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Behandlungsmethode im Check

Kann eine Eigenbluttherapie wirklich die Selbstheilungskräfte wecken?

Eigenbluttherapie: Spritze mit Blut
Bei der Eigenbluttherapie wird Blut entnommen und direkt im Anschluss oder nach einer Aufbereitung in den Körper zurückgespritztFoto: Getty Images

Unter anderem bei Akne, Allergien, häufigen Infekten oder auch bei schlechtem Allgemeinbefinden soll eine Eigenbluttherapie helfen können. Doch was sagt die Wissenschaft zu der alternativmedizinischen Behandlungsmethode?

Im Prinzip ist die Eigenbluttherapie recht einfach: Zunächst wird etwas Blut abgenommen – und im nächsten Schritt wird es wieder in den Körper gespritzt. Sofern man keine Spritzenphobie hat, ist die Behandlung mit minimalem Leid verbunden. Ziel der Eigenbluttherapie: Sie soll dem Organismus von außen Reize zuführen, um seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Aber funktioniert das?

Mögliche Anwendungsgebiete für eine Eigenbluttherapie

Eine Eigenbluttherapie bietet sich zum Beispiel bei Allergien und Hauterkrankungen wie Akne, Neurodermitis oder Nesselsucht an. Aber auch bei akuten oder chronischen Infektionen und Entzündungen soll die Eigenblutbehandung helfen. Das zumindest versprechen alternativmedizinisch behandelnde Ärzte und Heilpraktiker, die auf die Methode setzen. Die Eigenbluttherapie soll als sogenannte unspezifische Reiztherapie zudem dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken.

Die verschiedenen Methoden

Zum einen ist es möglich, das Blut nach der Entnahme direkt wieder zurückzuspritzen. Zum anderen kann das entnommene Blut vor einer Re-Injektion aufbereitet werden. Dafür ist eine behördliche Produktionsgenehmigung nötig.

Bei der Therapie mit plättchenreichem Plasma, PRP genannt, etwa werden über einen Apparat die roten und weißen Blutkörperchen entfernt. Im Ergebnis bleiben das gelbliche Blutplasma und die Blutplättchen zurück. Dies wird dann beim Patienten injiziert.

„Dieses Verfahren kann bei chronischen Wunden dafür sorgen, die Heilung zu stimulieren“, erklärt Prof. Stefanie Joos, Ärztliche Direktorin am Institut für Allgemeinmedizin und Interprofessionelle Versorgung am Universitätsklinikum Tübingen und Leiterin der Sektion Forschung der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM).

Blut kann zum Beispiel auch mit Ozon oder UV-Licht behandelt und der betroffenen Person wieder zugeführt werden. Möglich ist außerdem, einen Tropfen Kapillarblut aus der Fingerspitze des Patienten zu nehmen und homöopathisch zu verdünnen. Anschließend wird sie auf die Zungenspitze des Patienten gegeben oder als Globuli eingenommen.

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Was bewirkt die Eigenbluttherapie im Körper?

Das injizierte Blut sorgt für einen Reiz. Das Immunsystem reagiert auf das zugeführte Blut, das es als Fremdkörper wahrnimmt. Wobei es ja kein Fremdkörper ist. Im Gegensatz zu fremden Blut, also Blut von anderen Menschen, besteht keine Gefahr, dem Körper Schaden zuzufügen. Die Eigenbluttherapie soll in der Theorie dafür sorgen, dass im Organismus günstige immunologische Reaktionen in Gang gesetzt werden.

Besteht ein Risiko für Nebenwirkungen?

An der Einstichstelle können Entzündungen oder leichte Rötungen auftreten, auch Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich. Diese sind aber zumeist nur vorübergehend. Auch erhöhte Temperatur und leichte Infektsymptome sind in der Folge möglich. Zudem kann, wie bei jeder intramuskulären Injektion, mit einer geringen Wahrscheinlichkeit ein Spritz-Abszess entstehen, der auftritt, wenn die Spritze nicht hinreichend desinfiziert ist und Bakterien ins Gewebe eindringen.

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Was sagt die Wissenschaft zur Wirksamkeit

Überwiegend sind es kleinere Studien, die eine angebliche Wirksamkeit bei der Gabe von unbehandeltem Eigenblut sehen. Demnach soll die Behandlung vor allem bei Nesselsucht und Hauterkrankungen effektiv sein. Größere wissenschaftliche Untersuchungen stehen bislang jedoch aus. Das heißt: Überzeugende Nachweise fehlen noch.

Das Online-Portal „medizin transparent“, hinter dem das unabhängige Wissenschaftsnetzwerk Cochrane Österreich steht, hat sich 2020 mit der Wirksamkeit von PRP-Therapien bei Arthrose beschäftigt und kam nach Blick auf die Studienlage zu dem Schluss: „Injektionen mit plättchenreichem Plasma könnten die Schmerzen bei Arthrose im Knie geringfügig verringern.“ Die Therapie sei anscheinend wirksamer als eine Placebobehandlung, der Effekt sei aber gering. Für die Hüfte hingegen, wiesen die Studien eher in Richtung keiner Wirksamkeit.

Die Techniker Krankenkasse hält in einem 2021 veröffentlichten Beitrag zur Eigenbluttherapie fest: „Ein wissenschaftlicher Nachweis über die Wirksamkeit der Eigenbluttherapie fehlt. Anerkannte Studien zu diesem Therapieverfahren gibt es nicht.“

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Was kostet eine Eigenbluttherapie?

„Pro Sitzung muss man mit einem Betrag zwischen 15 und 80 Euro rechnen“, sagt Schleker. Die genaue Höhe hängt unter anderem davon ab, ob das Blut vor der Re-Injektion aufbereitet wird oder nicht. Die Kosten muss man meist selbst tragen. Manche Krankenkassen bieten aber an, eine Eigenbluttherapie im Rahmen eines Bonusprogramms zu bezuschussen oder die Kosten ganz oder teilweise zu übernehmen.

Mit Material von dpa

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