20. März 2026, 14:46 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Wie bei allen Krebsarten scheint auch bei Prostatakrebs die beste Maßnahme zur Vorbeugung der Erkrankung ein gesunder Lebensstil zu sein. Dazu gehört eine ausgewogene Ernährung. Doch ein Lebensmittel, das in so ziemlich jedem Haushalt zu finden ist, sollte lieber nicht auf dem Speiseplan stehen.
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Fälle von Prostatakrebs nehmen zu
Die Studienreihe „Global Burden of Disease“ (weltweite Krankheitslast) berichtete 2025, dass die Fälle von Prostatakrebs von 1990 bis 2021 stetig zunahmen – und zwar um satte 161,5 Prozent. Mit weltweit 1.324.383 Fällen 2021 zählt die Krebsart zu den häufigsten Tumorerkrankungen bei Männern. Dabei spielen naheliegende Risikofaktoren wie Rauchen eine Rolle, aber auch der Konsum von Milch.1
Lieber vegan? Das sagt die Forschung
Gary E. Fraser, Professor für Medizin an der Loma Linda University, und sein Team nahmen 2025 Daten aus der „Adventist Health Study-2“ (AHS-2) unter die Lupe, um den Zusammenhang zwischen einer vegetarischen Ernährung und bestimmten Krebsarten zu erforschen. Das Besondere an den Teilnehmern der AHS-2 ist, dass es sich hierbei um Siebenten-Tags-Adventisten handelt, einer christlichen Glaubensgemeinschaft, die sich vegetarisch oder vegan ernährt und auf Tabak und Alkohol verzichtet. Deshalb eignen sie sich gut dafür, die Auswirkungen verschiedener Ernährungsweisen auf die Gesundheit zu untersuchen.2
Die Studie zeigte zum einen, dass Vegetarier generell ein um zwölf Prozent geringeres Krebsrisiko im Vergleich zu Nichtvegetariern haben. Beim Prostatakrebs zeigt die Studie ein differenziertes Bild. In den gemeinsamen Tests über die verschiedenen vegetarischen Untergruppen hinweg gab es einen signifikanten Zusammenhang, doch besonders auffällig war die vegane Ernährung: Bei jüngeren Veganern war das Risiko für Prostatakrebs 43 Prozent niedriger als bei Nichtvegetariern. Bei älteren Veganern zeigte sich dieser Vorteil dagegen nicht.
Milch im Fokus
Könnten die Veganer durch den Verzicht auf Milch einen Vorteil haben? Faser und seine Kollegen haben das Lebensmittel in einer weiteren Studie genauer betrachtet. Ihre Untersuchung aus dem Jahr 2022 zeigt: Männer, die regelmäßig größere Mengen Milch konsumieren, haben ein deutlich höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken. Dabei stehen nicht der Calciumgehalt, sondern andere Inhaltsstoffe von Milch im Verdacht. Sollte Milch also vom Speiseplan gestrichen werden? Obwohl sie auch wichtige Inhaltsstoffe, wie die Vitamine A, B, D, E und K sowie Calcium, Phosphor, Jod und Fluorid enthält, die zur Gesundheit beitragen?3
Mehr als 28.000 Männer acht Jahre lang begleitet
Die Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Milchprodukten und dem Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, aufgrund der Beobachtung, dass Länder mit hohem Konsum oft höhere Erkrankungsraten aufweisen. Da frühere Untersuchungen gezeigt hatten, dass Calcium in Nichtmilchprodukten das Risiko für Prostatakrebs nicht beeinflusst, gingen die Forscher davon aus, dass andere in der Milch enthaltene Stoffe eine Rolle bei der Entstehung der Krankheit spielen könnten.4
Auch für diese Studie wurden Daten der AHS-2 genutzt.5 Für die Untersuchungen wurden 28.737 Männer in Nordamerika daraus einbezogen, die zu Beginn krebsfrei waren. Am Ende des Beobachtungszeitraums von etwa acht Jahren diagnostizierte man bei 1254 Probanden Prostatakrebs.
Ernährungsgewohnheiten erfasste man mit Food-Frequency-Fragebögen (FFQ) und wiederholten 24-Stunden-Ernährungsrückrufen. Um besser differenzieren zu können, trennten die Wissenschaftler die Aufnahme von Kalzium aus Nichtmilchprodukten, wie z. B. Nüsse, Samen, Gemüse etc., von der Aufnahme des Mineralstoffes in Form von Milchprodukten. Zusätzlich fragte man Faktoren wie Alter, familiäre Vorbelastung, BMI, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Prostatakrebs-Screenings ab. Um potenzielle Krebsfälle ausfindig zu machen, nutzte man das nationale Krebsregister.
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Täglich Milchtrinken erhöhte Risiko für Prostatakrebs um 25 Prozent
Die Ergebnisse zeigten, dass Männer mit hohem Milchkonsum ein signifikant höheres Risiko für Prostatakrebs haben. Im Detail ergab sich: Männer, die täglich 430 Gramm Milch konsumierten, wiesen ein 25 Prozent höheres Risiko auf, an Prostatakrebs zu erkranken, im Vergleich zu Männern, die nur 20,2 Gramm Milch konsumierten. Der Risikoanstieg verlief jedoch nicht linear. Das heißt, bis zu einem Verzehr von 150 ml pro Tag stieg die Risikokurve stark an – danach verringerte sich der rasante Anstieg. „Es ist fast so, als ob ein biologischer oder biochemischer Weg bei etwa zwei Dritteln einer Tasse Milch pro Tag gesättigt wäre“, kommentiert Gary Fraser, der leitende Prüfarzt der Studie und Professor an der Loma Linda, die Forschungsergebnisse.6 Zudem entdeckten die Wissenschaftler keine wesentlichen Unterschiede zwischen Vollmilch, fettreduzierter oder Magermilch.
Am besten so wenig Milch wie möglich verzehren
Da das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken, bei einem Verzehr von bis zu 150 Millilitern täglich am stärksten ansteigt, empfehlen die Wissenschaftler, so wenig Milch wie möglich zu trinken. Oder nicht mehr als 20 Milliliter täglich. Männer, die bereits im engen familiären Umfeld Fälle von Prostatakrebs haben, sollten laut den Forschern idealerweise komplett auf Milch verzichten. „Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie einem überdurchschnittlichen Risiko ausgesetzt sind, sollten Sie Milchalternativen aus Soja, Hafer, Cashewnüssen und anderen pflanzlichen Rohstoffen in Betracht ziehen“, empfiehlt der verantwortliche Wissenschaftler Prof. Fraser.
Fraser und sein Team stellen die Vermutung auf, dass der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Milch und Prostatakrebs auf den in der Milch enthaltenen Hormonen beruhen könnte. Bis zu 75 Prozent der milchproduzierenden Kühe sind trächtig, was zu einem erhöhten Gehalt an Geschlechtshormonen in der Milch führt. Diese Hormone könnten das Wachstum von hormonabhängigen Tumoren wie Prostatakrebs fördern. Zudem wird diskutiert, ob Milchproteine den Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) erhöhen, ein Hormon, das mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung gebracht wird.
Die Ernährungsform, die das Krebsrisiko nachweislich senken kann
Macht uns Milch wirklich krank?
Käse, Joghurt und pflanzliches Calcium sind unbedenklich
Immerhin gibt es auch gute Nachrichten. So haben die Forscher keinen Zusammenhang zwischen Prostatakrebs und dem Verzehr von Milchprodukten wie Käse und Joghurt gefunden. Als Grund wird vermutet, dass die Bakterien in fermentierten Milchprodukten die schädlichen Hormone abbauen. Und auch die Einnahme von Calcium aus pflanzlichen Quellen hatte keine risikosteigernde Wirkung auf die Probanden. Laut dieser Studie können Männer also deutlich ihr Risiko für Prostatakrebs senken, wenn sie lediglich Milch aus ihrem Speiseplan streichen. Fermentierte Milchprodukte können hingegen weiterhin genossen werden.
Einschränkung der Studie
Die Studie stützt sich auf eine große und vielfältige Kohorte, die ein breites Spektrum an Milch- und Calciumkonsum abdeckt. Dies stärkt die Aussagekraft der Ergebnisse. Allerdings handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die keine kausalen Zusammenhänge beweisen kann. Es bleibt unklar, ob andere unbekannte Faktoren die Ergebnisse beeinflusst haben könnten.
Ein weiterer möglicher Schwachpunkt ist die Erhebung der Ernährungsdaten, die auf Fragebögen basiert. Diese Methode ist anfällig für Ungenauigkeiten, da sich Teilnehmer möglicherweise nicht an ihre tatsächlichen Essgewohnheiten erinnern.
Auch ist nicht klar, inwiefern die gesamte Ernährung das Prostatakrebs-Risiko beeinflusst – und ob möglicherweise eine ballaststoffreiche Ernährung einen moderaten Milchkonsum ausgleichen kann. „Verfügbare Daten legen nahe, dass eine Ernährung mit Schwerpunkt auf ballaststoffreichen Lebensmitteln wie Vollkorn, Obst und Gemüse bei gleichzeitiger Einschränkung des Milch- und Milchproduktkonsums – ähnlich dem mediterranen Ernährungsmuster – das Krebsrisiko verringern könnte“, heißt es in einer Studie aus dem Jahr 2024.7 Laut den Wissenschaftlern sei es unerlässlich, mithilfe von weiteren Untersuchungen die genaue Rolle von Milchprodukten beim allgemeinen Krebsrisiko aufzuklären.