroffen?

Warum der Geruchssinn überhaupt von einer Corona-Infektion beeinträchtigt wird, haben US-amerikanische Forscher der Johns Hopkins University bereits zu Beginn der Pandemie erforscht. Sie haben ein Enzym entdeckt, das dafür verantwortlich sein könnte. Ihre Forschungsergebnisse könnten möglicherweise sogar ein neuer Ansatz für die Behandlung der Infizierten sein, schrieben die Experten von der Johns Hopkins University School of Medicine aus Baltimore (USA) im „European Respiratory Journal“.

Enzym ACE-2 könnte für Geruchsverlust bei Corona verantwortlich sein

Sie hatten für ihre Studie Gewebe von 23 Patienten untersucht, das bei Nasen-Operationen entfernt worden war. Die nicht mit dem Coronavirus infizierten Patienten waren zum Beispiel wegen Tumoren oder chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen operiert worden.

Die Forscher konnten in den Proben extrem hohe Dosen des Enzyms ACE-2 (Angiotensin Converting Enzyme II) nachweisen. Und das genau in dem Areal der Nase, das für das Riechen verantwortlich ist. Das Enzym soll die Pforte sein, die dem Coronavirus den Eintritt in die Körperzellen ermöglicht.

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