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Wissenschaftler uneinig

Corona-Todesrate sinkt – wird das Virus weniger tödlich?

Das Coronavirus: Deutet die sinkende Todesrate an, dass der Erreger weniger tödlich geworden ist?
Die Corona-Todesrate sank zuletzt. Doch bedeutet das gleichzeitig, dass das Virus weniger tödlich wird? Wissenschaftler sind sich da nicht einig.
Foto: Getty Images

Die absoluten Corona-Todeszahlen steigen auf weltweit mehr als 810.000 Fälle. Doch bei der Todesrate beobachten Wissenschaftler insbesondere in Europa eine sinkende Tendenz. Warum prozentual weniger an Covid-19-Erkrankte an der Infektion sterben, darüber sind sich die Experten nicht einig. Ein Grund könnte eine weniger tödliche Virus-Variante sein.

Aus aktuellen Zahlen der Johns Hopkins Universität in Baltimore geht hervor, dass seit Beginn der Coronapandemie welt­weit bereits mehr als 810.000 Menschen nach einer SARS-CoV-2-Infektion gestorben sind (Stand: 25. August). Die meisten davon entfallen den Wissenschaftlern zufolge auf die USA (rund 177.000), Brasilien (115.000) und Mexiko (61.000). Gemessen an der Einwohnerzahl liegen aber Länder wie Großbritannien (62 Tote pro 100.000 Einwohner), Schweden (57) oder Italien (54) vor den USA (54). In Deutschland liegt der Wert bei elf Toten pro 100.000 Einwohnern.

Doch trotz der erschreckenden Zahlen scheint die Todesrate bei Covid-19-Erkrankten nach unten zu gehen. Vieles deutet darauf hin, dass immer weniger Menschen aufgrund der Virusinfektion sterben.

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„Dies scheint nicht die gleiche Krankheit zu sein“

In England war der Anteil der Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren und später verstarben, Anfang August geringer als es noch Ende Juni der Fall war. Die Infektionssterblichkeitsrate (IFR) sank – je nach verwendetem Datensatz – um 55 bis 80 Prozent. Das geht aus einer Studie der University of Oxford hervor. „Dies scheint nicht die gleiche Krankheit zu sein oder nicht mehr so tödlich wie früher, als wir eine große Anzahl von Menschen sterben sahen“, sagte Jason Oke aus dem Forscherteam dem „New Scientist“. Der Trend bei der Corona-Todesrate sei nicht nur in England zu beobachten, sondern in ganz Europa.

Warum das so ist, ist jedoch nicht so klar. Was die Angaben für England betrifft, ist derzeit ein größerer Anteil jüngerer Menschen mit dem Coronavirus infiziert (die Fallzahlen unter den 15- bis 44-Jährigen sind aktuell am höchsten), als das zum ersten Höhepunkt der Pandemie im April der Fall war. Es ist bekannt, das eine Covid-19-Erkrankung für Jüngere weniger gefährlich ist. Daher wäre ein Shift bei den besonders betroffenen Altersgruppen eine Erklärung dafür, dass die Krankheit derzeit weniger tödlich erscheint.

 

Jason Oke glaubt jedoch nicht, dass die Änderung der Altersverteilung allein ausreicht, um zu erklären, was passiert. Möglich wäre auch, dass eine sich fortlaufend verbessernde Behandlung von schwer erkrankten Corona-Patienten in Krankenhäusern zu einer sinkenden Sterblichkeitsrate beiträgt.

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Sinkt die Corona-Todesrate auch aufgrund der neuen Virus-Variante?

Forscher aus Singapur haben jüngst noch eine weitere Erklärungsmöglichkeit für die sinkende Corona-Todesrate ins Spiel gebracht. Sie haben eine neue Variante des Coronavirus, das D614G, entdeckt, die nach ihren Angaben mildere Krankheitsverläufe auslöst. Die in der Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte Studie zeige zum ersten Mal, dass eine Gen-Mutation die Schwere der Erkrankungen beeinflusse, erklärten die Wissenschaftler. Das habe Auswirkungen auf die Entwicklung eines Impfstoffs und die Behandlung von Covid-19. Bereits zuvor hatten Forscher erklärt, dass eine Virus-Mutation im Kampf gegen die Pandemie von Vorteil sein könnte. Erreger würden durch die Veränderungen mitunter zwar ansteckender, aber weniger tödlich.

Doch auch diese Theorie erfährt bereits durch andere Forschungsarbeiten Widerspruch. Eine Studie des Imperial College in London kam zum Ergebnis, die D614G-Variante bedeute kein reduziertes Todesrisiko.

Studie: Einhaltung von Hygieneregeln senkt Sterblichkeit

Auch die Einhaltung von Hygiene-Maßnahmen könnte einen massiven Einfluss auf die Corona-Sterblichkeit haben. Das legen die noch ungeprüften Ergebnisse einer repräsentativen Studie der Ruhr-Universität Bochum nahe, die parallel in acht Ländern durchgeführt wurde. In Ländern mit guter Einhaltung der Hygiene-Regeln sind zwischen 1. Juni und 20. August 2020 13,6 Mal weniger Menschen an der Infektion gestorben als in Ländern mit schlechter Befolgung der Regeln.

Für die Studie wurden in Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Russland, Polen, den USA und Schweden je rund 1000 Personen ab 18 Jahren befragt. Von den insgesamt 7658 Teilnehmern beurteilten 77 Prozent der Befragten die Maßnahmen als sinnvoll. Deutschland erreichte dabei den Spitzenwert mit 84 Prozent. 92 Prozent aller Befragten gaben an, sich an die Verhaltensregeln zu halten (Deutschland: 94 Prozent). „AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske, Anm. d. R.) sind unsere wichtigsten Waffen im Kampf gegen Covid-19“, so das Fazit von Prof. Dr. Jürgen Margraf, Leiter des Forschungs- und Behandlungszentrums.

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