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Magersucht lässt das Gehirn schrumpfen

Studie zeigt gravierende Folgen

Magersucht lässt das Gehirn schrumpfen

Magersucht Gehirn: Illustration vom Gehirn einer Frau
Magersucht hat schwere Folgen für das Gehirn - aber es gibt auch hoffnungsvolle NachrichtenFoto: Getty Images

Magersucht gehört zu den psychischen Erkrankungen. Immer mehr Kinder und junge Menschen sind von der Essstörung betroffen. Eine aktuelle Studie zeigt erstmals die gravierenden Folgen für das Gehirn.

Magersucht gilt als die am meisten verbreitete Essstörung in Deutschland. Laut Zahlen des Marktforschungsunternehmens Statista hat man im Jahr 2018 in deutschen Krankenhäusern 7.218 Fälle dieser Essstörung diagnostiziert.1 Die Zahl der nicht gemeldeter Betroffener dürfte wesentlich höher sein. Dabei gilt die Essstörung als besonders gefährlich, denn sie kann bei Nichtbehandlung zum Tod führen. Dass Magersucht sogar gravierende Folgen auf das Gehirn hat, belegt jetzt eine große internationale Studie.

Gehirn verändert sich durch Magersucht

Magersucht wird im Deutschen oft auch als Anorexie bezeichnet, was von dem lateinischen Fachbegriff Anorexia nervosa abgeleitet ist. Die Krankheit bildet sich meist in der Pubertät (manchmal sogar in der Kindheit) heraus. Hauptmerkmal ist ein gestörtes Selbstbild, denn die Betroffenen empfinden sich als zu dick – selbst wenn sie bereits untergewichtig sind. Und so hungern sie sich immer weiter ab, ohne jemals zufrieden zu sein mit ihrem Aussehen. Das führt zu einer permanenten Unterversorgung mit Nährstoffen, die auf Dauer sogar das Gehirn schädigt, wie Wissenschaftler von der britischen University of Bath herausfanden.2

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In der bislang größten Studie dieser Art wurden die Scans von 1648 Frauengehirnen aus 22 verschiedenen Regionen der Welt analysiert. 685 von den Probandinnen litten unter Anorexie. „Für diese Studie haben wir mehrere Jahre lang intensiv mit Forschungsteams auf der ganzen Welt zusammengearbeitet“, sagt die federführende Psychologin Esther Walton von der University of Bath. Durch das Auswerten von Tausenden Gehirnscans von Menschen mit Anorexie habe man die Gehirnveränderungen detailliert untersuchen können, erklärt die Wissenschaftlerin.

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Nährstoffmangel könnte Gehirnschrumpfung auslösen

Bei der Auswertung der Scans fanden die Forscher heraus, dass Frauen mit Magersucht im Gehirn eine geringere Kortex-Dicke aufwiesen sowie ein geringeres Volumen bei der subkortikalen und kortikalen Oberfläche zeigten. Anders ausgedrückt: Das Gehirn war im Vergleich zu gesunden Frauen geschrumpft. Noch erschreckender ist die Tatsache, dass die negativen Auswirkungen auf Gehirnvolumen und Gehirnstruktur durch Magersucht zwei- bis viermal größer sind als beispielsweise durch Depressionen.

Warum das so ist, können die Forscher noch nicht genau sagen. Sie vermuten aber, dass der niedrige Body-Mass-Index (BMI) der Betroffenen sowie die permanente Unterversorgung mit Nährstoffen dafür verantwortlich sind. Übrigens gilt man ab einem BMI von unter 17,5 als magersüchtig.

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Gehirn kann sich nach einer Anorexie wieder regenerieren

Trotz der erschreckenden Erkenntnis gibt es auch Positives zu berichten. Denn die Gehirnscans zeigen auch, dass Menschen, die sich in einer Therapie befinden und auf dem Weg der Besserung sind, geringere Gehirnveränderungen aufweisen. „Wir stellten fest, dass der Rückgang der Gehirnstruktur, die wir bei Betroffenen beobachteten, bei Patienten, die sich bereits auf dem Weg der Genesung befanden, weniger auffällig war“, sagt Studienleiterin Esther Walton in einer Universitätsmitteilung.3 Dies sei ein gutes Zeichen und möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die negativen Veränderungen nicht von Dauer sind. „Mit der richtigen Behandlung kann sich das Gehirn womöglich erholen“, ergänzt die Expertin.

Die Erkenntnis macht deutlich, wie wichtig es ist, dass magersüchtige Menschen möglichst früh eine Therapie anfangen. Nach dem Motto: je früher, desto besser – auch für das Gehirn! Die Forscher hoffen nun auf weitere Studien, um herauszufinden, wodurch genau das Gehirn bei Magersucht schrumpft. So könne man bessere Behandlungsansätze entwickeln, um die Ursachen zu bekämpfen.

Quellen

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