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Gefahr Gehirnerschütterung

NFL-Quarterback Mahomes am Kopf verletzt – was ist das Concussion Protocol?

NFL Concussion Protocol Mahome
Star-Quarterback Patrick Mahomes von den Kansas City Chiefs (rotes Trikot)stieß beim Spiel gegen die Cleveland Browns übel mit deren Linebacker Mack Wilson zusammen. Foto: Getty Images

Beim American Football geht es körperlich oft ordentlich zur Sache. Spekatkuläre Tackles sind keine Seltenheit und oft kommt es dabei auch zu Verletzungen. Insbesondere der Kopf ist dafür anfällig. Zum Schutz der Spieler gibt es das sogenannte „Concussion Protocol“.

Beim American Football geht es körperlich oft ordentlich zur Sache. Spekatkuläre Tackles sind keine Seltenheit und oft kommt es dabei auch zu Verletzungen. Zuletzt für Aufsehen sorgte Kansas-Quarterback Patrick Mahomes, der sich beim Spiel gegen die Cleveland Browns eine Gehirnerschütterung zuzog. Browns-Linebacker Mack Wilson hatte ihn bei einem Tackle am Rücken getroffen und ihn danach mit seinem linken Arm um den Nacken zu Boden gezogen. In solchen Fällen versteht die Liga allerdings keinen Spaß. Zum Schutz der Spieler vor Folgeschäden durch Kopfverletzungen gibt es in der NFL das sogenannte „Concussion Protocol“. Das könnte nun auch Mahomes betreffen. FITBOOK erklärt, was dahinter steckt.

Was ist das Concussion Protocol?

Pro NFL-Partie stellt die Liga zwei sogenannte „Spotter“, deren Aufgabe es ist, vermeintliche Kopfverletzungen bei den Spielern zu erkennen. Sobald das passiert, treten sie per Funk mit den Trainern und dem medizinischen Personal des Teams in Kontakt und können sogar eine medizinische Auszeit veranlassen, damit der Spieler sofort behandelt werden kann.

Vorschriften besagen, auf welche Symptome zu achten ist

Laut den Regeln der NFL müssen diese „Spotter“ auf folgende Symptome bei den Spielern achten:

  • Verlieren des Bewusstseins
  • Schwierigkeiten, nach einem Treffer gegen den Kopf bzw. harten Aufprall auf den Boden wieder aufzustehen
  • Koordinations- oder Gleichgewichtsprobleme (bspw. Stolpern, deutlich verlangsamte oder schwerfällige Bewegungen)
  • leerer oder verwirrter Blick
  • Orientierungslosigkeit (bspw. wenn der Spieler nicht weiß, ob er auf dem Feld oder der Bank ist)
  • Griff an den Kopf nach einem Kontakt
  • eine sichtbare Gesichtsverletzung in Kombination mit mindestens einem weiteren Symptom

Was bedeutet das für NFL-Spieler wie Mahomes?

Ist eine dieser Voraussetzungen gegeben, muss der Spieler einen Test machen, den jeder von ihnen bereits vor Saisonbeginn absolvieren musste. Im Anschluss werden die aktuellen Werte mit den bereits vorhandenen verglichen. Gibt es Abweichungen, folgen weitere Untersuchungen in der Kabine. Wichtig: Ein Spieler darf während der Partie nach Durchlaufen des Concussion Protocols nur dann wieder aktiv am Spielgeschehen teilnehmen, wenn der Teamarzt und ein neutraler Neurologe ihm die Freigabe dafür erteilen. Geschieht das nicht, muss der betroffene Akteur nach dem Spiel weitere fünf Schritte durchlaufen, eher er wieder am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen darf. Das sind…

  1. Ruhe und Erholung: Elektronische Geräte, Social-Media-Aktivitäten und Team-Meetings sind verboten, nur etwas Gymnastik ist erlaubt.
  2. Leichte Fitness-Übungen: Die Spieler dürfen unter Aufsicht eines Athletiktrainers für 10-20 Minuten auf einen Hometrainer.
  3. Fitness-Übungen und Krafttraining: Der Umfang der Fitnessübungen wird erhöht und Krafttraining kommt hinzu, jedoch weiterhin unter Aufsicht eines Trainers.
  4. Football-spezifisches Training: Körperkontakt ist verboten, aber ansonsten darf der Spieler wieder mit dem Team trainieren.
  5. Freigabe für den kompletten Trainingsbetrieb.

Das könnte nun auch für Kansas-Quarterback Patrick Mahomes der Fall sein, bevor er wieder aufs Spielfeld darf.

Auch interessant: Wiederholte Kopfstöße können psychische Krankheiten auslösen

Regeländerungen im American Football

Um die Spieler und sich selbst zu schützen, änderte die National Football League (NFL) die Regeln. Attacken mit dem Helm gegen den Helm des Gegenspielers wurden verboten. Bereits 2009 wurde das Concussion Protocol eingeführt und seitdem stetig angepasst. Auslöser waren vermehrt Beschwerden aktueller und ehemaliger Spieler wegen Kopfproblemen bei der größten Football-Liga der Welt.

Speziell der Fall von Aaron Hernandez sorgte für Aufsehen. Der ehemalige Tight End der New England Patriots erhängte sich im September 2017 in seiner Gefängniszelle, wo er wegen eines Mordes aus dem Jahr 2012 einsaß. Seine Frau machte den Football dafür verantwortlich und verklagte die NFL. Bei der Obduktion stellte man bei Hernandez die degenerative Erkrankung CTE (chronisch-traumatische Enzephalopathie) fest. Kein Einzelfall! Bei 110 von 111 untersuchten Gehirnen von toten Football-Profis konnten Wissenschaftler der Boston University und des Boston Healthcare System CTE nachweisen. Die Krankheit gilt als Folge von wiederholten Schlägen gegen den Kopf und kann zu Gedächtnisverlust, Depressionen und Demenz führen. Im Sommer 2017 zahlte die NFL bereits eine Milliarde US-Dollar (rund 830 Mio. Euro) an ehemalige Spieler, die von CTE betroffen sind, um weitere Klagen abzuwenden.