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Keine Einbildung!

Warum Zahnweh nachts oft schlimmer wird

Zahnschmerzen nachts schlimmer
Human tooth pain, computer illustration. Foto: Getty Images/Science Photo Library RF
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Anna Echtermeyer
Redakteurin

25. Dezember 2025, 9:14 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Zeit für Nachtruhe, doch einer dreht nun richtig auf: der schmerzende Zahn. Weshalb uns Zahnweh in der Nacht stärker plagt, warum ein Zahnarzt davon abrät, zum Stillen des Schmerzes auf einer Gewürznelke zu kauen – und wie wirksame Prävention vor Karies gelingen kann.

Ein Grund für stärkere Zahnschmerzen nachts: Im warmen Bett dehnt sich entzündetes Gewebe aus

Schlafen wäre jetzt schön. Doch ein Zahn macht der erholsamen Nachtruhe einen Strich durch die Rechnung – er pocht und zieht stärker als noch am Tag. Das ist „keine Einbildung“, wie der Zahnarzt Jochen Schmidt vom Carree Dental in Köln sagt. 

Es gibt dem Mediziner zufolge mehrere Erklärungen dafür, warum Zahnschmerzen uns nachts oft stärker plagen – ein Überblick: 

  • Die Schmerzen können uns fieser vorkommen als tagsüber, „weil wir durch nichts abgelenkt werden und uns mehr darauf konzentrieren“, so Schmidt.
  • Weil es im Bett so kuschelig warm ist, dehnt sich das entzündete Gewebe aus. Auch das kann die Beschwerden verschlimmern.
  • Am Abend produziert unser Körper zudem weniger Cortisol. Das ist ein Hormon, das schmerzhemmend wirkt. 

Zahnärztin verrät: »Das sind erste Karies-Anzeichen, noch bevor es schmerzt

Mit Schmerzmittel und Kälte die Wartezeit überbrücken

Was also tun, wenn ein Zahn herumzickt und einem den Schlaf raubt? Das erste To-do für den nächsten Morgen ist gesetzt: einen Zahnarzttermin ausmachen, falls das noch nicht geschehen ist. Schließlich zeigen Zahnschmerzen, dass etwas im Mund nicht stimmt – etwa aufgrund von Karies, einer Wurzelentzündung oder einer Parodontitis

Und wie überbrückt man die Zeit bis zum Termin? Wohltuend kann Kälte sein, etwa in Form eines Eiswürfels zum Lutschen oder auch als Kühlpack, das – eingewickelt in ein Tuch – auf der Wange platziert wird. 

Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen und Paracetamol lindern die Beschwerden. Damit sollte man sich Schmidt zufolge aber für maximal drei Tage behelfen, weil sie Nebenwirkungen haben können. 

Auch interessant: Erstaunlich! Was eine Wurzelbehandlung im ganzen Körper bewirkt

Zum Schmerzstillen besser nicht auf Gewürznelke kauen

Was auch helfen soll: Auf einer Gewürznelke kauen. Ein darin enthaltenes ätherisches Öl – Eugenol – gilt als schmerzstillend und entzündungshemmend. Von diesem Hausmittel rät Jochen Schmidt jedoch ab. Kolleginnen, Kollegen und er selbst auch haben „schon mehrfach“ Nelkenreste aus Zwischenräumen entfernen müssen. Die Ursache der Beschwerden habe sich dadurch eher verschlimmert.

Mögliche Ursachen von Zahnschmerzen

Die häufigste Ursache von Zahnschmerzen ist unbehandelte Karies (Zahnfäule), die sich über Entzündung der Pulpa bis zur Wurzelinfektion entwickeln kann. Wenn eine Karies bis ins Dentin (die unter der Zahnschmelzschicht liegende Zahnsubstanz) vordringt, reagieren die feinen Nerven in der Pulpa empfindlich auf Reize wie Wärme, Kälte, Süßes oder Druck. Solange der Schmerz kurz nachlässt, gilt die Entzündung als reversibel.

Durch fortschreitende Karies, undichte Füllungen sowie Stöße oder Unfälle kann sich das Zahnmark (Pulpa) entzünden. Eine sogenannte Pulpitis kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Typisch sind anhaltende, pochende Schmerzen – vor allem nachts oder nach Wärme.

Eine unbehandelte Pulpitis wiederum kann dazu führen, dass sich Eiter im Bereich der Zahnwurzel bildet. Das verursacht starke, pulsierende Schmerzen, Schwellungen und eine ausgeprägte Druckempfindlichkeit.

Eine Entzündung des Zahnfleisches rund um einen durchbrechenden Weisheitszahn, bei der sich Bakterien unter einer Zahnfleischhaube ansammeln, nennt sich Perikoronitis.1

Seltenere Ursachen

  • Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis): Schmerzen im Oberkiefer werden dabei fälschlich als Zahnschmerz wahrgenommen.
  • Ernsthafte Komplikationen wie Ludwig-Angina (tiefe Weichteilinfektion unter der Zunge) oder Sinus-cavernosus-Thrombose (Hirnvenenentzündung) sind sehr selten, aber potenziell lebensgefährlich.
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Wann Zahnschmerzen ein Fall für die Notaufnahme sind

Schwellung im Wangen- und Mundbodenbereich, Fieber, Kopf-/Nackenschmerzen oder Einschränkung des Mundöffnens sind Warnzeichen für eine Ausbreitung der Zahninfektion. Wenn also die Wange anschwillt, Fieber auftritt oder der Schmerz pulsiert, sollte man nicht zögern und einen Notdienst aufsuchen.

Prävention – so gelingt wirksamer Kariesschutz

Laut der S3-Leitlinie zur Kariesprävention der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) und der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) basiert wirksamer Kariesschutz nicht auf einer einzelnen Maßnahme, sondern auf einem Zusammenspiel mehrerer Routinen.2 Dazu gehören:

  • vor allem gründliches Zähneputzen zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta
  • eine regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume – am besten mit Interdentalbürstchen
  • eine zuckerbewusste Ernährung sowie
  • regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt
  • bei erhöhtem Kariesrisiko können laut den Experten Fluoridlacke oder -gele sinnvoll sein
  • Ein oft unterschätzter Schutzfaktor ist Speichel: Er neutralisiert Säuren und unterstützt die natürliche Reparatur der Zahnoberfläche – wer also nach dem Essen einen zuckerfreien Kaugummi kaut, tut seinen Zähnen etwas Gutes.

Bei Kindern und Jugendlichen mit tiefen Fissuren empfiehlt die Leitlinie zudem eine Fissurenversiegelung, um gefährdete Stellen langfristig vor Karies zu schützen. Das Ziel: Eine ganzheitliche, lebenslange Zahnpflege, die Zahnweh gar nicht erst aufkommen lässt.

Quellen

  1. MSD Manual Professional Edition: Toothache and Infection. (aufgerufen am 25.11.2025) ↩︎
  2. S3-Leitlinie „Kariesprävention bei bleibenden Zähnen“, Version 2.0, 2025 (aufgerufen am 25.11.2025) ↩︎

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