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Wer in dieser Lebensphase Sport macht, senkt Demenzrisiko um 45 Prozent

Demenz vorbeugen: Warum Sport im mittleren Alter zählt
Demenz vorbeugen: Warum Sport im mittleren Alter zählt Foto: Getty Images
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21. November 2025, 16:16 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Weil Medikamente bisher nur begrenzt helfen, rückt die Vorbeugung stärker in den Fokus – etwa durch Bewegung. Doch eine große neue Studie zeigt: Entscheidend ist nicht nur, ob man sich bewegt, sondern auch, wann im Leben. Besonders zwei Lebensphasen scheinen entscheidend zu sein – Bewegung kann zu diesen Zeitpunkten das Demenzrisiko womöglich bis zu 45 Prozent senken.

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Demenz vorbeugen – aber wie?

Wer sich mit dem Thema Demenz auseinandersetzt, merkt schnell: Die Möglichkeiten, sich zu schützen, sind begrenzt. Medikamente? Können Symptome verlangsamen, aber nicht heilen. Ernährung? Wichtig, aber kein Allheilmittel. Was bleibt, ist der Lebensstil – und hier rückt Bewegung in den Fokus. Sport soll das Gehirn schützen. Klingt plausibel. Aber: Reicht das wirklich? Und ist es vielleicht irgendwann einfach zu spät, anzufangen?

Eine neue Studie aus den USA ist dieser Frage nachgegangen und hat untersucht, ob körperliche Aktivität das Demenzrisiko senkt. Vor allem aber: Wann im Leben sie besonders wirksam ist. Die Ergebnisse sind differenzierter, als man vielleicht erwarten würde – und gerade deshalb besonders aufschlussreich.1

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Wie die Studie aufgebaut war

Die Untersuchung basiert auf der sogenannten Offspring-Kohorte der Framingham Heart Study, also auf der zweiten Generation der Studie, bestehend aus den erwachsenen Kindern der ursprünglichen Teilnehmer von 1948. Insgesamt wurden 4354 Personen in drei Altersgruppen erfasst:

  • 1526 Personen im frühen Erwachsenenalter (26 bis 44 Jahre), untersucht zwischen 1979 und 1983
  • 1943 Personen in der Lebensmitte (45 bis 64 Jahre), untersucht zwischen 1987 und 1991
  • 885 Personen im höheren Alter (65 bis 88 Jahre), untersucht zwischen 1998 und 2001

Alle Teilnehmenden waren zu Beginn ihrer jeweiligen Untersuchungsphase frei von Demenz. Die körperliche Aktivität wurde bei jeder Person einmalig anhand eines standardisierten Fragebogens erfasst. Dabei gaben die Personen an, wie viele Stunden sie pro Tag mit Schlafen, Sitzen sowie mit leichter, mäßiger oder intensiver Bewegung verbrachten. Aus diesen Angaben wurde ein Physical Activity Index berechnet.

Die Teilnehmenden wurden anschließend über einen langen Zeitraum hinweg medizinisch begleitet: im Durchschnitt mehr als 37 Jahre in der jüngsten Gruppe, rund 26 Jahre in der mittleren und etwa 14 Jahre in der ältesten. Der Beobachtungszeitraum endete am 31. Dezember 2023. Ob und wann eine Demenz auftrat, wurde nicht automatisch erfasst, sondern durch ein Expertenteam anhand anerkannter klinischer Kriterien beurteilt.

Bewegung hilft – aber womöglich nicht in jedem Lebensabschnitt

Während der Nachbeobachtung erkrankten 567 der 4354 Personen an Demenz, darunter gab es 369 Fälle von Alzheimer-Demenz. Dabei zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Erkrankungsrisiko – allerdings nicht in allen Altersgruppen gleichermaßen.

Am deutlichsten war der Effekt bei Personen, die in der Lebensmitte (45 bis 64 Jahre) körperlich aktiv waren. In dieser Gruppe war das Demenzrisiko bei den Aktivsten im Vergleich zur inaktivsten Gruppe um 41 Prozent geringer. Auch bei den Teilnehmenden im höheren Alter (65 bis 88 Jahre) zeigte sich eine Risikoreduktion von 45 Prozent bei den körperlich Aktiven.

Für das frühe Erwachsenenalter (26 bis 44 Jahre) wurde kein signifikanter Zusammenhang festgestellt. Es ist möglich, dass Bewegung in jungen Jahren andere gesundheitsfördernde Effekte hat, jedoch in dieser Studie kein messbarer Einfluss auf das spätere Demenzrisiko nachweisbar war.

Entscheidend war zudem die Intensität der Bewegung. In der Lebensmitte waren vor allem moderate bis intensive Aktivitäten mit einem geringeren Risiko verbunden. Leichte Bewegung zeigte keinen nachweisbaren Schutzeffekt.

Wie Bewegung das Gehirn schützen kann

Körperliche Aktivität beeinflusst verschiedene Prozesse im Körper, die auch für die Gesundheit des Gehirns wichtig sind. So verbessert Bewegung die Durchblutung und erhöht die Sauerstoffversorgung. Sie fördert die Bildung neuer Nervenzellen und wirkt entzündungshemmend. Auch der Zucker- und Fettstoffwechsel wird stabilisiert. Zusätzlich können Stresshormone gesenkt und die Funktion der kleinen Blutgefäße im Gehirn gestärkt werden. Zusammengenommen können diese Effekte dazu beitragen, kognitive Fähigkeiten länger zu erhalten und das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen zu senken.

Auch bei genetischem Risiko kann Bewegung helfen

Die Studie untersuchte zusätzlich, ob körperliche Aktivität auch bei Menschen mit genetischer Vorbelastung wirksam ist. Im Fokus stand dabei das APOE-ε4-Gen, das das Alzheimer-Risiko deutlich erhöht.

Die Auswertung ergab: In der Lebensmitte war Bewegung vor allem bei Menschen ohne dieses Risikogen mit einer geringeren Demenzwahrscheinlichkeit verbunden. Im höheren Alter jedoch zeigten auch Träger des APOE-ε4-Gens einen Schutzeffekt durch körperliche Aktivität. Bedeutet also: Bewegung kann genetische Risikofaktoren zwar nicht vollständig aufheben, ihnen aber entgegenwirken.

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Einschränkungen der Studie

Wie bei jeder Beobachtungsstudie gibt es auch hier methodische Einschränkungen. Die körperliche Aktivität wurde nur einmal pro Lebensphase erfasst. Verändertes Bewegungsverhalten im Verlauf wurde nicht berücksichtigt. Die Aktivitätsdaten basierten auf Selbstauskünften, was zu Verzerrungen führen kann. Objektive Messungen, wie z. B. durch Bewegungssensoren, lagen nicht vor.

Der verwendete Physical Activity Index ist zudem ein zusammengesetzter Wert, der sich nicht direkt mit den üblichen Bewegungsempfehlungen (wie 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche) vergleichen lässt. Die Studiengruppe bestand überwiegend aus weißen, bildungsnahen US-Amerikanern. Andere Bevölkerungsgruppen und kulturelle Unterschiede wurden nicht abgebildet.

Außerdem zeigte sich in der jüngsten Altersgruppe nur eine geringe Zahl von Demenzfällen. Das erschwert verlässliche Aussagen darüber, ob Bewegung in jungen Jahren langfristig schützt.

Und zuletzt: Die Studie kann keine Kausalität beweisen. Sie zeigt Zusammenhänge, aber es lässt sich nicht sicher sagen, dass Bewegung allein für den beobachteten Rückgang des Risikos verantwortlich war.

Bewegung ist kein Schutzschild

Die Ergebnisse zeigen klar: Regelmäßige Bewegung ab der Lebensmitte kann das Risiko für Demenz signifikant senken. Sie ersetzt keine medizinische Vorsorge, sie garantiert keinen Schutz – aber sie ist ein nachweisbar wirksamer Bestandteil eines gesunden Lebensstils.

Auch Menschen mit genetischem Risiko profitieren. Nicht im gleichen Maß, aber spürbar. Entscheidend ist nicht nur, dass man sich bewegt, sondern auch, wann damit begonnen wird. Ab etwa 45 scheint der richtige Zeitpunkt zu sein. Und auch im Alter ist es nicht zu spät. Bewegung bleibt sinnvoll. Für das Herz. Für den Körper. Und für den Kopf.

Fazit: Bewegung zum richtigen Unterschied wichtig

Körperliche Aktivität ist kein Wundermittel, aber ein zunehmend gut belegter Faktor in der Demenzprävention. Die neue Analyse der Framingham Heart Study zeigt: Bewegung senkt das Risiko für Demenz besonders dann, wenn sie in der Lebensmitte oder im höheren Alter stattfindet und dabei eine moderate bis intensive Intensität erreicht. Vor allem Menschen ohne genetische Risikofaktoren profitieren, aber auch Personen mit einer familiären Veranlagung können durch Bewegung ihren Schutz verbessern.

Diese Ergebnisse werden durch weitere großangelegte Studien gestützt:
Eine Auswertung aus Norwegen (HUNT-Studie) mit fast 29.000 Teilnehmenden ergab, dass regelmäßiger Sport im Alter zwischen 50 und 60 Jahren das Demenzrisiko um rund 20 Prozent senken kann. Selbst nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren.2

Eine weitere Analyse aus der UK Biobank mit über 61.000 Personen zeigte zudem: Eine gute kardiorespiratorische Fitness – etwa durch Ausdauersport – war mit einer bis zu 35 Prozent niedrigeren Alzheimer-Wahrscheinlichkeit verbunden, insbesondere bei Menschen mit genetischer Veranlagung.3

Auch wenn keine dieser Studien eine Garantie liefert, legen sie gemeinsam nahe: Wer sich regelmäßig bewegt – idealerweise ab der Lebensmitte und mit ausreichender Intensität – kann sein Risiko für Demenz deutlich senken. Nicht alles kann beeinflusst werden, aber Bewegung ist einer der einfachsten und wirksamsten Ansätze dafür.

Quellen

  1. Marino, FR., Lyu, C., Li, Y. et al. (2025). Physical Activity Over the Adult Life Course and Risk of Dementia in the Framingham Heart Study. JAMA Netw Open. ↩︎
  2. Zotcheva E., Bergh S., Selbæk G., et al. (2024). Midlife Physical Activity, Psychological Distress, and Dementia Risk: The HUNT Study. Journal of Alzheimer Disease. ↩︎
  3. Wang S., Xu L., Yang W., et al. (2024). Association of cardiorespiratory fitness with dementia risk across different levels of genetic predisposition: a large community-based longitudinal study. British Journal of Sports Medicine. ↩︎

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