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Craniomandibuläre Dysfunktion

Kieferknacken oder Kieferverspannung? Möglicherweise handelt es sich um CMD

Kieferknacken: Frau mit Hand am Unterkiefer
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) hat vielfältige Sympome, u.a. auch KieferknackenFoto: Getty Images

Kieferknacken oder Kieferverspannung ist Ihnen nicht fremd? Dann leiden Sie vielleicht an einer Störung des Kausystems namens Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD). Erfahren Sie hier, wie die Erkrankung diagnostiziert werden kann, welche Ursachen sie hat und wie sie behandelt wird.

Etwa jeder Zehnte leidet unter einer Störung des Kausystems. Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist nicht nur weit verbreitet, sondern wird oft auch spät erkannt. Das liegt an den sehr vielfältigen Symptomen, denn neben offensichtlichen Hinweisen wie Kieferknacken und Kieferverspannung können auch häufige Kopfschmerzen, Nackenverspannungen oder Tinnitus auf CMD hindeuten. FITBOOK erklärt die komplizierte Erkrankung und wie sie am besten behandelt wird.

Schädel-Unterkiefer-Fehlfunktion

Vielleicht liegt es an dem sperrigen Namen der Erkrankung, dass Craniomandibuläre Dysfunktion nicht besonders bekannt ist. Der Begriff lässt sich nun mal schwer aussprechen und noch schwerer merken. Viel einfacher geht es mit der gängigen Abkürzung CMD. Wenn man jedoch die Bezeichnung in ihre Einzelteile zerlegt, wird die Sache verständlicher: Cranium kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Schädel, während der ebenfalls lateinische Name Mandibula für den Unterkiefer steht. Wörtlich übersetzt handelt es sich bei der CMD also um eine Schädel-Unterkiefer-Fehlfunktion.  

Unterschiedliche Studien gehen davon aus, dass bis zu zwölf Prozent der Bevölkerung unter CMD leiden.1 Vor allem jüngere Personen sind betroffen und davon Frauen etwa doppelt so häufig wie Männer.  

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Kieferknacken – vielfältige Symptome weisen auf CMD hin

 

Das Kiefergelenk wird durch Muskeln bewegt. Diese gehören zu den kräftigsten Muskeln im Körper. Somit können Fehlbelastungen oder Fehlstellungen im Gebiss einen erheblichen Schaden anrichten, was nicht nur Schmerzen des Kiefergelenkes zur Folge hat. Das macht die Sache mit den Symptomen einer CMD kompliziert. So kann sich die Funktionsstörung zwischen Schädel und Unterkiefer durch sehr viele und vor allem sehr unterschiedliche Symptome äußern.  

Zähneknirschen, Kieferschmerzen, Schluckbeschwerden

Zu den offensichtlichen Symptomen gehören Kiefer- und Kiefergelenkschmerzen sowie das Knacken des Kiefergelenkes. Recht naheliegend sind auch das Zähneknirschen und ein dadurch verursachter starker Abrieb der Zahnsubstanz. Ein falscher Biss, Zahnfehlstellungen, ein schlechter Zahnersatz, Sprechprobleme sowie Schluckbeschwerden können weitere Symptome sein. Außerdem kommt es häufig zu einer Bewegungseinschränkung und zu Schmerzen beim Öffnen des Mundes.  

Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Tinnitus

Weniger naheliegend sind jedoch Symptome wie häufige Kopfschmerzen bis hin zur Migräne sowie Schlafstörungen. Auch das Auftreten von Tinnitus, Schulterschmerzen und eine oft verhärtete Nackenmuskulatur gehören zu den Symptomen, die auf eine Craniomandibuläre Dysfunktion hindeuten können. Da diese Symptome jedoch viele andere Ursachen haben können, ist es schwierig, von ihnen aus sofort auf eine CMD zu schließen.  

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Bei Kieferknacken und Co. – Diagnose durch einen CMD-Experten

Wie bei vielen Krankheiten ist es auch bei der Craniomandibulären Dysfunktion wichtig, auf den eigenen Körper zu hören und die Signale richtig zu deuten. Sobald häufig körperliche Beschwerden wie Nacken- und Schulterverspannungen, Kopf- und Kieferschmerzen oder Tinnitus auftauchen, sollten Sie einen CMD-Spezialisten aufsuchen.  

Untersuchung des Kiefergelenks

Eine Diagnose können am besten ein Zahnarzt oder ein Physiotherapeut stellen, die auf CMD spezialisiert sind und ein fachübergreifendes Wissen aufweisen. Bei der sogenannten Funktionsanalyse nimmt zum Beispiel der Zahnarzt zunächst die Schmerzsymptome auf, schaut sich mögliche Fehlstellungen der Zähne an, untersucht die Kaumuskulatur sowie das Kiefergelenk. Interdisziplinär wird es beispielsweise, wenn er Fragen nach Stress und psychischer Belastung stellt und sich hier Probleme beim Patienten offenbaren. 

Okklusionsanalyse

Bei Bedarf nimmt der Zahnarzt eine sogenannte Okklusionsanalyse vor. Hierbei verwendet er einen Kausimulator (Artikulator). Mit diesem Gerät kann der Spezialist die Kiefergelenkpositionen bei Kaubewegungen kontrollieren, indem er Gipsabdrucke von Ober- und Unterkiefer des Patienten nimmt und diese in den Artikulator einsetzt. So kann er mögliche Abweichungen feststellen und falls nötig therapeutische Maßnahmen einleiten.  

Eventuell auch Physio- und Psychotherapeut zurate ziehen

Allerdings ist eine Craniomandibuläre Dysfunktion oft eine komplexe Angelegenheit. Ist die Ursache nicht im Kauapparat zu finden, sollte der Zahnarzt auch an weitere geeignete Spezialisten verweisen können. Manchmal müssen sogar mehrere medizinische Fachbereiche zusammenarbeiten und neben dem Zahnarzt noch ein Physio- und Psychotherapeut den Patienten betreuen. So untersucht beispielsweise der Physiotherapeut nicht nur das Bewegungsausmaß und die Koordination des Unterkiefers, sondern auch die Muskulatur im Kopf-Hals- und Schulterbereich sowie die Funktion der Halswirbelsäule. Ein Psychologe wiederum prüft, ob nicht Stress- und seelische Probleme als Ursache für die CMD in Frage kommen.  

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Therapie setzt an vielen Stellen ein

Aufgrund der komplexen Symptome und der dadurch bedingten umfangreichen Diagnose kann mitunter eine langwierige Therapie notwendig sein. Je nachdem, welche Diagnose erstellt wurde, wird die Craniomandibuläre Dysfunktion unterschiedlich behandelt.  

Durch den Zahnarzt

Der Zahnarzt kann Probleme im Gebiss beseitigen, indem er die Zahnkontakte korrigiert und zu hohe Füllungen oder Kronen ausgleicht. Auch ein neuer Zahnersatz kommt infrage. In vielen Fällen hilft eine Aufbiss-Schiene, die Kiefermuskeln zu entspannen, indem sie beispielsweise das Zähneknirschen nachts verhindert. 

Durch den Physiotherapeuten

Der Physiotherapeut kümmert sich um Körper-Fehlhaltungen wie zum Beispiel einen Rundrücken mit Kopfvorhalte, da dies auch zu einer veränderten Kieferstellung und Anspannung der Kaumuskulatur führen kann. Zudem werden auch eventuelle Blockierungen der Halswirbelsäule sowie Verhärtungen der Kiefermuskeln gelöst. Darüber hinaus erstellt der Therapeut ein Übungsprogramm für den Patienten, damit dieser auch selbst zu Hause gegen die CMD vorgehen kann.  

Durch den Psychotherapeuten

Der Psychotherapeut hilft wiederum, die seelische Balance wiederherzustellen. So können beispielsweise Verhaltenstherapien zur besseren Stressbewältigung und zu einem erholsameren Schlaf dabei helfen, Spannungen im Körper (wie beispielsweise das Zähneknirschen) zu lösen. Das ist vor allem langfristig wichtig, denn wenn beispielsweise Stress der Hauptauslöser für eine CMD ist, wird das Problem durch einen Physiotherapeuten nur oberflächlich behandelt. Erst, wenn man den Auslöser Stress eliminiert, wird auch die CMD an der Wurzel gepackt und dauerhaft beseitigt.  

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CMD-Diagnose – Kostenfalle Kieferknacken

Falls Sie Kieferknacken oder eins der anderen genannten Symptome haben und letztendlich die CMD-Diagnose erhalten, sollten Sie noch folgendes zum Thema Kosten wissen: Diese werden sowohl für die Untersuchung als auch für die Therapie von den meisten gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Insbesondere das aufwendige Diagnostikverfahren beim Zahnarzt, bestehend aus einer Funktionsanalyse samt Abdrucknahme, der Herstellung von Modellen und die Kiefergelenkvermessung, sind privatärztliche Leistungen. Hier sollte man unbedingt vorab die Kosten beim Zahnarzt erfragen.  

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Zudem lohnt es sich trotz allem, vor einer CMD-Therapie die Kostenübernahme bei der zuständigen Krankenkasse anzufragen. So werden beispielsweise die Kosten für immerhin einige der angebotene Aufbiss-Schienen oder selbst für eine begleitende physiotherapeutische Behandlung zum Teil oder komplett übernommen.  

Einen qualifizierten Experten finden Sie unter: https://www.dgfdt.de/spezialistensuche 

Quellen

Weitere Quellen