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Spermien temporär außer Gefecht

Können Männer bald mit „Hodenbad“ verhüten? Experte gibt Einschätzung

Verhütung für Männer: ein junges Paar umarmt sich im Bett
Kommt statt der Pille für den Mann die Verhütung via „Hodenbad“ mit Ultraschallwellen?Foto: Getty Images

Immer wieder ist die Pille für den Mann im Gespräch. Doch auch eine andere Verhütungsmethode für Männer scheint möglich: mithilfe eines „Hodenbads“ statt mit Medikamenten. Eine deutsche Firma tüftelt jedenfalls daran. FITBOOK bat einen Experten zur Einschätzung der Methode.

Vom Kondom einmal abgesehen gilt Verhütung häufig immer noch als „Frauensache“. Von der Anti-Babypille über Kupferspirale bis hin zum Vaginalring gibt es so einige Methoden. Männer sollten ganz klar mehr in das Thema Verhütung eingebunden werden. Und dafür gibt es auch schon eine Produktidee: Bei „COSO Contraception“ kommen eine Art „Hodenbad“ und Ultraschallwellen zum Einsatz. FITBOOK sprach mit einem Urologen darüber, ob die Verhütung für Männer funktionieren kann und eventuell auch Nachteile hat.

Wie soll die Verhütungsmethode für Männer funktionieren?

Für die neuartige Verhütungsmethode brauchen Männer ein Gerät, das wie eine Schale geformt ist und von der Münchener Designerin Rebecca Weiß entwickelt worden ist. Der Nutzer füllt das Gerät mit Wasser und führt dann seinen Testikel in das „Hodenbad“ ein. Mit einem Knopf lassen sich nun Ultraschallwellen erzeugen. Über die Wirkung heißt es auf der Webseite von „COSO“: „Ultraschall erzeugt Tiefenwärme im Hodengewebe, was die Spermien modifiziert und die Neubildung temporär unterbindet. Dadurch kann die weibliche Eizelle nicht befruchtet werden. Es resultiert eine zuverlässige Verhütungswirksamkeit.“

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Wie verhüten Frauen in Deutschland verhüten und wer zahlt dafür? Das erfahren Sie bei unseren Kolleginnen von STYLBOOK.

Wie lange wirkt die Verhütung?

Das Ultraschallgerät soll für den Heimgebrauch geeignet sein, die Erstanwendung aber zur Sicherheit beim Arzt stattfinden. Zwei Wochen nach der ersten Anwendung setzt offenbar die Wirksamkeit ein und wird durch weitere Sessions alle zwei Monate aufrechterhalten. Nach der letzten Anwendung halte die Wirksamkeit maximal sechs Monate an, so der Hersteller.

Stand der Entwicklung

Die Basis für die Entwicklung von „COSO Contraception“ beruht auf einer Studie zur Ultraschall-Verhütung bei Tieren.1 Noch ist das Verfahren nicht auf den Menschen übertragbar, die Entwicklerin erhofft sich klinische Studien zu ihrer Verhütungsmethode für den Mann und dann eine Umsetzung des Konzepts.

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Verhütung für Männer – Experteneinschätzung

Verhütung via Ultraschall – kann das funktionieren? FITBOOK hat Prof. Thorsten Schlomm, Direktor der Klinik für Urologie an der Charité Berlin, um seine Einschätzung gebeten. „Die Hoden liegen ja deshalb außerhalb des Körpers, damit die Spermien nicht zu warm werden. Wenn sie zu warm werden, verlieren sie ihre Funktionalität, z. B. ihre Mobilität. Deshalb macht eine Erwärmung der Hoden zur Verhütung schon Sinn und die Ultraschallwellen verursachen eben eine Erwärmung des Gewebes. Ähnliche Verfahren werden bereits bei Prostatakrebs eingesetzt“, erläutert Schlomm. „Das Problem ist, dass es natürlich immer vitale Spermien schon in den Samenblasen gibt. Deshalb wäre eine mehrwöchige Anwendung notwendig.“

Auch wenn der Experte die Methodik als durchaus realistisch einschätzt, schränkt er ein: „Wahrscheinlich wird unklar sein, inwieweit es zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit kommen kann. Das könne ein möglicher Schwachpunkt sein.“

Fazit

Weitere Untersuchungen sind notwendig, um zu prüfen, ob sich die männliche Verhütung, wie Entwicklerin Rebecca Weiss sie sich vorstellt, wirklich realisieren lässt. Wer weiß, vielleicht wird sich das „Hodenbad“ zur Vermeidung von Schwangerschaften in der Zukunft tatsächlich etablieren. Das Thema Verhütung für Männer bleibt definitiv weiter spannend.

Quelle