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Galten in Europa als ausgerottet

Polioviren in London aufgetaucht! Was man über Kinderlähmung wissen sollte 

Polioviren (Computerillustration)
Polioviren (Computerillustration) galten in Europa dank einer großen Impfaktion in den 80- und 90er-Jahren als ausgerottetFoto: Getty Images

Kinderlähmung (Polio) galt in Europa als ausgerottet. Jetzt wurden die Erreger erstmals wieder bei einer Abwasseruntersuchung in London nachgewiesen. Was Sie über Kinderlähmung wissen sollten, darunter Ursachen, Symptome, Behandlung und Impfschutz.

Im Jahr 2002 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für ausgerottet erklärt, wurden aktuell bei einer Abwasserkontrolle in London Spuren von Polioviren gefunden, wie unter anderem die „News York Times“ berichtet. Dieser Erreger verursacht eine von teils heftigen Symptomen begleitete Krankheit, die als Polio oder auch Kinderlähmung bekannt ist. Auch Erwachsene können sich anstecken. Allerdings machte sich früher die Krankheit samt drohender Folgeschäden aufgrund der hohen Ansteckungsrate meist schon in der Kindheit bemerkbar. Dank Impfstoffen droht dieses Schicksal – zumindest in der westlichen Welt – eigentlich niemandem mehr.

Wie sich Polioviren übertragen

Polioviren werden laut Robert-Koch-Institut (RKI) hauptsächlich über mit menschlichen Fäkalien verunreinigtes Wasser übertragen.1 Daher bergen verschmutztes Trinkwasser und schlechte hygienische Zustände die größten Gefahren. Gelangen die Erreger in den Darm, kann es 3 bis 35 Tage dauern, bis die ersten Polio-Symptome auftreten. Während dieser Zeit merken Betroffene nicht, dass sie sich angesteckt haben und können den Erreger durch fehlendes Händewaschen nach dem Toilettengang weitergeben. Dafür reicht eine extrem geringe Menge. Eine Übertragung durch Husten oder Niesen ist kurz nach der Ansteckung ebenso für eine gewisse Zeit möglich. Grundsätzlich gilt: Solange sich das Virus im Körper befindet, besteht Ansteckungsgefahr.

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Kinderlähmung (Polio) – Symptome und Verlauf

Tatsächlich kommen die allermeisten Infizierten glimpflich mit Durchfall davon und scheiden darüber das Virus einfach wieder aus. Bei vier bis acht Prozent kommt es zu Fieber, Kopfschmerzen, Übelkeit, Halsschmerzen und Muskelschmerzen. Daher werden die ersten Symptome einer Kinderlähmung oft mit der Grippe verwechselt.

Problematisch wird es, wenn es das Virus schafft, über die Darmwand ins Blut zu gelangen, was bei etwa einem Prozent der Fälle passiert. Dies ermöglicht es dem Virus, Hirn und Rückenmark zu befallen. Die Folgen:

  • Muskelspasmen
  • Nackensteifheit
  • Rückenschmerzen
  • Lähmungserscheinungen (namensgebend)
  • motorische Schwäche von Arm-, Bauch-, Thorax- oder Augenmuskeln (tritt bei Kinder etwas häufiger auf)

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Behandlungsmöglichkeiten und Krankheitsdauer

Es gibt weder ein Medikament noch andere spezielle Therapien gegen Polioviren. Bei einer Kinderlähmung bleibt einem einzig, die Symptome zu lindern, bspw. mit fiebersenkenden oder schmerzstillenden Mitteln. Meist gelingt es den eigenen Selbstheilungskräften, den Erreger innerhalb von drei bis sechs Wochen vollständig aus dem Körper zu vertreiben. Je nach Verlauf helfen im Anschluss physiotherapeutische und orthopädische Therapien.

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Drohende Folgeschäden

Die Lähmungen bilden sich meistens nur teilweise zurück. Betroffene leiden demnach ihr ganzes Leben unter den Folgeerscheinungen. Hat das Virus zudem den Hirnstamm angegriffen, kommt es zu Schäden der zerebralen bzw. vegetativen Nervenzentren, sodass die Signalübertragung zwischen Gehirn und Körper gestört bleibt. Das Postpolio-Syndrom ist besonders tückisch, da es erst Jahre oder Jahrzehnte nach der Erkrankung in Erscheinung tritt. Dabei handelt es sich um eine chronische Muskelschwäche mit immer stärker werdendem Verlauf.

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Warum eine Polio-Impfung weiterhin wichtig ist

Auch wenn Kinderlähmung bzw. Polio nicht immer heftigen Symptomen einhergehen muss, ist jeder einzelne schlimm verlaufende Fall vermeidbar. Dies war noch vor dem Jahr 1960 bei jedem 100. Menschen der Fall. So ist es einer erfolgreichen Impfkampagne zu verdanken, dass trotz des Vorfalls in London bislang keine neuen Krankheitsfälle gemeldet worden sind.

Damit das so bleibt, empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko), die drei ersten Impfungen im Säuglingsalter sowie die Auffrischungsimpfung für Teenager weiterhin einzuhalten.2 Erwachsene, die als Kind nicht ausreichend geimpft worden sind, können dies jederzeit problemlos nachholen.

Quellen

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