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Beim Experten nachgefragt

Mit einem „Hauttest“ erkennen, ob man dehydriert ist – klappt das wirklich?

In den Sozialen Medien liegt ein Hauttest im Trend, mit dem man herausfinden können soll, ob man dehydriert ist. Was ist dran?Foto: Getty Images

Bei TikTok und Instagram macht momentan ein simpler „Hauttest“, die Runde, mit dem sich angeblich innerhalb von drei Sekunden testen lässt, ob der Körper dehydriert ist. Sinnvoller Gesundheits-Hack oder Spielerei? FITBOOK hat bei einem Experten nachgefragt.

Genügend Wasser trinken ist wichtig. Erst recht im Hochsommer. Doch „überhören“ viele Menschen oft ihren Durst vor lauter Geschäftigkeit oder Stress. Zum Glück sendet der Körper viele andere Zeichen aus, dass er dringend Flüssigkeit braucht. Eine schnelle und zudem zuverlässige Methode herauszufinden, ob man dehydriert ist, soll zahlreichen Influencer*innen zufolge ein einfacher Hauttest sein. Wir haben einen Sportmediziner einen Blick auf eines der Videos werfen lassen.

Dehydriert oder nicht? So funktioniert der Hauttest

Der Test ist laut Video sehr einfach. Man nimmt seine Hand, legt sie vor sich und zupft mit zwei Fingerspitzen die Haut über dem mittleren Fingerknöchel vorsichtig nach oben. Kurz halten und loslassen. Geht die Haut daraufhin unmittelbar wieder in ihren vorigen Zustand zurück, hat man genug getrunken. Bleibt die Hautfalte allerdings einige Sekunden regelrecht stehen, wird es allerhöchste Zeit für ein großes Glas Wasser.

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Dehydrations-Test – das sagt der Experte

„Es stimmt, die Haut reagiert auf Flüssigkeitsmangel vergleichsweise schnell mit Trockenheit“, bestätigt Sportmediziner Dr. Michael Despeghel die Aussage des Videos. Der Hauttest könne also tatsächlich recht zuverlässig anzeigen, ob man dehydriert ist. Dennoch braucht es ungefähr 24 bis 48 Stunden, bis sich der Effekt bemerkbar macht. Und genau darin sieht der Experte ein Problem. „Büßt die Haut derart an Elastizität ein, bedeutet dies, dass dem Körper drei bis vier Liter Wasser fehlen.“ Kurz: Schlägt der Hauttest positiv an, ist der Organismus bereits im Alarm-Zustand, was im Zweifel gefährlich werden könnte. So weit darf es also gar nicht erst kommen.

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Besser auf andere Alarmzeichen achten

Auch wenn sich kein wirklicher Durst regen sollte, macht der Körper bei Dehydration lange vorher auf sich aufmerksam, weiß Despeghel. „Zum Beispiel durch dunklen Urin, trockene Lippen, Kopfschmerzen oder Konzentrationsschwierigkeiten. Wann immer eines dieser Symptome auftritt, ist Trinken immer die erste Maßnahme.“ Wer erst abwartet, bis die Haut „stehen“ bleibt, tut sich und seiner Gesundheit keinen Gefallen. Und noch etwas: Ab dem zwanzigsten Lebensjahr verliert die Haut ohnehin nach und nach an Elastizität. Das heißt: Besagter Hack hat bei älteren Personen kaum Aussagekraft.

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Einfache Formel, seinen tatsächlichen Flüssigkeitsbedarf auszurechen

Statt sich mit gut gemeinten Influencer-Hacks auf Dehydration zu testen, fährt man besser mit dem Motto „Vorsorge ist besser als Nachsorge“. „Es geistern ja viele Angaben rum, wie viel Wasser ein Mensch pro Tag trinken sollte“, sagt Despeghel. „Mal sind es 1,5 oder 2,5 Liter. Vergessen Sie das!“ Es gibt eine einfache Formel, seinen ganz persönlichen Bedarf auszurechnen. „40 Milliliter pro Kilo Körpergewicht pro Tag“. So braucht beispielsweise eine 70-Kilo-Person täglich 2,8 Liter Flüssigkeit.

Völlig nutzlos findet der Sportmediziner den Dehydrations-Hack übrigens nicht. „Clips wie diese rücken wieder in den Fokus, wie wichtig es ist, ausreichend zu trinken. Sie bewirken, dass Menschen sich Gedanken darüber machen. Das ist eigentlich eine gute Sache.“ Immerhin…