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Variante B.1.1.7

Drosten gibt Einschätzung zur neuen Virusmutation aus Großbritannien

Corona-Virusmutation in Großbritannien
Eine Mutation des Coronavirus aus Großbritannien sorgt europaweit für BesorgnisFoto: Getty Images

Eine neue Variante des Coronavirus, erstmals festgestellt in Großbritannien, gilt als um 70 Prozent ansteckender. Wissenschaftler in Europa schlagen Alarm und suchen nach Möglichkeiten, um zu verhindern, dass die Virusmutation sich großflächig ausbreitet. Charité-Virologe Christian Drosten kann zumindest zögerlich Entwarnung geben.

Flüge aus Großbritannien dürfen seit Montagnacht um 0:00 Uhr in Deutschland und anderen Ländern der EU nicht mehr einreisen. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass eine Virusmutation des Erregers SARS-CoV-2 – die Variante B.1.1.7 – sich weiter ausbreitet. Diese Mutation gilt als noch infektiöser als das bei uns umgreifende Coronavirus. Grund zur Panik besteht offenbar trotzdem nicht.

Was ist bisher über die Virusmutation bekannt?

Corona-Experten schildern die Lage als ernst. Jedoch gilt die Coronavirusmutation nicht als gefährlicher. Heißt: B.1.1.7 verbreitet sich leichter und schneller, löst aber offenbar keinen schwereren Covid-19-Verlauf aus als frühere Varianten. Durch die Einreiseverbote aus Großbritannien wie auch aus Teilen Südafrikas, wo die Variante ebenfalls festgestellt worden sein soll, will man folglich „nur“ verhindern, dass die Infektionszahlen ins Unermessliche steigen.

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Dafür könnte es allerdings zu spät sein. Zumindest hält es Charité-Virologie-Professor Christian Drosten für gut möglich, dass die Coronavirusmutation bereits in Deutschland eingetroffen ist – wenn sie bisher auch noch nicht festgestellt worden sei. Ohne die derzeit unübersichtliche Situation verharmlosen zu wollen, gibt er im Interview mit dem Deutschlandradio zögerlich Entwarnung.

Sind Impfstoffe gegen Virusmutation wirksam?

Drosten gibt jedoch auch zu bedenken, dass uns bislang noch detaillierte Informationen fehlen. Ersten Analysen britischer Wissenschaftler zufolge verfügt die neue Variante des Coronavirus über ungewöhnlich viele genetische Veränderungen. Theoretisch können Mutationen auch die Wirksamkeit des Impfstoffes beeinflussen.

Tatsächlich müssen auch Impfstoffe gegen andere Viruserkrankungen, etwa gegen Grippe, immer wieder an aktuell zirkulierende Virusvarianten angepasst werden. Bei den neuartigen mRNA-Impfstoffen, zu denen der in Großbritannien eingesetzt Coronavirus-Impfstoff gehört, geht das vergleichsweise einfach. Diese Impfstoffe enthalten keine vollständigen Viren, sondern nur eine genetische Information, eine Bauanleitung für ein Virus-Protein. Diese Bauanleitung lässt sich relativ schnell an einen neuartigen Erreger anpassen.

Bislang gehen Wissenschaftler wie auch Professor Drosten ohnehin davon aus, dass einzelne Mutationen nicht ausreichen, um der komplexen Immunabwehr zu entgehen.

Wie ist es zu der Coronavirusmutation gekommen?

Dass Viren sich entwickeln bzw. mutieren, ist ganz normal. Beim Coronavirus kommt es durch diesen Prozess etwa alle zwei Wochen zu neuen Varianten des Erregers. Wir erinnern uns an den Coronavirustypen D614G, im Juni gefunden in Peking, der ebenfalls nicht als gefährlicher, aber immerhin als infektiöser galt. Durch Reisende hatte sich die Variante schnell auch bei uns in Europa und darüber hinaus ausgebreitet. Grund dafür waren Urlauber, die sich im Ausland infiziert und die Coronavirusmutation eingeschleppt hatten.

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Die allgemeine Empfehlung, die am Sonntag auch Gesundheitsminister Jens Spahn im „Bericht aus Berlin“ betonte: Von Reisen ist nach Möglichkeit abzusehen!

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