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Höhere Sterblichkeit?

WHO nimmt Warnung vor Ibuprofen bei Corona-Verdacht zurück

Corona: Frau nimmt eine Ibuprofen
Das fiebersenkende Schmerzmittel Ibuprofen kann bei Verdacht auf eine Coronainfektion eingenommen werden. Eine anderslautende Empfehlung hat die WHO jetzt zurückgenommen.Foto: Getty Images

Kann Ibuprofen den Verlauf einer Coronaerkrankung verschlimmern? Am Wochenende verbreiteten sich entsprechende Nachrichten – und verunsicherten viele Menschen, die auf Ibuprofen als Schmerzmittel setzen. Es stellte sich heraus, dass es sich um Fake-News handelte. Am Dienstag jedoch riet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) plötzlich davon ab, bei Corona-Verdacht auf Ibuprofen zu setzen – nur um es drei Tage die Warnung zurückzunehmen.

Am Wochenende noch hatte sich die Warnung noch als Fake-News verbreitet: In einer Sprachnachricht, die auch FITBOOK vorliegt, wurde behauptet, Ibuprofen könne Verläufe einer Infektion mit dem Coronavirus verschlimmern. Als Quelle wurde u. a. die Uniklinik Wien genannt, die sich jedoch später klar von den „Fake News“ distanzierte. In einem Facebook-Post werden die „angeblichen Forschungsergebnisse“ vehement abgestritten, in denen eine Verstärkung von Covid-19-Symptomen belegt worden sein soll.

Verschiedene Medien veröffentlichten daraufhin Theorien dazu, worauf die Behauptungen basieren könnten. Laut Tagesschau gebe es aus Frankreich Hinweise darauf, dass entzündungshemmende Arzneimittel wie z. B. Ibuprofen ein „Faktor“ für einen schwereren Corona-Verlauf sein „könnten“. Auch wird in einigen Berichten ein Fachartikel des Wissenschafts-Magazins „The Lancet“ angeführt. Dieser behandelt eine Untersuchung mit 32 (inzwischen bereits auf der Intensivstation verstorbenen) chinesischen Corona-Patienten und formuliert einen ähnlichen Fund ganz klar als Hypothese. Am Dienstag riet die Weltgesundheitsorganisation dann überraschend, im Corona-Verdachtsfall „Paracetamol und nicht Ibuprofen einzunehmen“.

WHO: Keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten

Laut WELT sagte WHO-Sprecher Christian Lindmeier, es gebe zwar keine neuen Studien, aus denen hervorgehe, dass Ibuprofen mit höher Sterblichkeit verbunden sei, aber die Experten prüften die Lage zurzeit. Jetzt – drei Tage nach der Warnung – kam man zu einem Ergebnis. Nach Konsultation von Studien und Ärzten sei man zu dem Schluss gekommen, dass es über die bekannten Nebenwirkungen bei bestimmten Bevölkerungsgruppen hinaus keine Hinweise auf negative Ibuprofen-Konsequenzen bei Covid-19-Patienten gebe.

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Verschlimmerung von Corona durch Ibuprofen? Noch keine Beweise

In dem „The Lancet“-Artikel gehe es um die Annahme, dass der Wirkstoff Ibuprofen die Zahl der Rezeptoren für das Coronavirus erhöhen könne, erklärt Internist Dr. med. Matthias Riedl im Gespräch mit FITBOOK – und betont in diesem Zusammenhang den Begriff Hypothese. Es sei überhaupt nichts bewiesen, versicherte er uns bereits am Montag, einen Tag vor der WHO-Warnung, und gab schon zu diesem Zeitpunkt Entwarnung. „So was verunsichert nur die Menschen. Studien gibt es schon gar nicht!“, so Riedl.

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FITBOOK hat auch bei Herrn Prof. Dr. Leo Latasch nachgefragt. Er ist Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Frankfurt am Main und hatte von den Gerüchten um Ibuprofen und das Coronavirus natürlich ebenfalls gehört – „Humbug“, wie er uns versichert.

Einige Herzmedikamente können anfälliger für Virusinfektionen machen

Grundsätzlich gilt: Bei Coronaverdacht sollte die Einnahme jeglicher Medikamente mit dem Arzt besprochen werden. „Es gibt einige Herzmedikamente, etwa gegen Bluthochdruck, die Patienten generell anfälliger für Virusinfektionen machen können“, so Prof. Dr. Leo Latasch, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Frankfurt am Main, zu FITBOOK. Allerdings handele es sich hierbei auch um Menschen, die „kränker“ seien, eine entsprechende Behandlung benötigten und daher besonders gefährdet. Die vermeintliche Wirkung der Medikamente sei vor dem Hintergrund eher vernachlässigbar.

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