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Australische Studie

Blutspenden kann chemische Stoffe im Körper verringern

Blutspenden: Blutspende
Wer regelmäßig Blut spendet, kann damit auch seiner eigenen Gesundheit Gutes tunFoto: Getty Images

Blut spenden kann Leben retten! Das gilt nicht nur Patienten, die dringend auf das Blut eines anderen angewiesen sind. Auch die Spender profitieren von einem bisher unbekannten gesundheitlichen Vorteil, wie eine australische Studie herausfand.

So kann mithilfe von Blutspenden der Spiegel von per- und polyfluorierte Chemikalien, kurz PFC, im Blut verringert werden. Das ergab die Untersuchung von 285 Feuerwehrleuten, die durch die Inhaltsstoffe in Feuerlöschschaum einer hohen Belastung an den krankmachenden Chemikalien ausgesetzt sind und zwölf Monate lang regelmäßig zur Blutspende gingen.

Was sind PFC?

Die Abkürzung PFC steht für per- und polyfluorierte Chemikalien, auch bekannt als ⁠PFAS⁠ (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) oder ⁠PFT⁠ (perfluorierte Tenside). Zu dieser chemischen Gruppe gehören mehr als 3000 verschiedene Stoffe.

Anwendungsgebiete

PFC sind wasser-, fett- und schmutzabweisend sowie chemisch und thermisch stabil, weshalb sie in vielen Verbraucherprodukten vorkommen. Dazu gehören:

  • Kochgeschirr
  • Textilien, z. B. Outdoor- und Arbeitskleidung, Teppiche
  • Papier und Lebensmittelverpackungen, z. B. Pizzakartons
  • Feuerlöschschaum
  • Imprägnierspray
  • Wachse und Schmiermittel, z. B. Skiwachse
  • Pestizide⁠
  • Baustoffe, z. B. Wetterschutzfarben und -lacke

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PFC sind nur schwer abbaubar

PFC gelangen bei der Herstellung und Anwendung PFC-haltiger Produkte in die Umwelt und können dort nur unter sehr hohem Energieaufwand wieder abgebaut werden. Natürliche Umweltbedingungen reichen dazu nicht aus. Auch in Kläranlagen können PFC nicht abgebaut werden, stattdessen entstehen durch verschiedene Umwandlungsprozesse weitere perfluorierte Chemikalien. Wasserlösliche PFC werden über Gewässer auf der ganzen Welt verteilt. Pflanzen nehmen PFC aus verunreinigten Böden auf. Flüchtige PFC verteilen sich über Luftströmungen, wodurch sie auch vom Menschen aufgenommen werden können, ebenso über die Nahrung oder verunreinigtes Trinkwasser.1

Gesundheitliche Gefahren von PFC

Im Menschen binden PFC an Proteine in Blut, Niere und Leber und werden nur langsam wieder ausgeschieden. So weisen manche PFC sehr lange Halbwertzeiten auf, z. B. 4,8 bis 5,4 Jahre bei Perfluoroktansulfonsäuren und 2,3 bis 3,8 Jahre bei Perfluoroktansäuren. PFC können außerdem während Schwangerschaft und Stillzeit von der Mutter zum Kind übertragen werden.2

Wie epidemiologische Studien ergaben, können einige dieser Stoffe eine verringerte Antikörperantwort auf Impfungen bewirken. Andere Studien zeigten auf, dass erhöhte Serumspiegel bestimmter PFC mit einer erhöhten Infektionsneigung verbunden sind. Weitere potenzielle gesundheitliche Gefahren von PFC sind:

  • entwicklungstoxische Effekte und verringerte Geburtsgewichte
  • verminderte Fertilität
  • erhöhte (LDL- und Gesamt-) Cholesterin-Konzentrationen
  • Diabetes mellitus Typ II3

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Studie mit 285 Feuerwehrleuten

Für ihre Studie untersuchten die Forscher der Macquarie University in Australien 285 Feuerwehrleute, die beim Feuerwehrdienst Victoria in Australien arbeiteten. Weil sie regelmäßig mit PFC-haltigem Löschschaum in Kontakt kommen, weisen Einsatzkräfte der Feuerwehr häufig eine hohe Konzentration an PFC im Blut auf. Während der Dauer der Studie spendeten 95 Feuerwehrleute alle zwölf Wochen Blut, 95 Feuerwehrleute alle sechs Wochen Plasma und 95 Feuerwehrleute spendeten weder Blut noch Blutplasma.

Während die Werte in der letztgenannten Gruppe gleich blieben, führten die regelmäßigen Plasma- und Blutspenden zu einer Verringerung der PFC-Konzentration. Studienleiter Robin Gasiorowski, Hämatologe an der Macquarie University in Sydney, erklärt in einer Mitteilung der Universität: „Während beide Interventionen bei der Senkung des PFAS-Spiegels wirksam sind, waren Plasmaspenden wirksamer und entsprachen einer 30-prozentigen Abnahme.“

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Fazit: Blutspenden bringt Vorteil für eigene Gesundheit

Dieses Ergebnis ist deshalb bemerkenswert, weil es einen neuen Weg zur Reduzierung des PFC-Spiegels im Blut darstellt – ganz ohne Medikamente oder medizinische Eingriffe. Allerdings müssen noch weitere Tests durchgeführt werden, um herauszufinden, ob es bestimmte Kategorien von Risikopersonen gibt, die am meisten von PFC-verringernden Plasma- und Blutspenden profitieren könnten.

Noch dazu könnten die Ergebnisse künftig Personen, die aufgrund ihres Berufes zur Risikogruppe gehören, vor gesundheitlichen Langzeitfolgen schützen. So betont auch Mick Tisbury vom Feuerwehrdienst Victoria: „Feuerwehrleute stellen oft die Gesundheit und Sicherheit anderer über ihre eigene Gesundheit, daher ist es erfreulich, dass die Ergebnisse dieser Forschung dazu verwendet werden können, die Gesundheit von Feuerwehrleuten zu verbessern, die durch lebenswichtige Gemeinschaftsarbeit hohe PFAS-Werte erreicht haben.“

Quellen

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