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Hutchinson-Zeichen

Bei Herpes auf der Nase sofort zum Arzt!

Herpes Nase
Herpes auf der Nase kann auf das Hutchinson-Zeichen hindeuten. In einem solchen Fall sollten Betroffene sofort zum Arzt.Foto: Getty Images

Wer sich als Kind mal mit Windpocken angesteckt hat, trägt Varizella-Zoster-Viren in sich. Sie können später als Gürtelrose zurückkehren, aber auch die Augen angreifen. Schon bei ersten Anzeichen dafür müssen Betroffene schnell zum Arzt gehen.

Bemerkt jemand Herpes auf der Nase, die auch wie ungewöhnliche Pickel aussehen können, sollte er damit sofort zum Arzt gehen. Es könnte sich um das sogenannte Hutchinson-Zeichen handeln, das auf ein Rezidiv – also das Wiederauftreten einer Infektion – mit Windpockenviren (auch Varizella-Zoster-Viren genannt) hindeutet.

Warum kommt es zu einem Rezidiv mit Windpockenviren?

Das Tückische an diesen Viren: Sie können das Auge angreifen und nachhaltig schädigen, erklärt Prof. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Genauso wie die etwas bekannteren Herpes-simplex-Viren, die den klassischen Lippenherpes verursachen, ziehen sich auch Varizella-Zoster-Viren nach einer Windpockeninfektion ins Nervensystem zurück. Dort harren sie aus, bis das Immunsystem des Betroffenen irgendwann mal so geschwächt ist, dass sie erneut angreifen können.

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Haben sich die Viren in Nervenknoten – sogenannten Ganglien – in der Nähe des Rückenmarks eingenistet, verursachen sie bei einem Rezidiv eine Gürtelrose. „Sind sie dagegen in Ganglien im Gehirn untergekommen, ist ein Befall des Auges möglich“, sagt Reinhard. Das erste Zeichen dafür ist meist eine Veränderung der Haut an der Nasenspitze.

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Herpes auf der Nase: Im schlimmsten Fall kann man erblinden

Gehen Patienten mit dem Hutchinson-Zeichen zum Hautarzt, sollten sie ihn aktiv auf eine mögliche Augenbeteiligung ansprechen, rät Reinhard. Denn nur wenn die Infektion frühzeitig auch augenärztlich behandelt wird, lassen sich bleibende Schäden vermeiden. „Wir nehmen die Patienten in der Regel stationär auf und verabreichen intravenös hoch-dosierte Virustatika“, erklärt der Facharzt. Diese Medikamente sollen die Viren zurückdrängen.

Und was, wenn nicht rechtzeitig behandelt wird? Reinhard zufolge bemerken Betroffene irgendwann eine Eintrübung ihres Sichtfelds. „In der Augenhornhaut können dann weiße Flecken sichtbar sein.“ Das sind nicht die Viren, sondern weiße Blutkörperchen, die gegen die Infektion ankämpfen. „In diesem Stadium kann man nur noch die Abwehrreaktion unterbinden“, sagt Reinhard – etwa mit cortisonhaltigen Augentropfen, und zwar dauerhaft. Ansonsten droht der Patient zu erblinden.

Mit Material von dpa