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Internationale Studien

Wie lange bin ich nach der Corona-Impfung geschützt? Neue Ergebnisse liegen vor

Wie lang hält der Schutz der Corona-Impfung: Symbolbild mit Impdosis und Spritze
Neue Erkenntnisse internationaler Studien weisen darauf hin, dass bei den meisten Corona-Impfungen der Schutz vor einer Infektion nach einigen Monaten deutlich nachlässtFoto: Getty Images

64,8 Prozent der deutschen Bevölkerung sind geimpft, vielerorts macht sich ein großes Stück Normalität breit. Doch für viele liegt die Impfung mittlerweile bereits Monate zurück. Was bedeutet das für den Schutz vor Corona? Dazu liefern jetzt internationale Studien neue Erkenntnisse.

Schon als die Impfungen Ende 2020 in greifbare Nähe rückten, fragte man sich: Wie lange schützen sie bzw. das erworbene Abwehrsystem wirklich? Mittlerweile gibt es mehrere angewandte Impfstoffe – und viele haben sie bereits vor Monaten erhalten. Doch wie gut ist man eigentlich dadurch aktuell noch geschützt? Zugleich ist genügend Zeit vergangen, sodass es nun auch neue Daten und Erkenntnisse zum Schutz durch die Corona-Impfung gibt und dazu wie lang dieser anhält.

Schutz durch die Corona-Impfung

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass alle Impfstoffe helfen, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu vermeiden. Der Schutz davor ist durchweg hoch, wie Carsten Watzl, Immunologe am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der Technischen Universität Dortmund, bestätigte: „Bei den mRNA-Vakzinen lag diese bei 94 bis 95 Prozent, bei dem Impfstoff von AstraZeneca je nach Impfabstand bei 60 bis 80 Prozent und bei Johnson&Johnson wurden 66 bis 67 Prozent festgestellt.“

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Wie lange wirken die Corona-Impfstoffe?

Doch wie sieht es mit dem Schutz über einen längeren Zeitraum aus – nimmt er ab und wenn ja, wann und wie stark? Dazu liefern nun neue Daten aus Studien Erkenntnisse. So fand eine britische Studie heraus, dass die Wahrscheinlichkeit, trotz Impfung an Corona zu erkranken, zunimmt, je länger die Immunisierung zurückliegt.1 Ergänzende Zahlen lieferte jüngst eine Untersuchung der US-Gesundheitsbehörde CDC. Demnach sank die Wirksamkeit des BioNTech-Präparats nach vier Monaten auf 77 Prozent, während Moderna mit einer Effektivität von 92 Prozent nahezu stabil blieb.2 Fälle, in denen geimpfte Personen nach ihrer Immunisierung trotzdem an Corona erkranken, werden als Impfdurchbrüche bezeichnet. Davor schützt vor allem Moderna, wie Watzl unter Berufung auf RKI-Zahlen erläutert: „Bei Moderna gibt es bislang am wenigsten Durchbruchsinfektionen, BioNTech und AstraZeneca liegen gleichauf.“ Am schlechtesten schneidet Johnson&Johnson ab, von dem bisher auch nur eine Impfdosis verabreicht wird.

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Schutzwirkung von Moderna

Nicht nur vor einer generellen Ansteckung mit COVID-19 scheint Moderna gut zu schützen, der Impfstoff bietet offenbar insbesondere auch eine gute Abwehr gegen die Delta-Variante. Das meldete zumindest der Hersteller und berief sich auf eine Studie mit Seren (Blutbestandteil) von Geimpften.3

Schutzwirkung von BioNTech/Pfizer

Auch zum Impfstoff von BioNTech/Pfizer wird immer weiter geforscht und beobachtet, wie gut der Schutz der Corona-Impfung anhält. Eine US-Studie, die im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht wurde, hatte drei Monate nach der Impfung die für die Immunisierung wichtigen B-Gedächtniszellen nachweisen können. „Das belegt eine wirklich robuste Immunreaktion“, betonte Co-Studienleiterin Rachel Presti von der Washington University School of Medicine in St. Louis.4 Allerdings konnte die Studie nichts zur Langzeitwirkung von BioNTech/Pfizer aussagen. Diese Lücke schlossen nun zwei neue Studien – aus Israel und Katar.

Isrealische Studie

Forschende am „Sheba Medical Center“ in Tel Aviv hatten eine Untersuchung mit 4800 Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen durchgeführt und kamen zu dem Ergebnis, dass die Menge an Antikörpern, die durch BioNTech/Pfizer als Abwehr gegen Corona gebildet werden, im Laufe von sechs Monaten abnimmt.5 Besser schnitten Personen ab, die nur eine Impfdosis erhalten hatten, nachdem sie zuvor an Corona erkrankt und wieder genesen waren. „Insgesamt zeigen die sich häufenden Belege aus unserer und anderen Studien, dass die langfristige Immunantwort und die Wirksamkeit des Impfstoffs bei zuvor infizierten Personen besser waren als bei Empfängern von zwei Dosen Impfstoff“, erklärte das Forschungsteam rund um Dr. Gili Regev-Yochay.

Studie aus Katar

Parallel dazu beschäftigten sich Forscher in Katar mit tatsächlichen Infektionen in der bereits stark durchgeimpften Bevölkerung des kleinen Golfstaates. Verimpft wurde in dem Land überwiegend der Impfstoff von BioNTech/Pfizer, sodass die Studie zu seiner Wirkung Aussagen treffen kann. Die Wissenschaftler betrachteten den Zeitraum von Januar bis September 2021 und konnten eine abnehmende Wirksamkeit des Impfstoffs feststellen.6 Während bereits nach der ersten Impfung ein Schutz gegen Corona aufgebaut wird, erreicht dieser nach der zweiten Dosis seinen Höhepunkt. So weit, so bekannt. Was sich aber zudem zeigte, war, dass die Wirkung bereits direkt nach der zweiten Dosis auch allmählich wieder abnimmt. Ein Prozess, der sich ab dem vierten Monat nach der vollständigen Impfung beschleunigt, sodass die Schutzwirkung in den weiteren, folgenden Monaten auf 20 Prozent abfällt.

Die gute Nachricht aber auch hier: Während man sich trotz Impfung mit Corona anstecken kann, schützt sie vor schweren Verläufen, bei denen Beatmung im Krankenhaus oder sogar der Tod droht. Diesbezüglich liegt die Schutzwirkung von BioNTech/Pfizer laut der Katar-Studie auch nach Monaten weiter bei 90 Prozent.

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Fazit: Schutz vor Ansteckung nimmt ab, Schutz vor schweren Verläufen stabil

Zusammenfassend belegt die aktuelle Studienlage erneut, wie wichtig eine Impfung zur Bekämpfung der Pandemie ist. So nimmt in den Monaten nach der Schutz durch die Corona-Impfung vor Ansteckung mit dem Virus ab. Allerdings war diesbezüglich von Anfang an klar, dass es davor keinen hundertprozentigen Schutz geben kann. Sehr hoch und stabil ist dagegen die Wirkung, wenn es um den Verlauf einer Erkrankung geht. Dieser wird durch die Impfung nachweislich deutlich milder und weniger lebensbedrohlich. Interessant ist zudem, dass auch Genesene über eine Impfung nachdenken sollten, um sich optimal vor Corona zu schützen.

Quellen

Mit Material von dpa