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Oder 45 Minuten pro Tag

300 Minuten Bewegung pro Woche sollen vor Krebs schützen können

Bewegung Krebs: Eine Frau geht zügigen Schrittes
Aktiv sein, hält fit und gesund. Wie viel Bewegung genau nötig, ist immer wieder Gegenstand der Forschung.Foto: Getty Images

Bewegung ist gesund und soll unter anderem das Risiko verkleinern, an Krebs zu erkranken. Doch wie aktiv muss man dafür sein? Gibt es einen „magischen“ Wert, an dem man sich orientieren kann? Genau das wollte eine US-Studie nun herausfinden.

Bewegung ist ein wichtiger Baustein, wenn es darum geht, sich möglichst gut vor Krebs zu schützen (natürlich betrifft das nicht alle Krebsarten gleichermaßen). Das hat die Forschung bereits gründlich belegen können.1,2 Umgekehrt konnten Untersuchungen auch zeigen, dass Inaktivität das Krebsrisiko erhöhen kann.3 Aber wie viel Bewegung ist nötig, um einer Krebserkrankung vorbeugen zu können? Mit dieser Frage beschäftigten sich nun Wissenschaftler der „American Cancer Society“ und der Emory University in Atlanta. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift „Medicine & Science in Sports & Exercise“.4

Die Studie

Um den Zusammenhang zwischen Krebs und Inaktivität zu messen, verwendeten die Forscher ein statistisches Analyseverfahren namens P.A.F. („population-attributable fraction“). Mit dieser mathematische Methode können Wissenschaftler abschätzen, wie viele Fälle einer Krankheit in einer größeren Population auf ein bestimmtes Verhalten oder einen anderen Faktor zurückzuführen sind.

P.A.F. kann zum Beispiel aufzeigen, wie viele Dickdarmkrebsfälle eines Jahres dem Rauchen, Alkohol, fetthaltigem Essen oder übermäßigem Sitzen zugeschrieben werden können. Im Rahmen des Analyseverfahrens gliederte sich die Studie in drei Teile auf.

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Teil 1: Krebsfälle in den USA

Im ersten Schritt sammelten die Forscher anonyme Daten aus der „U.S. Cancer Statistics Database“. Sie sahen sich die bekannten Krebsfälle von Amerikanern aller Bundesstaaten an. Die Daten waren zwischen 2013 und 2016 erhoben worden. Zu diesem Zeitpunkt waren die Betroffenen 20 Jahre oder älter. Die Wissenschaftler betrachteten zum einen alle Krebsarten. Darüber hinaus richteten sie noch einen gesonderten Blick auf die sieben Krebsarten, die in den früheren Studien mit Bewegung bzw. Inaktivität in Zusammenhang gebracht worden waren: Magen-, Nieren-, Speiseröhren-, Dickdarm-, Blasen-, Brust- und Gebärmutterkrebs.

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Teil 2: Wie viel bewegen sich die Amerikaner?

Der zweite Teil der Studie stützte sich auf bundesstaatliche Umfragen zum Thema „Wie viel bewegen sich die Amerikaner?“ Mehr als eine halbe Million Menschen gaben dabei an, wie aktiv sie sind und wie genau sie sich bewegen bzw. welchen Sport sie treiben. Diese Angaben glichen die Forscher mit der offiziellen Empfehlung der „American Cancer Society“ ab, welche besagt, dass man sich 300 Minuten (5 Stunden) in der Woche moderat bewegen sollte. Bereits zügiges Gehen gilt als Bewegung. Die Umfrageergebnisse wurden entsprechend in zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Gruppe 1 bewegte sich 300 Minuten pro Woche oder mehr
  • Gruppe 2 erreichte in Sachen Bewegung einen Wert unter 300 Minuten pro Woche

Teil 3: Datenbereinigung

Im finalen Schritt ihrer Untersuchung bereinigten die Forscher ihre Daten. Dafür bezogen sie den BMI (Body-Mass-Index) der an Krebs erkrankten Personen mit ein. Außerdem prüften sie auf andere Faktoren, die das Krebsrisiko erhöht haben könnten. So gingen sie sicher, dass ihre Ergebnisse wirklich auf den Faktor Bewegung zurückzuführen sind. Am Ende packten sie alle gesammelten Daten in die eingangs erwähnte mathematische Gleichung.

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Studienergebnisse

Tatsächlich zeigte die Studie, dass von den etwa 1.708.921 neuen Krebsfällen5 pro Jahr in den USA etwa drei Prozent durch mehr Bewegung hätten verhindert werden können. Das bedeutet, dass in den Jahren 2013 bis 2016 jährlich 46.356 Menschen nicht an Krebs erkrankt wären, wenn sie sich früher mehr bewegt hätten. Genauer: 300 Minuten pro Woche, was sich auf etwa 45 Minuten pro Tag herunterbrechen lässt.

Bei der genaueren Betrachtung einzelner Krebsarten fielen den Wissenschaftlern zudem bemerkenswerte Unterschiede auf. Während beim Blasenkrebs vier Prozent aller jährlichen Fälle auf zu wenig Bewegung zurückzuführen waren, waren es bei Magen- und Darmkrebs deutlich mehr, nämlich 17 Prozent.

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Fazit

Die Forscher kommen anhand ihrer Analysergebnisse zu dem Schluss, dass sich womöglich rein durch ausreichende Bewegung pro Jahr etwa 46.000 Fälle von Krebs vermeiden ließen (bezogen auf die US-amerikanische Bevölkerung). Allerdings betonte Studienautorin Adair Minihan, dass Krebs natürlich eine unfassbar komplexe Erkrankung sei und auch die fittesten Menschen erkranken können.

Die Studie, so betonte sie, solle nicht dazu dienen, „Menschen dafür zu beschämen, dass sie keinen Sport treiben oder zu suggerieren, dass jemand an einem Tumor erkrankt ist, weil er oder sie manchmal das Fitnessstudio schwänzt. Die Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass jeder von uns, der täglich etwa 45 Minuten einfache Bewegung, wie zum Beispiel Spazierengehen, in seinen Alltag einbauen kann, sein Risiko vermindern könnte, Krebs zu bekommen.“6

Quellen

  1. Devin, J.L., Hill, M.M., Mourtzakis, M. et al. (2019). Acute high intensity interval exercise reduces colon cancer cell growth. The Journal of Physiology
  2. Orange, S.T., Jordan, A.R., Saxton, J.M. (2020). The serological responses to acute exercise in humans reduce cancer cell growth in vitro: A systematic review and meta-analysis. The Physiological Society
  3. Shen, D., Mao ,W., Liu, T. et al. (2014). Sedentary Behavior and Incident Cancer: A Meta-Analysis of Prospective Studies. PLOS One
  4. Minihan, A.K., Patel, A.V., Flanders, D.W. et al. (2021). Proportion of Cancer Cases Attributable to Physical Inactivity by US State, 2013-2016. Medicine & Science in Sports & Exercise
  5. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). (2021). Cancer Data and Statistics
  6. Reynolds G. (2021). 300 Minutes a Week of Moderate Exercise May Help Ward Off Cancer. New York Times