Gesundheitspartner
von FITBOOK

Spülung bis Transplantation

Lässt sich der Darm gesund sanieren?

Frau hält ihre Hände in Herzform auf den Bauch
Bauch gesund, alles gesund? Tatsächlich hat der Darm einen großen Einfluss auf die Gesundheit.
Foto: Getty Images

Heilpraktiker werben mit Darmsanierungen, die wie eine Generalüberholung wirken sollen. Schulmediziner transplantieren entzündlich erkrankten Stuhl. Die Optimierung der Darmflora ist in Mode. Dabei weiß man nur sehr wenig über sie.

Keine FITBOOK-Themen mehr verpassen – abonnieren Sie hier unseren Newsletter!

Längst ist es kein Geheimnis mehr: Der Darm ist viel mehr als nur ein Verdauungsorgan. Das Immunsystem, die Vitaminversorgung, Hitzeresistenz und sogar Ausdauer werden mit dem Organ in Verbindung gebracht. Heilpraktiker und Naturheilkundler werben mit Darmsanierungen.

Ein naheliegender Gedanke: Darm gesund und im Umkehrschluss alles gesund? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn wie genau ein gesunder Darm aussieht, weiß bisher niemand.

Was für die Darmfunktion entscheidend ist

Entscheidend für die Funktionen des Darms ist das sogenannte Mikrobiom, also die Gesamtheit aller Mikroorganismen im Darm. Ein ganzes Ökosystem gibt es dort, mit – bei Erwachsenen – hauptsächlich anaeroben Bakterien, bis zu 100 Billionen an der Zahl.

Auch interessant: Das hilft gegen Verstopfung und Blähungen

Frank Möller, Betreiber eines Netzwerks für Mayr-Kuren, gehört zu denen, die für eine regelmäßige Reinigung des Darms plädieren. Am besten jährlich empfiehlt er Abführen mit einer Kombination aus Bittersalz, Flohsamen und Heilerde. Zur Therapie gehört auch das Fasten. Anschließend baut man die Flora mit einem speziellen Ernährungsprogramm unter anderem unter Einsatz von Kefir und Sauerkraut wieder auf.

Entgiften und Entschlacken sind Unsinn

Die Hamburger Internistin Viola Andresen hält das bei gesunden Menschen für „totalen Quatsch“. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Entgiften und Entschlacken Unsinn ist“, sagt die Expertin der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie.

Auch interessant: Sollten wir alle komplett auf Zucker verzichten?

Das Mikrobiom kann durchaus aus dem Gleichgewicht geraten. Zum Beispiel durch einen Infekt, Antibiotikaeinnahme oder das Reizdarmsyndrom. Nach der vollständigen Durchspülung hat das Mikrobiom die Chance, sich günstiger beziehungsweise gesünder zusammenzusetzen. Aber: Auch das Gegenteil kann passieren. Eine Mikrobiomänderung kann ein Reizdarmsyndrom auslösen. An einer gesunden Darmflora herumzumanipulieren, ist also keine so gute Idee.

Das Problem: Niemand weiß, wie ein gesunder Darm aussieht

Teil des Problems ist, dass niemand weiß, wann eine Darmflora gesund ist. Es gibt praktisch keine Referenzwerte für die ideale oder gesunde Zusammensetzung des Ökosystems.

Auch interessant: Dieser selbstgemachte Granola-Bar hilft einem trägen Darm auf Sprung

Die Forschung über das Darmmikrobiom ist zudem noch relativ jung. Seit zehn Jahren etwa beschäftigen sich Wissenschaftler intensiv mit der Thematik. „Erst hat man den Darm mehr oder weniger ignoriert, dann völlig überverkauft und dann wieder gebasht“, sagt Prof. Dirk Haller, Professor für Ernährung und Immunologie an der TU München.

Zusammensetzung der Bakterien wichtig für die Gesundheit

Weitgehend einig seien sich Wissenschaftler inzwischen über den Einfluss des Mikrobioms auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Außerdem besteht Konsens darüber, dass die Zusammensetzung der Bakterien wichtig für die Gesundheit des Darms ist. Aber wie genau sich die von außen beeinflussen lässt – darüber wird noch immer gerätselt.

Auch interessant: Warum Sie warmes Wasser trinken sollten

Ein Verfahren, das sich die mögliche Veränderung des Mikrobioms zunutze macht, ist die Stuhltransplantation. Dem Kranken, meist mit entzündlicher Darmerkrankung, wird dabei verdünnter Spenderstuhl zugeführt. Das Verfahren wird zwar mit Erfolg angewendet – welche Bakterien oder Viren des Ökosystems dabei entscheidend sind, ist allerdings noch unbekannt.

Was kann ich meinem Darm Gutes tun?

Eine Darmsanierung kann gut gehen, birgt jedoch Risiken, derer sich Interessierte bewusst sein sollten. Unbesorgt können Patienten nach einer Antibiotikaeinnahme sein. Für gewöhnlich reguliert sich die Darmflora ganz von alleine.

Themen