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Projekt in Österreich, RKI skeptisch

Schüler und Lehrer sollen gurgeln als Ersatz für Corona-Abstrich

Gurgel-Test Corona: Ein Mädchen nimmt einen Schluck Wasser zum Gurgeln
Ein Gurgel-Test ist weitaus angenehmer als ein herkömmlicher Abstrich zur Überprüfung auf eine Corona-InfektionFoto: iStock/damircudic

Mund auf, Nase hochgestreckt – und dann wird das Stäbchen reingeschoben. Gerade Kinder reagieren oftmals verängstigt, werden sie auf die gängige Art auf das Coronavirus getestet. Aber auch viele Erwachsene empfinden den Abstrich mitunter als unangenehm. Ein neues Testverfahren aus Österreich könnte als Alternative dienen: Gurgeln. Das Robert-Koch-Institut (RKI) zeigt sich jedoch skeptisch.

Kann ein Gurgeltest auf Corona hinweisen? In Österreich ist man davon überzeugt und lässt zukünftig 15.000 Schüler und 1200 Lehrkräfte an 250 Schulen mit einem speziellen Mundwasser gurgeln. Mit Beginn des regulären Schulbetriebs im Herbst soll die repräsentative Gruppe auf diese Weise auf das Coronavirus getestet werden. Und zwar alle drei Wochen. Die Hoffnung: Auch symptomfreie Fälle sollen durch den Gurgeltest erfasst und so die Infektionsrate an österreichischen Schulen aufgezeigt werden.

Wie funktioniert der Gurgeltest?

Gegurgelt wird mit einer speziellen Salzlösung – und zwar eine Minute lang. Warum so lange? Nur so lösen sich ähnlich viele Partikel im Rachenraum, wie sie durch einen herkömmlichen Abstrich eingesammelt werden können. Anschließend wird die Probe in einem Labor auf das Erbgut der Coronaviren überprüft. Nach Angaben der Wissenschaftler, die den Test entwickelt haben, können zehn Gurgel-Proben auf einmal analysiert werden. Bei einem positiven Befund werden die Proben dann noch ein weiteres Mal einzeln getestet.

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Köln testet neues Testverfahren, RKI eher skeptisch

In einer Pressemitteilung des Amts für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt heißt es: „Derzeit läuft die Validierungsuntersuchung, die zeigen soll, ob das neue Probennahme-Verfahren ein ebenso zuverlässiges Ergebnis liefert wie ein Nasen-Rachenabstrich. Sobald dies geklärt ist, soll der Gurgeltest in Köln kurzfristig umfänglich eingesetzt werden und weitgehend den vergleichsweise unangenehmeren Rachen-Abstrich ersetzen.“

Zurückhaltender zeigen sich derweilen die Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) auf Anfrage des „Tagesspiegel“. „Die Sensitivität wird in der Regel als geringer eingeschätzt als bei einem guten Abstrich“, sagt eine Sprecherin vom RKI.

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Gurgeltest gegen Corona bereits in Pilotstudie überprüft

Ein Forscherteam um Johannes Zuber vom Wiener Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) entwickelte den Gurgeltest gegen Corona. Bereits im Frühling 2020 wurde das Verfahren in einer Pilotstudie an 5100 Schülern und Lehrern in Wien getestet. Überprüft wurde die Pilot-Studie durch Michael Wagner. Er sagt, der Gurgeltest würde vergleichbare Ergebnisse liefern, wie sie ein herkömmlicher Abstrich im Rachenraum oder in der Nase böten. Der Mikrobiologe und Leiter für Mikrobiologie und Umweltwissenschaften der Universität Wien bestätigt zudem eine Trefferquote von 80 Prozent unter Erstklässlern. Denn das Gurgeln sei deutlich angenehmer und für Kinder beherrschbar.

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