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Weltweit größte Studie

Wenige Superspreader für 60 Prozent der Corona-Neuinfektionen verantwortlich

Superspreader verursachen die meisten Corona-Infektionen
Menschen, die potenziell mit dem Coronavirus infiziert sind und vielen anderen zu nahe kommen, nennt man Superspreader. Laut einer aktuelle Studie haben sie nachweislich die meisten Infektionen zu verantworten.
Foto: Getty Images

In einer groß angelegten Studie haben indische Forscher in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Epidemiologen nun herausgefunden: Die meisten Corona-Infektionen erfolgen durch einzelne Personen – die sogenannten Superspreader. Was genau der Begriff eigentlich bedeutet und was die Untersuchung noch ergeben hat, erklärt FITBOOK genauer.

Sind es Situationen, in denen viele (fremde) Menschen aufeinandertreffen? Oder stecken sich die meisten doch bei der Arbeit bzw. im privaten Umfeld an? In diesem Zusammenhang kursierten in den vergangenen Monaten unterschiedliche Theorien. Wie in einer aktuellen Studie aus Indien ans Licht kam, sind tatsächlich die sogenannten Superspreader für die meisten Corona-Infektionen verantwortlich. Und dazu zählen offenbar unerwartet viele Kinder.

Was sind eigentlich Superspreader?

Im Begriff Superspreader steckt das englische Wort „to spread“ (z. Dt.: „verbreiten“). Ein Superspreader steht in der Epidemiologie für Personen, die mit einem bestimmten Erreger infiziert sind und besonders viele andere damit anstecken. Umgangssprachlich bezeichnet man Menschen als Superspreader, die sich immer wieder in größeren Gruppen aufhalten – und in der Konsequenz Ansteckungen in Kauf nehmen.

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Hürden bei der Nachverfolgung von Infektionsschwerpunkten

Die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung scheinen zunächst also wenig überraschend. Und doch konnte bisher keine Studie definitiv belegen, welche Rolle Superspreadern in Zeiten der Corona-Pandemie zukommt.

FITBOOK hatte erst kürzlich über einen jüngeren Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Instituts (RKI) berichtet, in dem die wesentlichen „Settings“ (Umfelder) von Infektionsschwerpunkten beleuchtet wurden. Die Verantwortlichen äußerten jedoch selbst Einschränkungen hinsichtlich der Validität ihrer Untersuchung; u. a. da die Zuordnung der Settings nicht eindeutig zu treffen sei.

Insofern ist die nun im Fachblatt „Science“ veröffentlichte Studie aussagekräftiger. Warum, erklärt das „Ärzteblatt“. In Indien seien die Lohnkosten gering und die Gesundheitsämter häufig personell gut aufgestellt. Das habe die gründlichen Kontaktuntersuchungen ermöglicht.

Ablauf der aktuellen Studie

Der Studiendokumentation zufolge suchten in den südindischen Bundesstaaten Andhra Pradesh und Tamil Nadu über einen Zeitraum von mehreren Monaten Zehntausende von Mitarbeitern immer wieder (ehemals) Infizierte und deren Kontaktpersonen auf. Unter Einhaltung von Sicherheitsmaßnahmen und dem nötigen -abstand wurden sie intensiv zu ihren Symptomen etc. befragt.

Die Auswertung der Daten (rund 85.000 Fälle von Corona-Infektionen, 575.000 Kontaktpersonen) erfolgte in Zusammenarbeit mit Epidemiologen verschiedener US-amerikanischer Fakultäten.

Superspreader für die meisten Infektionen verantwortlich

„Insgesamt 70 Prozent der In­dex-Personen infizierten keinen einzigen ihrer Kontakte“, fasst das „Ärzteblatt“ zusammen, „während 8 Prozent der Index-Personen für 60 Prozent der beobachteten Neuinfektionen verantwortlich waren.“ Ein Beleg dafür, dass es einzelne Superspreader sind, die besonders viele Corona-Infektionen zu verantworten haben.

In dem Kontext habe die Studie noch einmal bestätigen können, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes die Ansteckungsgefahr deutlich verringert. Demnach ist es auch entscheidend, wie intensiv Corona-positive und andere Personen interagieren. Mit 10,7 Prozent besonders hoch sei das Übertragungsrisiko von Personen gewesen, die ohne Maske mit anderen in Kontakt getreten waren.

Wie des Weiteren herauskam, hat man die Rolle von Kindern als Verbreiter des Coronavirus in bisherigen Studien häufig unterschätzt. Demnach erwies sich das Übertragungsrisiko zwischen gleichaltrigen Personen bei Kindern unter 14 Jahren als genauso hoch wie bei Erwachsenen.

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Ergebnisse nicht eins zu eins auf uns übertragbar

Laut Einschätzung der US-Experten, die an der Untersuchung beteiligt waren, ist die bestätigte Rolle der Superspreader auf die Infektionscharakteristik in anderen Ländern übertragbar. Ebenso die Tatsache, dass die meisten Komplikationen im Covid-19-Krankheitsverlauf bei Personen mit gesundheitlichen Vorbelastungen aufgetreten. Fast die Hälfte der Verstorbenen waren Diabetiker.

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Manche Aspekte dürften jedoch typisch für indische Verhältnisse sein. So wurde beispielsweise die höchste Sterblichkeit in der Alters­gruppe von 50 bis 64 Jahren festgestellt, während diese in den anderen Ländern (auch in Deutschland) bei Menschen über 60 dokumentiert ist. Die Unterschiede erklären sich mit u. a. der generell geringeren Lebenserwartung in Indien.