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Coronavirus schlägt zudem härter zu

Demenz-Patienten haben ein doppelt so hohes Risiko, an Covid-19 zu erkranken

Frau mit Mundschutz am Fenster
Menschen, die an Demenz leiden, erkranken häufiger und zumeist schwerer an Covid-19Foto: Getty Images

Betroffene einer Demenz-Erkrankung sind offenbar doppelt so gefährdet, Covid-19 zu bekommen, wie Gesunde. Und: Offenbar stehen auch ihre Genesungschancen schlechter. Das haben US-amerikanische Forscher nach Auswertung von rund 61,9 Millionen Patientendaten herausgefunden.

Ein Team von Forschern aus u. a. Cleveland (Ohio) reagierte auf die bislang dünne Datenlage zum Zusammenhang zwischen dem Coronavirus und Demenz. Im Zuge der Auswertung elektronischer Patientenakten von rund 61,9 Millionen US-Amerikanern stellten sie fest: Demenz-Patienten erkranken doppelt so häufig (und meist schwerer) an Covid-19 wie nicht Demenz-Patienten.

Demenz – bisher wenig bekannter Risikofaktor für Covid-19

Alle Details zur Untersuchung sind im Fachjournal „Alzheimer’s & Dementia“ nachzulesen, einer Publikation der US-amerikanischen Alzheimer-Vereinigung.

Wie es darin heißt, deute vieles darauf hin, dass es sich bei Demenz um einen bisher wenig bekannten Risikofaktor für Covid-19 handeln könnte. So seien die Krankheitsverläufe oft schwerer, wenn Corona-Infizierte auch an Demenz litten, und endeten öfter tödlich.

Covid-19-Patienten mit Demenz öfter im Krankenhaus

Im Schnitt müssten 25 Prozent der US-amerikanischen Erwachsenen im Fall einer Covid-19-Erkrankung stationär behandelt werden. Litten sie zudem an Demenz, steige der Anteil an Hospitalisierungen bereits auf ein Drittel. Noch gravierender: Handelt es sich um afroamerikanische Demenz- und Covid-19-Patienten, müssen sogar 70 Prozent im Krankenhaus behandelt werden müssten.

Mehr Todesfälle im Fall von Demenz und Covid-19

Daneben sterben deutlich mehr Demenz-Patienten an Covid-19, wie die Forscher herausgefunden haben wollen – und zwar jeder vierte. Ohne Demenz-Erkrankung ist das Sterberisiko von Covid-19-Patienten (mit etwa fünf Prozent) deutlich geringer.

Unterschiede je nach Art der Demenz-Erkrankung

Daneben soll auch die Demenz-Art das Ausmaß des Risikos beeinflussen. Demenz ist bekanntlich der Überbegriff für verschiedene Krankheiten mit fortschreitender Beeinträchtigung der Gedächtnisleistung.

Am meisten gefährdet, (schwer) an Covid-19 zu erkranken, sind demnach Patienten mit vaskulärer Demenz, also solche mit charakteristischen Durchblutungsstörungen im Gehirn. Danach folgten Patienten mit präseniler, seniler und posttraumatischer Demenz sowie Alzheimer-Kranke.

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Wie kommt es zu dem Zusammenhang?

Körperlich geschwächt und daher anfälliger

Die Studienautoren vermuten, dass das erhöhte Risiko mit Schäden im Bereich der Blut-Hirn-Schranke von Demenz-Patienten zusammenhängt. Coronaviren, aber auch andere Erreger, könnten dadurch womöglich leichter vordringen.

Ebenso litten Demenz-Patienten häufig an Begleiterscheinungen und -erkrankungen wie Diabetes, starkem Übergewicht und Herz-Kreislauf-Problemen, die bereits unabhängig vom Hauptbefund als Risikofaktoren für Covid-19 angesehen werden. Dazu zählt auch das Alter. Im Schnitt leidet unter den 85-Jährigen jeder fünfte Mensch an Demenz, ab 90 ist es sogar jeder dritte.

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Viele Demenz-Kranke in Heimen

Nicht zuletzt lebten viele Demenz-Patienten in Pflegeheimen. Darauf weist das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ in seinem Bericht über die Studie hin. Demnach machen Todesfälle in Pflegeeinrichtungen fast die Hälfte aller Covid-19-Tode in den USA aus. In diese Zahl spielt jedoch auch das für gewöhnlich hohe Alter von Heimbewohnern hinein.

Krankheitstypische Verhaltensmuster

Daneben merken die Studienautoren auch die für Demenz-Kranke typischen Verhaltensstörungen an. Diese könnten sich im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie durch eine Unfähigkeit äußern, sich an das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, das Abstandhalten zu anderen Menschen und an häufiges Händewaschen zu gewöhnen bzw. sich daran zu erinnern.

Spagat zwischen Schutz und Isolation von Demenz-Patienten

Die Studienautoren sprechen von „vorläufigen Ergebnissen“, welche offenbar weiter untermauert werden sollen. Was sich jedoch bereits jetzt definitiv zeige: dass Strategien entwickelt und umgesetzt werden müssen, um das Schutzbedürfnis jener Risikogruppe zu erfüllen, ohne sie zu sehr abzugrenzen und zu isolieren.